So unterstützen Sie schüchterne Kinder im Kita-Alltag


30.12.2016
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Schüchterne Kinder gehören mit zu den Kindern, die in der Kita gelegentlich übersehen werden. Störende Kinder stehen häufiger im Fokus der Erzieherinnen, wohingegen stille und zurückgezogene Kinder weniger auffallen. Lesen Sie hier, wie Sie schüchterne Kinder in Ihrer Kita unterstützen und fördern können.

 

Praxisbeispiel: Sanettas Einschulung steht 2017 bevor. Sanettas Eltern wenden sich besorgt an die Erzieherin und fragen, ob es nicht besser wäre, Sanetta noch von der Einschulung zurückzustellen. Das Mädchen ist sehr still, es spricht nur selten mit den Erzieherinnen und schaut sie auch kaum an. Sanetta spielt gern allein oder mit ihrer Freundin Germaine. In größeren Kindergruppen fühlt sie sich offensichtlich nicht wohl.

 

 

 

Schüchterne Kita-Kinder unterstützen

Schüchterne und stille Kinder lernen und spielen meist im sehr zurückgezogenen Umfeld. Sie lassen sich vieles gefallen und können sich kaum gegen andere Kinder wehren.

Der Schweizer Pädagoge Professor Dr. Georg Stöckli beschreibt Schüchternheit als 3-fache Symptomatik:

  • als körperliches Symptom wie Erröten, Herzklopfen und ein flaues Gefühl im Magen,
  • als kognitives Symptom wie hohe Selbstaufmerksamkeit, negative Selbsteinschätzung oder Selbstablehnung und
  • als soziales Symptom wie Gehemmtheit, Unbeholfenheit und Rückzugsverhalten.

Akzeptieren Sie die Schüchternheit des Kindes

Schüchternheit ist ein Wesensmerkmal, das sich nur bedingt verändern lässt. Versuchen Sie nicht, das schüchterne Kind zu Verhaltensweisen zu ermutigen, die es gar nicht aufbringen kann. Wenn Sie das Kind immer wieder ermutigen, auch einmal etwas vor der Gruppe zu sagen, oder es drängen, sich nicht von anderen Kindern alles gefallen zu lassen, bewirken Sie das genaue Gegenteil. Denn neben der Ängstlichkeit und Zurückgezogenheit bekommt das Kind das Gefühl vermittelt: „Mit mir ist etwas nicht in Ordnung. So, wie ich bin, gefalle ich meiner Erzieherin nicht!“

 

Tipp für Ihre Praxis: Sprechen Sie auch mit den Eltern des schüchternen Kindes. Diese meinen es oft „zu gut“ mit ihrem Kind und verlangen schwer zu Leistendes von ihm, wie z. B. den Blickkontakt zu anderen Erwachsenen oder die Kontaktaufnahme zu anderen Kindern.

Stehen Sie dem schüchternen Kind bei

Sprechen Sie die Schüchternheit nicht vor dem Kind an. Unterstützen Sie das stille Kind in Situationen, in denen ihm scheinbar Unmögliches abverlangt wird. Helfen Sie dem Kind, indem Sie schwierige Situationen mit ihm gemeinsam meistern.

Beispiel: Sanetta möchte auf die Schaukel am Kita-Spielplatz. Sie wartet bereits eine Weile, dass die Schaukel frei wird. Da kommt Claus, drängt sich an Sanetta vorbei und nimmt auf der jetzt freien Schaukel Platz. Sanetta steht sprachlos und fassungslos da. Ihr treten die Tränen in die Augen, doch sie wagt es nicht, sich über Claus zu beschweren.

Die Erzieherin beobachtet die Situation und geht auf Sanetta zu: „Was meinst du, wenn wir gemeinsam zu Claus hingehen. Traust du dir zu, ihm zu sagen, dass du jetzt dran bist? Ich bleibe die ganze Zeit an deiner Seite, versprochen!“ Traut sich Sanetta diese Reaktion noch nicht zu, so geht die Erzieherin mit ihr zu Claus, und die Erzieherin erklärt Claus, dass nicht er, sondern Sanetta jetzt mit dem Schaukeln an der Reihe ist.

 

Loben Sie das Kind häufig

Schon für kleinste Fortschritte sollten Sie dem Kind eine deutliche Rückmeldung geben und es dafür loben. „Du hast dich gerade getraut, mit mir auf Claus zuzugehen. Du hast dich selbst dafür eingesetzt, dass du schaukeln darfst, weil du auch schon länger gewartet hast. Das hast du toll gemacht. Das würde ich heute auch gern deiner Mama erzählen, wenn sie dich abholen kommt. Darf ich das?“

 

Tipp für Ihre Praxis: Jedes Lob sollte sich immer direkt an das schüchterne Kind richten und sein Verhalten und seine Fortschritte beschreiben. Dadurch gewinnt das stille Kind langfristig an Selbstvertrauen und Sicherheit.

 

Fazit: Schüchterne Kinder brauchen viel Einfühlungsvermögen und vor allem Geduld. Dann gelingt es ihnen, Vertrauen zu fassen und aus dem eigenen Schneckenhaus herauszuschauen.

 

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Unsere AWO Kita-Einrichtung ist schwerpunktmäßig auf 0- bis 3-Jährige ausgerichtet, und für uns ist „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ die perfekte Unterstützung: Obwohl wir seit über 30 Jahren mit Kindern unter 3 arbeiten, sind wir dankbar für all die neuen Anregungen und die praxisorientierten Angebote aus „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“. Gerade im Bereich Entwicklungspsychologie hat sich so viel getan, dass es wunderbar passt, hier immer topaktuell informiert zu sein. „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ ist eine tolle Sache!

Christel Kamprath, AWO Kita Rotkäppchen, Allstedt


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