Entwicklungsgespräche erfolgreich planen


17.03.2016
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Ein abgestimmtes pädagogisches Handeln von Eltern und Erzieherinnen ist eine wichtige Grundlage für die Umsetzung des Bildungs- und Betreuungsauftrags. Informieren Sie die Eltern deshalb von Anfang an über Entwicklungsgespräche in der Kita. Sie sollten die grundlegenden Informationen über die Entwicklungsgespräche und deren Ziele bereits beim Aufnahmegespräch an Ihre Eltern weitergeben. Erläutern Sie ihnen, wie oft Sie die Entwicklungsgespräche anbieten, welchen Inhalt diese haben, und vor allen Dingen, welche Ziele Sie damit verfolgen. Die Eltern lernen die Entwicklungsgespräche so als wichtigen Baustein der pädagogischen Qualität Ihrer Arbeit kennen.

 

Laden Sie die Eltern schriftlich zu Entwicklungsgesprächen ein

Die Entwicklungsgespräche finden auf Initiative der Erzieherinnen statt. Laden Sie die Eltern schriftlich zu den Gesprächen ein. Das unterstreicht nochmals die Bedeutung der Gespräche. Fragen Sie die Eltern bei Übergabe der Einladung, ob sie noch Fragen zum Entwicklungsgespräch haben. Wenn ja, besprechen Sie nochmals kurz mit ihnen, worauf sie sich einstellen sollten. Achten Sie auch darauf, ob Sie Anzeichen dafür erkennen, dass die Einladung bei den Eltern Ängste auslöst. Diese sollten Sie unbedingt abbauen.
Entwicklungsgespräche sind natürlich grundsätzlich ein Angebot, das Sie den Eltern machen. Die Eltern können dieses Angebot annehmen oder ablehnen – das ist ihr gutes Recht. Dennoch sollten Sie, wenn Eltern das Angebot nicht annehmen, nach den Gründen fragen und gegebenenfalls nochmals für ein Entwicklungsgespräch werben.

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Bereiten Sie das Entwicklungsgespräch inhaltlich vor

Jedes Entwicklungsgespräch muss von Ihren Erzieherinnen inhaltlich vorbereitet werden. Dazu sollte die Erzieherin, die das Gespräch führen wird, das von Ihnen entworfene Formular nutzen. Die Erzieherin beschreibt für jeden der im Formular vorgegebenen Bildungsbereiche die Entwicklung des Kindes im Zeitraum seit dem letzten Entwicklungsgespräch.
Das Formular soll Ihre Erzieherinnen auch dabei unterstützen, ihr Augenmerk nicht nur auf „Defizite“ zu richten. Wir alle tendieren dazu, unsere Aufmerksamkeit stärker auf die Bildungsbereiche zu richten, die wir als problematisch wahrnehmen. Das Formular sorgt dafür, dass die Erzieherinnen alle Bildungsbereiche in den Blick nehmen und sich dazu mit den Eltern austauschen.

Nutzen Sie kollegiale Beratung bei der Vorbereitung des Entwicklungsgespräches

Fordern Sie Ihre Erzieherinnen auf, bei der inhaltlichen Vorbereitung der Entwicklungsgespräche kollegiale Beratung in Anspruch zu nehmen. Die Einschätzung der Entwicklung und des Entwicklungsstandes im Vorfeld des Gesprächs sollte nicht nur auf der Wahrnehmung einer Erzieherin basieren. Wir alle kennen das Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Wir sehen bevorzugt das, was in das Bild passt, das wir uns aufgrund unserer Erfahrungen machen.
Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat das Phänomen einmal sehr treffend mit dem Satz beschrieben: „Ich weiß, dass mich alle Ampeln hassen, denn jede Ampel, auf die ich zufahre, ist rot.“ Deshalb sollten Sie Ihre Erzieherinnen bitten, immer noch eine 2. oder 3. Meinung einzuholen. Ihre Erzieherinnen sollten ihre Beobachtungen und ihre Sicht auf das Kind mit mindestens einer Kollegin abgleichen.

 

Bereiten Sie das Entwicklungsgespräch organisatorisch vor

Das Gespräch selbst sollte in einer ungestörten Atmosphäre stattfinden. Sorgen Sie dafür, dass ein Raum zur Verfügung steht, in dem es für die Zeit des Gesprächs keine Störungen gibt. Die Erzieherin trägt Sorge dafür, dass weder ein Festnetz- noch ein Mobiltelefon das Gespräch unterbrechen kann. Sie sollt auch die Eltern bitten, ihr Mobiltelefon auszuschalten.
Wichtig ist auch, dass die Erzieherin selbst vorbereitet ist. Abgesehen von der inhaltlichen Vorbereitung bedeutet das auch, dass sie sich genug Zeit für den Termin nehmen sollte. Es ist der Atmosphäre überhaupt nicht zuträglich, wenn die Erzieherin im letzten Moment abgehetzt in den Raum kommt. Das vermittelt den Eltern nicht den Eindruck, dass  sie das Gespräch wirklich wichtig nimmt. Die Eltern könnten sogar den Eindruck bekommen, dass das Entwicklungsgespräch den „normalen Ablauf“ stört.

Die Erzieherin sollte mindestens 5 Minuten vor dem vereinbarten Termin im Raum sein. Alle Unterlagen sollten auf dem Tisch liegen, sodass das Gespräch beginnen kann, wenn die Eltern ein- treffen.

 

Führen Sie das Gespräch mit den Eltern in einer offenen Atmosphäre

Ein Entwicklungsgespräch dient dem Austausch zwischen Eltern und Erzieherinnen. Die Haltung, mit der Ihre Erzieherinnen in dieses Gespräch gehen, ist dabei entscheidend. Es geht nicht da rum, dass die Erzieherinnen den Eltern ihre Erkenntnisse und Schlussfolgerungen vermitteln – in dem Sinne, dass die Eltern den Blick der Erzieherinnen „übernehmen“ sollen. Das Gespräch sollte vielmehr „auf Augenhöhe“ geführt werden. Die Eltern erleben ihre Kinder in anderen Situationen und in einem anderen Umfeld als die Erzieherinnen. Deshalb sehen beide Parteien Aspekte der Persönlichkeit, des Verhaltens und der Entwicklung des Kindes, die der jeweils anderen möglicherweise verborgen bleiben. Im Entwicklungsgespräch bringen beide Seiten ihre jeweilige Perspektive ein. Es ist wichtig, dass Ihre Erzieherinnen hier nicht bewerten – im Sinne von „die Eltern sehen das falsch“ –, sondern die Perspektive der Eltern als alternative und ergänzende Sichtweise respektieren.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die Eltern jederzeit die Notizen sehen können, die Ihre Erzieherinnen vorbereitet haben, und ebenso Einblick haben, was die Erzieherin im Gesprächsverlauf notiert.
Wichtig ist zudem, dass Ihre Erzieherinnen bei der Gesprächsführung einige Grundsätze beachten. Vereinbaren Sie diese gemeinsam, und dokumentieren Sie sie in Ihrem QM-Handbuch. Der folgende Textbaustein gibt Ihnen ein Beispiel dafür, wie diese Dokumentation aussehen kann.

 

Textbaustein: „Entwicklungsgespräche für das Qualitätsmanagementhandbuch“
Die Erzieherinnen der Kita „Zwergenland“ bieten allen Personensorgeberechtigten regelmäßig Entwicklungsgespräche an. Für Kinder im Alter unter 3 Jahren werden diese Gespräche ½-jährlich angeboten, für Kinder im Alter über 3 Jahren jährlich.
Die Personensorgeberechtigten werden bereits im Aufnahmegespräch über die Entwicklungsgespräche informiert. Sie wissen, welche Ziele wir damit verfolgen und wie die Gespräche ablaufen. Wir stehen ihnen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung. Die Personensorgeberechtigten werden im Vorfeld schriftlich eingeladen, mit dem/der zuständigen Erzieher/-in einen Termin zu vereinbaren.
Die Erzieher/-innen bereiten die Entwicklungsgespräche vor, indem sie ihre Beobachtungen – bezogen auf die in den Bildungs- und Erziehungsempfehlungen des Landes Rheinland-Pfalz benannten Bildungsbereiche – zusammenstellen und schriftlich fixieren. Sie besprechen die Ergebnisse im Rahmen kollegialer Beratungen mit den Kolleg(inn)en, um sich eine 2.Meinung einzuholen.
Wir legen Wert darauf, möglichst mit allen Personensorgeberechtigten regelmäßige Entwicklungsgespräche zu führen.
Wenn jemand unser Angebot nicht annehmen möchte, führt die Leitung ein Gespräch, um sie/ihn nach Möglichkeit davon zu überzeugen, dass das Gespräch im Interesse des Kindes wichtig ist.
Wir sorgen dafür, dass die Entwicklungsgespräche in einer ungestörten, angenehmen und konstruktiven Atmosphäre stattfinden. In den Entwicklungsgesprächen schildert der/die Erzieher/-in den Personensorgeberechtigten seine/ihre Eindrücke und Beobachtungen und bittet die Personensorgeberechtigten darum, ihre Beobachtungen und Einschätzungen zu schildern. Wir besprechen mit den Personensorgeberechtigten, wie sie und wir die weitere Entwicklung des Kindes am besten unterstützen können.
Die Entwicklungsgespräche dienen dem Austausch zwischen den Erzieher(inne)n und den Personensorgeberechtigten. Deshalb halten wir folgende Vereinbarungen zur Gesprächsführung ein:
• Wir führen Entwicklungsgespräche ressourcenorientiert und nicht defizitorientiert.
• Wir beschreiben unsere Beobachtungen, ohne das Verhalten zu bewerten.
• Wir nehmen die Beobachtungen und Einschätzungen der Personensorgeberechtigten genauso ernst wie unsere eigenen.
• Wir versuchen nicht, die Personensorgeberechtigten von unserer Sicht zu überzeugen, sondern eine gemeinsame Sicht zu erreichen. Ist dies nicht möglich, dann lassen wir unterschiedliche Sichtweisen stehen und dokumentieren diese.

 

 

Wenn Sie Ihre Entwicklungsgespräche in diesem Sinne führen, dann werden diese zu einem wichtigen Baustein der Erziehungspartnerschaft.
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