Gespräche mit ablehnenden Eltern gegenüber Integrationskräften


28.04.2017
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Integrationsleistungen in den Kitas sind mittlerweile Alltag. Es gibt jedes Kita-Jahr von neuem zahlreiche Kinder, für die die Eltern in Zusammenarbeit mit Ihnen Integration beantragen können. In der Regel bedeutet das dann, dass eine Fachkraft von außen zusätzlich in die Kita kommt. So klar und eindeutig das einleitend klingen mag, so schwierig kann die Umsetzung in der Praxis sein. Hauptsächlich dann, wenn Eltern das Verständnis dafür fehlt. Erfahren Sie jetzt, wie Sie in diesen Fällen mit den Eltern kommunizieren können.

 

 

1. Fall: Die Eltern sehen den Bedarf, lehnen aber die dringend notwendige Integration ab

Die Eltern von Kai sitzen bei Ihnen und der verantwortlichen Erzieherin im Gespräch. Sie schildern aus Sicht der Kita, wie alle Kai erleben und weshalb der Alltag mit ihm so schwierig ist. Sie stellen plausibel dar, weshalb eine Integrationshilfe wichtig wäre. Im gemeinsamen Gespräch stellt sich heraus, dass die Eltern Kai genau gleich sehen. Er fällt ihnen auch auf und auch ihnen wäre es wichtig, dem Kind zu helfen. Allerdings lehnen sie klar und eindeutig ab, dafür eine Integrationskraft in Anspruch zu nehmen.

Das können Sie nun tun

Lassen Sie sich das Erstgespräch setzen. Laden Sie gemeinsam mit der verantwortlichen Erzieherin nach 4 Wochen erneut zu einem Gespräch ein. Laden Sie auch eine Integrationsfachkraft von einer Beratungsstelle oder einer Frühförderstelle zu dem Gespräch ein. Informieren Sie aber auf alle Fälle die Eltern darüber. In dieser Runde ist es nun möglich, ohne Druck den Eltern aus 1. Hand zu berichten, was Integration in der Kita bedeuten würde.

Vielfach ist es so, dass die Eltern Angst haben und ablehnend reagieren, weil sie es sich nicht genau vorstellen können, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Lassen Sie den Eltern nach diesem Gespräch wieder etwas Zeit, um sich zu entscheiden. Laden Sie dann nach 2 Wochen zu einem Gespräch ein. Fragen Sie die Eltern, wie sie nun nach der Überlegungszeit zu Integration stehen. Sollte die Ablehnung immer noch bestehen, so können Sie gemeinsam folgende alternative Lösungen angehen:

  • Reduzierung der Betreuungszeit für Kai
  • festlegen, zu welchen Zeiten Kai kommen kann (eventuell sind mittags weniger Kinder anwesend)
  • alternative Begleitung außerhalb der Kita, die Kai helfen kann (Frühförderstelle, Turnen oder ähnliches)

2. Fall: Die Eltern sehen keinen Bedarf und stimmen keiner Integration zu

Wie im ersten Beispiel sitzen Sie und die Bezugserzieherin von Kai mit den Eltern im Gespräch zusammen. Die Eltern von Kai sehen jedoch anders als im ersten Beispiel gar keinen Grund, weshalb eine Integrationskraft wichtig wäre. Sie schildern Kai als unauffälliges, normales Kind. Die Probleme tauchen für sie nur in der Kita auf. Aus diesem Grund stehen die Eltern der Kita eher skeptisch und argwöhnisch gegenüber, Integration wird mit ihnen so vorerst nicht umsetzbar sein.

Das können Sie nun tun

Beenden Sie das Elterngespräch und vereinbaren Sie mit allen Beteiligten in 4 Wochen ein Folgegespräch. Nutzen Sie diese Zeit, um Kai über Videosequenzen aufzunehmen. Es geht nicht darum, sein Verhalten bloßzustellen oder ihn vorzuführen. Es geht darum, ihn sensibel und wertschätzend aufzunehmen, um den Eltern in dem Folgegespräch Szenen aus dem Alltag aufzuzeigen. Oftmals ist dies hilfreich, damit die Eltern glauben, was Sie und die Erzieher in den Gesprächen erzählen.

Stellen Sie das Verhalten nochmals verbal dar und zeigen Sie unterstützend dazu die Videoausschnitte. Sollte das noch nicht überzeugend genug sein, können Sie die Eltern auch zum stillen Hospitieren in die Kita einladen. Sollte auch das nicht helfen, um Integration mit den Eltern in die Wege leiten zu können, dann stehen Ihnen folgende Alternativen zur Verfügung, die sich zum Teil mit denen aus dem oberen Beispiel decken:

  • Reduzierung der Betreuungszeit für Kai
  • festlegen, zu welchen Zeiten Kai kommen kann (eventuell sind mittags weniger Kinder anwesend)

Da die Eltern den Integrationsbedarf gänzlich nicht nachvollziehen können, ist die berechtigte Frage, ob überhaupt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit machbar ist und ob Kai unter diesen Umständen zum eigenen Wohl und zum Wohl der übrigen Kinder bei Ihnen weiter betreut werden kann. Dieses muss den Eltern deutlich kommuniziert werden.

Wichtiger Hinweis: Integration wird nie ohne Grund beantragt oder in der Kita umgesetzt. Ein Kind, das eine Integrationskraft benötigt, kann durchaus je nach Verhaltensweise für andere Kinder gefährlich werden oder diese nachhaltig stören. Wenn die Eltern Integration ablehnen, haben Sie als Leitung die Verantwortung zu prüfen, ob das Kind unter diesen Umständen weiter bei Ihnen betreut werden kann. Besprechen Sie dies aber immer zuerst mit Ihrem Träger.

Fazit

Die Zusammenarbeit mit den Eltern sollte immer partnerschaftlich und wohlwollend sein. Manchmal ist dies aber erschwert, was vor allem dann zum Tragen kommt, wenn die Beteiligten ein Kind unterschiedlich einschätzen und bestimmte Hilfen nicht angenommen werden.

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