Ängste bei Kindern: Warum Sie „stell dich nicht so an“ niemals sagen sollten


10.07.2018

Gerade, wenn Kinder neu in die Kita kommen, machen sich ihre Eltern häufig Sorgen, ob ihr Kind diese 1. Trennung von ihnen auch ohne Ängste übersteht. In Tür-und Angel-Gesprächen werden Sie immer wieder darauf angesprochen. Nutzen Sie die folgenden Tipps in Ihren Erstgesprächen. Dadurch können viele Ängste bei Kindern und Sorgen rund um die Eingewöhnung nehmen.

1. Tipp: Spannung ist nicht Angst

Wenn Kinder der neuen und ungewohnten Situation zunächst in Spannung gegenüberstehen, ist dies nicht gleichbedeutend mit „Angst haben“. Erklären Sie den Eltern den Unterschied: Wenn Kinder eine Spannung empfinden, haben sie ein angenehmes oder auch ein freudiges Gefühl im Bauch.

Das Herz schlägt zwar schneller, aber eher vor Aufregung als vor Angst. Kinder finden Spannung als ein aufregendes, aber auch angenehmes Gefühl. In spannenden Situationen hat das Kind die emotionale Situation im Griff, es steht „darüber“. Dies kann z. B. sein

  • weil das Kind schon öfter entsprechende Situationen positiv durchlebt hat,
  • weil das Kind sich schon ausführlich und spielerisch mit der Trennung und der neuen Kita-Situation auseinandergesetzt hat,
  • weil es ein starkes Vertrauen in seine Umgebung, die Bezugspersonen und die Umwelt hat,
  • weil es eine gestärkte und selbstbewusste Persönlichkeit ist,
  • weil es Ihre Kita oder eine Kita von Besuchen oder durch seine Freunde gut kennt

2. Tipp: Angst bei Kindern ist normal

Sollte es dem Kind während der Trennung von den Eltern doch einmal zu viel werden und es ängstigt sich, erklären Sie den besorgten Eltern: Angst zu haben ist wichtig und sollte nicht, aus falsch verstandener Behütung, unterdrückt werden. Kinder müssen Erfahrungen mit der Angst machen, um zu lernen, mit ihr kompetent umzugehen. Nur wenn sie Angst spüren, Möglichkeiten suchen, diese aufzuheben und zu verarbeiten, oder lernen, sie auszuhalten, werden sie gestärkt aus diesem wichtigen Lernprozess herausgehen.

Selbstverständlich bedeutet das nicht, dass dem Kind bewusst Angst gemacht werden darf oder es mit seiner Angst alleingelassen werden soll. Wie die Eltern den Kindern helfen, gut mit ihren Ängsten umzugehen, erfahren Sie nachfolgend.

3. Tipp: Geborgenheit tut gut

Eltern sollten ihre Kinder in beängstigenden Situationen bzw. vor und nach den ersten Kita-Tagen stets ganz genau beobachten. Sie kennen ihr Kind gut und bemerken recht schnell, wann es dem Kind zu viel wird.

Die Eltern sollten dem Kind zu Hause unbedingt die Sicherheit geben, dass sie immer noch für das Kind da sind, und sie mit ihren Ängsten nicht allein lassen. Hierzu ist es notwendig, dass die Eltern

  • das Kind in den Arm nehmen, viel mit ihm kuscheln und ihm damit Geborgenheit und Sicherheit vermitteln.
  • die Ängste des Kindes ernst nehmen und sie nicht abtun. Wie das geht, erfahren Sie in der Übersicht unten.
  • das Kind berichten lassen, was ihm Angst macht, wie es in der Kita war, und sich Zeit für das Kind nehmen, z. B. mit Rollenspielen und Büchern zum Thema „Kita“.
Diese Aussagen sollten Eltern vermeidenSo drücken sich Eltern besser aus
„Du brauchst gar keine Angst zu haben!“ „„Ich sehe, dass du Angst hast. Magst du
mir erzählen, wovor du dich fürchtest?“
„Das ist doch gar nicht schlimm!“„Mir hat das als Kind auch Angst gemacht.
Magst du mir erzählen, was dich
genau ängstigt?“
„Ich habe doch auch keine Angst!“ „Ich kann verstehen, dass du Angst hast.“
„Sei tapfer und stark!“ „Du darfst Angst haben.“
„Du bist doch schon so groß!“ „Auch große Kinder und Erwachsene haben
Angst.“ „Was macht dir Angst?“
„Stell dich nicht so an!“

4. Tipp: Ängste bei Kindern sind automatisch da

Auch wenn Eltern versuchen, Angst einflößende Dinge von Kindern fernzuhalten, wird jedes Kind immer mal wieder Ängste haben. Viele Eltern verstehen das nicht und fragen sich, woher diese Ängste kommen. Die Antwort: In jedem Menschen wohnen Ängste. Denn Angst macht wachsam und vermutlich ist die Angst noch ein Erbe unserer Ur-Vorfahren.

Nur wer Angst hat, kann sich im entscheidenden Moment in Sicherheit bringen, nur wer Angst spürt, erkennt die (vermeintliche) Gefahr.

Deshalb sollten Bezugspersonen oben aufgeführte Sätze unbedingt vermeiden. Erklären Sie den Eltern auch, wie sie es besser ausdrücken können.

5. Tipp: Die Ängste ausleben

Es ist wichtig, dass sich Kinder, wenn sie es möchten, immer wieder mit ängstlichen Situationen und vielleicht auch Angst machenden Themen und Spielinhalten auseinandersetzen dürfen. Eltern sollten ihre Kinder nicht daran hindern.


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