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Geschichte: Die Mutprobe
Eine Geschichte für Schulkinder zum Weiterdenken und Diskutieren.
Bastian konnte es kaum glauben: Ecki, der Supercoole, den alle bewundern, mit dem alle befreundet sein wollen, hat ihn angesprochen! "Komm am Samstagnachmittag um 3.00 Uhr zum Sportplatz, wenn du bei uns mitmachen willst!", sagte er zu Bastian, als sie gerade aus der Pause wieder in ihr Klassenzimmer liefen.
Bastian ist völlig aus dem Häuschen! Bei Eckis Clique dabei zu sein, das wünschen sich so viele Jungs aus seiner Klasse. Und ihn hat er jetzt angesprochen. Was am Samstag wohl geplant ist? Und jetzt ist erst Freitag, 3. Stunde. Normalerweise liebt Bastian die Mathestunde, doch heute kann er sich nicht recht konzentrieren.
Endlich ist es Samstag
Am Samstagmorgen erwacht Bastian mit einem Kribbeln im Bauch. Sofort fällt es ihm wieder ein: Heute ist DER Tag! Der Tag, an dem er in Eckis Clique aufgenommen wird. Doch in die ganze Vorfreude mischt sich auch ein wenig Unbehagen. Was Ecki vorhat? Er ist nicht gerade für sein zimperliches Verhalten berühmt. Oft bekommen Ecki und seine Kumpel Ärger, weil sie sich wieder mit jemandem angelegt haben.
Aber mit denen, auf die es Ecki abgesehen hat, will sowieso keiner etwas zu tun haben. Das sind alles Schwächlinge, Angsthasen oder Mädchen. Und wenn er, Bastian, erst in die Clique gehört, dann werden ihn die anderen alle bewundern und ganz schön neidisch sein. Zum Frühstück bekommt er kaum etwas hinunter, und der ganze Vormittag scheint zäh wie Kaugummi zu sein.
Eckis Clique wartet schon
Jetzt ist es endlich kurz vor 3 Uhr. Seiner Mutter murmelt er etwas von "Fußball, trainieren, Sportplatz ...!" zu, dann ist er schon unterwegs. Am Sportplatz sind alle bereits versammelt: Ecki, Hannes, der Ecki immer wie ein Schatten folgt, Philipp, Thomas und die anderen. "Hi, gut, dass du da bist!", wird er von ihnen begrüßt.
Ecki ergreift gleich das Wort: "Wenn du bei uns mitmachen willst, musst du erst beweisen, dass du zu uns gehörst. Wir haben eine richtig coole Mutprobe für dich beschlossen. Pass auf: Gleich um die Ecke ist doch die Koranschule, in die Emrah aus unserer Klasse samstags geht." "Samstags, wer geht denn am Samstag schon in die Schule, da weiß du doch gleich, wie daneben der ist!", johlen die anderen. Bastian spürt wieder dieses Unbehagen in seinem Bauch. Was ist hier geplant? Soll er einfach abhauen? Nein, diesen Gedanken verwirft Bastian gleich wieder. Er wäre das Gespött der ganzen Schule, dafür würde Ecki sorgen.
Eine Mutprobe - So hatte sich das Bastian nicht vorgestellt
"Ruhe, jetzt haltet die Klappe und hört zu: Bastian wartet, bis jetzt gleich diese Schule zu Ende ist. Die kommen dann alle hier vorbei. Kennst du Emrahs Schwester?" Bastian nickt.
Sie heißt Aische und ist 2 Klasen weiter als er. "Sie läuft immer mit Emrah nach Hause", fährt Ecki fort, "du bringst uns ihr Kopftuch! Dann bist du einer von uns!" Bastian schluckt. Irgendwie hat er schon so etwas geahnt. Was soll er jetzt tun? Alle schauen ihn herausfordernd an. "Klar", seine Stimme krächzt ein bisschen, "wird erledigt. Ist doch kein Problem!" "Achtung, sie kommen!", ruft Thomas, der vorne an der Straße Ausschau hält.
Mutprobe ja oder nein? - Jetzt muss er sich entscheiden
Bastian läuft zur Straße. Vielleicht 10 Mädchen und Jungs kommen lachend und rufend vorbei. Er hat einen dicken Kloß im Hals und ihm zittern die Knie. "Warum ist man cool, wenn man andere ärgert?", fragt er sich im Stillen. Er hört Ecki und die anderen hinter sich tuscheln. Merken sie, dass er zögert? "Los, mach schon", feuert Bastian sich in Gedanken selber an, "das ist ein Mädchen, und ich will weder etwas mit Emrah, noch mit seiner Schwester zu tun haben."
Er schlendert auf Emrah zu. Der sieht ihn erstaunt an, da zieht Bastian mit einem Ruck Aische das Kopftuch herunter und ist wie ein Blitz wieder im Gebüsch verschwunden. Aufgeregtes Geschrei verfolgt ihn, doch Ecki packt ihn am Arm und zieht ihn in ein Versteck zwischen den Zweigen. Atemlos wartet Bastian, bis das wütende Rufen und auch das leise Schluchzen draußen auf der Straße verschwunden sind.
Ein blödes Gefühl
Alle klopfen ihm auf die Schulter, klatschen und johlen Beifall. "Hast du das Gesicht von Aische gesehen? Als wolltest du sie umbringen, so hat sie geschaut! Und Emrah erst! Klasse! Richtig cool!" Alle rufen durcheinander. Doch Bastian hört sie kaum. Wie betäubt steht er da. Ja, er hat das Gesicht von Aische gesehen. Entsetzt hat sie geschaut, ihre Augen waren richtig erschrocken. Und Emrah hat ihn eine Sekunde völlig ungläubig angestarrt. So, als hätte er das gerade von ihm nicht erwartet. Na ja, bis vor einer 1/2 Stunde hätte er sich das ja selbst noch nicht zugetraut.
Plötzlich mag er Ecki und seine Clique nicht mehr sehen. Die Augen von Aische und Emrah lassen ihn nicht mehr los. Ohne ein Wort nimmt Bastian Ecki das Kopftuch aus der Hand, dreht sich um und geht. "He, was ist los? Jetzt geht´s doch erst richtig los!!", rufen sie ihm zu. Doch Bastian will nichts mehr hören.
Will er wirklich zur Clique gehören?
Aische und Emrah gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Sie haben ihm nichts getan. Sie sind nur ein bisschen anders. War das, was er getan hat, mutig von ihm? Ihn beschleicht das Gefühl, dass es eigentlich ganz schön feige war. Ein Mädchen bloßzustellen, das nichts mit ihm zu tun hat! "Und ich wollte cool und mutig sein!", sagt sich Bastian kleinlaut. Als Bastian das Tuch in seiner Hand betrachtet, beschleicht ihn ein anderes Gefühl.
Er schämt sich und kommt sich richtig mies vor. Dann wird ihm eins klar: Die richtige Mutprobe kommt erst noch. Er muss diese Riesendummheit wieder gutmachen. Er muss Aische das Tuch bringen ...
Jetzt seid ihr dran: Wie geht es weiter?
Wie soll Bastian Aische das Tuch bringen...?
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