In 3 Schritten zum professionellen Elterngespräch


23.06.2017
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Als Erzieher kommen Sie immer wieder in folgende Situation: Sie bemerken bei einem Kind ein Problem und müssen dieses bei den Eltern ansprechen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen. Diese Fähigkeit ist sehr wichtig, denn Sie dürfen Probleme nicht verschweigen oder beschönigen. Sie sollten zielstrebig zur Lösung beitragen. Lesen Sie hier, wie Sie Probleme bei Eltern effektiv und lösungsorientiert ansprechen und dabei einen Leitfaden benutzen.

 

Praxisbeispiel

Jan kommt im nächsten Jahr in die Schule. Er wird ab September zu den Großen der Kita gehören und ein Vorschulkind sein. Bei der Projektarbeit in Kleingruppen bemerkt die Erzieherin Renata Siebenlist, dass Jan sich sehr schnell ablenken lässt. Er kann nur wenige Minuten selbstständig bei der ihm gestellten Aufgabe verharren. Dann lässt sich Jan leicht von äußeren Gegebenheiten ablenken, etwa durch das Kind, das neben ihm sitzt oder durch einen Vogel, der am Fenster vorbei fliegt. Während die anderen Kinder ihre Aufgabe erledigen, schweift Jan weiter ab und findet nicht mehr zur Aufgabenstellung zurück. Renata Siebenlist möchte dieses Problem mit Jans Eltern besprechen.

So gehen Sie vor

Wenn Sie ein solches oder ähnliches Problem bemerken, sollten Sie nicht zu lange zuschauen. Ergründen Sie die genauen Ursachen und die möglichen Auswirkungen. Dann sollten Sie unverzüglich handeln.

Nutzen Sie den Leitfaden auf dieser Seite, um Probleme anzusprechen, ohne Sie zu beschönigen.

1. Stellen Sie das Problem dar

Sprechen Sie das Problem klar und detailliert an. Notieren Sie sich im Vorfeld alle relevanten Informationen, die nötig sind, um die genaue Sachlage zu erfassen. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihnen das gelingt, sollten Sie sich einer Person Ihres Vertrauens offenbaren und das Problem schildern. Bitten Sie einen Erzieherkollegen, Ihnen eine ehrliche Rückmeldung zu geben, ob die Schilderung verständlich und in sich schlüssig ist.

Beispiel: „Jan wird nach den Sommerferien zur Gruppe der Vorschulkinder gehören. Wir wollen Jan optimal auf die Schule vorbereiten. Derzeit fällt Jan dabei auf, dass er seine Konzentration nur über eine kurze Zeitspanne aufrechterhalten kann. Diese Zeitspanne ist deutlich kürzer als die bei gleichaltrigen Kindern..“

2. Erläutern Sie die sich daraus ergebenden Probleme

Stellen Sie den Eltern die möglichen Konsequenzen oder Folgewirkungen dar, die das Problem mittel- und langfristig für ihr Kind bedeutet. Denken Sie dabei auch an fachliche, menschliche und organisatorische Aspekte.

Beispiel: „Jan ist ein kluger Junge, der bald bemerken wird, dass es den anderen Kindern besser gelingt, aufmerksam zu sein und die Aufgaben zu lösen. Langfristig wird Jan vielleicht blockieren und seine Leistung verweigern, weil es ihm immer wieder schwerfällt, die Anforderungen zu erfüllen. Wenn wir ihm nicht helfen, kann es sein, dass Jan die Leistung generell verweigert, weil er Angst hat, zu versagen.“

3. Entwickeln Sie eine gemeinsame Lösung

Geben Sie den Eltern an dieser Stelle die Gelegenheit zur Stellungnahme. Das zeigt Ihnen auch, ob die Eltern bereits das nötige Problembewusstsein entwickelt haben. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie Ihr Anliegen bei einem weiteren Termin erneut deutlich machen und zwar anhand von Beispielen.

Im günstigsten Fall wissen die Eltern über das Problem Bescheid und möchten es gemeinsam mit Ihnen ändern. Dann sollten Sie zusammen eine Lösung entwickeln.

Beispiel: „Jan sollte in seiner Aufmerksamkeit und der Konzentrationsspanne eine gezielte Förderung erhalten. Ich schlage vor, dass Sie das Problem bei Ihrem Kinderarzt thematisieren und überprüfen lassen, ob ein organisches Problem oder eine Wahrnehmungsstörung vorliegt. Ist die Diagnose gestellt, können wir gemeinsam darüber sprechen, wie wir Jan in der Kita und im Elternhaus zusätzlich fördern können.“

Fazit

Bei Problemen sollten Sie erst gar nicht lange zuschauen. Nutzen Sie dazu den Leitfaden und bleiben Sie sehr hartnäckig.

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