Mediennutzung: So beraten Sie Eltern, ohne anzuecken


09.08.2017

Haben Sie auch mitunter den Eindruck, dass manche Eltern sich mehr für ihr vibrierendes Smartphone interessieren als für ihr Kind? Für Sie als Erzieherin ist es nicht leicht, in puncto Mediennutzung zu beraten. Hier gilt es, taktisch klug vor­ zugehen und auf Kritik zu verzichten. Wir geben Ihnen 3 leicht umzusetzende Tipps, wie Sie die Eltern zum Thema „Mediennutzung“ beraten können. Außer­dem finden Sie einen Elternbrief, der Eltern anhand eines Praxisbeispiels zum Nachdenken anregt. Den Brief können Sie direkt für Ihre Praxis nutzen.

 

 

4 Wege, wie Sie Eltern weg von Fernseher, Smartphone und PC locken


Tipp 1: Raten Sie den Eltern, die gemeinsame Zeit mit ihrem Kind für eine intensive seelische und körperliche Zuwendung zu nutzen. Beispielsweise Schmusen, Wiegen, Streicheln, Vorlesen, Vorsingen, Kniereiterspiele initiieren. Das stärkt die Eltern­-Kind­-Beziehung und fördert das Kind in seiner Entwicklung.

Tipp 2: Sagen Sie den Eltern konkret, welche Medien sie im Umgang mit dem Kind vorzugsweise nutzen sollten. Erklären Sie, dass die direkte Ansprache ihres Kindes, das gemeinsame Betrachten und Vorlesen von Bilderbüchern enorm wichtig sind für die kindliche Entwicklung und insbesondere die Sprachentwicklung.

Auch das Hören von kleinkindgerechter Musik oder das gemeinsame Musizieren wirkt sich anregend und positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. Erinnern Sie die Eltern daran, das diese Formen der Interaktion mit Ihrem Kind auch Entspannung für sie selbst bedeuten.

Für Ihre Praxis: Stellen Sie im Foyer oder im Flur Ihrer Einrichtung Bücher und/oder CDs aus, die bei den Kindern Ihrer Gruppe gerade ganz besonders beliebt sind. Wechseln Sie diese beispielsweise in einem 4­ Wochen­-Rhythmus regelmäßig aus. Die Eltern erfahren somit etwas darüber, wo­mit Ihr Kind sich in der Krippe beschäftigt und können überlegen, das auch für zu Hause anzuschaffen.

Tipp 3: Vermitteln Sie den Eltern mit Babys, wie wichtig Zeiten der Stille für ihr Kind sind. So kann es seinen Körper und seine Umgebung ungestört erkunden. Dies ist besonders wichtig für Familien, bei denen der Fernseher permanent läuft.

Tipp 4: Schlagen Sie den Eltern vor, smartphonefreie Zeiten einzurichten. Beispielsweise die Zeit direkt nach der Kita und morgens, bevor das Kind in die Kita gebracht wird. Auf diese Weise be­kommt das Kind nur die Aufmerksamkeit der Eltern.

Um die Eltern anzuregen, ihren Umgang mit dem Smartphone kritisch zu reflektieren, hilft Ihnen der Elternbrief unten – ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

Elternbrief: „Paul und das Smartphone“ zum Nachdenken für die Eltern Ihrer Gruppe

Liebe Eltern,

stellen Sie sich folgende Situation vor:

Herr und Frau Müller sitzen mit ihrem 2 Jahre alten Sohn Paul bei ihrem Lieblingsitaliener. Paul reckt sich aus dem Hochstuhl über den Tisch und fingert nach dem Smartphone seines Papas. Der Vater nimmt es ihm weg. Daraufhin beginnt Paul, laut zu schreien. Die anderen Gäste im Lokal drehen sich sichtlich genervt in Richtung der Familie Müller um. Er trommelt mit den Fäusten auf den Tisch, strampelt mit den Füßen und wirft seinen Wasserbecher mit einem lauten „Platscher“ vom Tisch.

Wie reagieren Pauls Eltern? Was meinen Sie wohl? Denken Sie darüber nach, wie Sie sich selbst in dieser Situation verhalten würden.

Auf der Rückseite dieses Briefes finden Sie 3 Varianten, wie der weitere Verlauf des Essens von Familie Müller wohl aussehen könnte. Nachdem Sie den Text gelesen haben, überlegen Sie, welche Konsequenzen das jeweilige Verhalten für Paul und für seine Eltern hat. Welche Vor-­ und Nachteile entstehen für die einzelnen Familien­mitglieder?

Die folgenden 3 Varianten kopieren Sie als Lösungsmöglichkeiten auf die Rückseite des Elternbriefes.

Variante 1: Paul bekommt das Smart­ phone sofort zurück. Der Rest des Essens verläuft danach ruhig, die Eltern können ungestört essen. Paul bekommt das Smartphone fortan immer, wenn ihm etwas zu langweilig ist. Spielsachen packen seine Eltern für ihn gar nicht mehr ein, wenn sie gemeinsam etwas unternehmen möchten.

Variante 2: Die Eltern bleiben bei ihrem Verbot. Paul bekommt das Smartphone nicht. Obwohl er immer wieder zu quengeln beginnt, bleiben die Eltern konsequent.

Variante 3: Pauls Eltern schalten beide ihre Smartphones aus und lassen sie in ihren Taschen verschwinden. Dann geben sie Paul sein Kuscheltier, ein Bilderbuch und 2 kleine Autos. Zunächst meckert Paul noch, beginnt dann aber, mit den Sachen zu spielen. In den Esspausen nimmt Pauls Papa ihn liebevoll auf den Schoss, liest ihm etwas aus dem Bilderbuch vor oder sie spielen gemeinsam mit den Autos.

Fazit

Ihr Beitrag zur Beratung der Eltern in puncto Mediennutzung ist enorm wichtig – egal, wie schwierig das für Sie sein kann. Behalten Sie aber unbedingt immer eine wertschätzende Haltung, auch wenn es in vielen Familien leider traurige Realität ist, dass Fernsehen, Smartphone und Co. oft und überall im Einsatz sind. Sie wissen, dass sich Ihre Mühe lohnt und positiv auf die kindliche Entwicklung auswirkt.

 

 


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