Wie Sie mit einer simplen Methode mehr Gelassenheit finden


24.01.2018

Auf dem Heimweg ärgern Sie sich noch einmal richtig über Frau Huber. Hat sie einfach ihre schlechte Laune an Ihnen ausgelassen? Als sie sich so unpassend bei Ihnen darüber beschwert hat, dass Mütze und Schal ihrer Tochter „ständig am Boden im Dreck liegen“, lag der Eindruck nahe. Als dann noch Meikes Mutter beim Abholen deutlich hörbar murmelte: „Schon wieder nichts gebastelt!“, würden Sie sich alle Eltern am liebsten ganz weit weg wünschen.

Warum es sich lohnt, auf das Positive zu blicken

Das wäre aber sehr schade! Denn stressige Begegnungen mit den Eltern überlagern oft die vielen schönen Erlebnisse, die Sie natürlich auch kennen. Und das bewusste Erinnern an gute Begegnungen lohnt sich immer. Dann dreht sich der Negativeffekt um und das Schöne beginnt, die Ärgernisse zu überstrahlen.

Jetzt hat eine Professorin an der Universität Florida herausgefunden und wissenschaftlich belegt, dass eine ganz einfache Methode hilft, Stress am Arbeitsplatz deutlich zu verringern und mehr Freude und Gelassenheit zu gewinnen.

Schreiben für mehr Gelassenheit – es funktioniert wirklich

Joyce E. Bono, Professorin an der Universität Florida, wusste aus anderen Studien, dass es heilsam ist, sich positive Erlebnisse zu notieren. Jetzt wollte sie herausfinden, ob schon das reine Niederschreiben nützlich gegen Stress am Arbeitsplatz sein kann.

In ihrer Studie ließ sie 60 Versuchspersonen – allesamt Frauen, die in Krankenhäusern arbeiteten – täglich 3 schöne Erlebnisse aufschreiben und überlegen, warum sie geschehen waren. Und das Ergebnis war verblüffend: Die Teilnehmerinnen hatten einen niedrigeren Blutdruck, konnten abends besser abschalten, klagten weniger über Verspannungen und Schmerzen, verbesserten ihre Konzentration und verringerten ihren Stresslevel um 15 %!

Wie Sie in 3 Schritten das Ergebnis der Studie für sich nutzen

Nutzen Sie dieses verblüffende Ergebnis für sich und Sie verringern dadurch Stress und Belastungen in Ihrer Zusammenarbeit mit den Eltern. Und so geht´s: Wählen Sie einen Zeitpunkt am Ende Ihres Arbeitstages dafür – am besten, bevor Sie sich auf den Weg nach Hause machen! Sie brauchen dafür etwa 5–10 Minuten. Und dann treten Sie den Heimweg bereits in Ruhe und Gelassenheit an und können zu Hause schnell abschalten.

1. Schritt: Schaffen Sie ein Ritual dafür

Wo finden Sie am Ende Ihres Arbeitstages für einen kurzen Moment einen ruhigen, angenehmen Platz? Gibt es in Ihrer Kita einen Raum für Elterngespräche oder einen Ruheraum? Hier finden Sie sicher mehr Ruhe als im Teamzimmer. Was macht Ihnen diesen Moment zusätzlich angenehm? Schenken Sie sich vielleicht eine letzte Tasse Kaffee oder Tee ein oder gönnen Sie sich eine kleine Süßigkeit.

2. Schritt: Notieren Sie 3 schöne Erlebnisse mit Eltern

„Aller guten Dinge sind 3!“ heißt ein bekanntes Sprichwort. Welche 3 schönen Erlebnisse und Begegnungen hatten Sie heute mit den Eltern?

  • „Frau Schmitt hat sich über das Müslirezept gefreut, das ich ihr gegeben habe.“
  • „Die Mutter von Claus hat heute Morgen festgestellt, dass eine entspannte und angenehme Atmosphäre herrscht, wenn sie ihren Sohn in die Gruppe bringt.“
  • „Herr Müller hat sich für meine Geduld bedankt, weil ich mehrere Tage auf das Geld für den Ausflug gewartet habe.“

3. Schritt: Erkennen Sie Ihren positiven Einfluss an

In ihrer Studie fand Frau Professor Bono heraus, dass es eine große Rolle spielte, wenn die Versuchspersonen darüber nachdachten, warum die positiven Momente entstanden waren. Sie notierten also beispielsweise nicht nur: „Ich habe ein Kompliment bekommen.“ Sondern auch: „Weil ich dieses und jenes gut gemacht habe.“

Nehmen Sie sich deshalb jetzt unbedingt noch einen Moment Zeit, um bewusst darüber nachzudenken, was Ihr eigener Einfluss an diesen schönen Momenten war. Das hebt nicht nur den positiven Effekt des Aufschreibens, sondern das stärkt Sie auch ganz persönlich!

  • „Mir war die Bitte von Frau Schmitt wichtig, deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, das Rezept herauszusuchen und für sie zu kopieren.“
  • „Für mich hat es große Bedeutung, dass die Kinder morgens in einer guten Atmosphäre in die Gruppe starten können. Schön, dass der Mutter von Claus mein Bemühen darum aufgefallen ist!“
  • „Ich habe bewusst darauf verzichtet, wegen des Geldes nachzufragen, weil ich vermute, dass bei Familie Müller das Geld knapp ist.“

Mein Tipp: Fassen Sie die Vordrucke für einen Monat mit einem schönen Band zusammen. Wenn Sie jetzt ein wenig in Ihren Notizen blättern, entdecken Sie sicher viel Gutes, das Sie längst schon vergessen hatten. Schön, sich wieder daran zu erinnern!

Nutzen Sie die Studienergebnisse auch im größeren Rahmen

Investieren Sie täglich den Moment Zeit zum Aufschreiben und Sie werden schnell feststellen, dass Sie einen positiveren Blick auf Ihre Zusammenarbeit mit den Eltern gewinnen. Ihre Freude an vielen schönen Erlebnissen wächst und damit auch Ihre positive und souveräne Ausstrahlung.

Die Methode des Aufschreibens können Sie nicht nur für sich selbst, sondern auch in einem größeren Rahmen und für Ihre Teamarbeit nutzen.

Denn sie eignet sich hervorragend als Reflexionsmethode nach jeder Elternaktion. Haben Sie in nächster Zeit einen Elternabend, Familienaktionstag oder Elterntreff geplant? Dann nehmen Sie sich in der darauffolgenden Teambesprechung Zeit, damit alle Kolleginnen 3 aus ihrer Sicht besonders gelungene Momente davon aufschreiben können – natürlich auch, warum diese eingetreten sind oder was der eigene positive Einfluss darauf war. Nutzen Sie dafür Moderationskarten.

Dann stellt jede Kollegin ihre 3 Karten vor. Heften Sie diese anschließend an eine Moderationswand, eine Pinnwand oder kleben Sie diese auf ein großes Plakat. Lassen Sie dies noch eine Weile in Ihrem Teamzimmer hängen – denn es schenkt auch noch länger positive Energie!

Sie werden schnell feststellen, wie diese einfache Methode des Aufschreibens Ihre Elternarbeit positiv beflügelt – und Ihre Gelassenheit mit schwierigen Eltern oder stressigen Begegnungen stärkt.


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