Elterntipps zur Vorbereitung von Kleinstkindern auf Nachwuchs


15.04.2016
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Lennart ist 2 ½ Jahre alt und besucht Ihre Kita. Seine Mutter ist schwanger und erwartet in 6 Monaten ihr 2. Kind. Die Mutter fragt Sie als Erzieherin und Bezugsperson von Lennart, wann und wie sie Lennart darüber informiert, dass er schon bald ein „großer Bruder“ sein wird. Nachfolgend erhalten Sie Tipps, wie die Eltern ihr Kind auf den Familienzuwachs vorbereiten können.

Die Geburt eines Geschwisterkindes stellt ein ganz besonderes Lebensereignis für das erstgeborene Kind dar, und es hat eine Vielzahl an Herausforderungen zu meistern. Bisher galt ihm als Erstgeborenem die volle Aufmerksamkeit der ganzen Familie. Ab dem Zeitpunkt der Geburt des Geschwisterkindes erlebt das Kind, dass seine Eltern den Großteil ihrer Zeit dem Säugling widmen müssen. Damit das ältere Kind der Familie sich in der neuen Familiensituation und -konstellation immer noch wohlfühlt, ist eine entsprechende Vorbereitung bedeutend.

 

Der richtige Zeitpunkt um das Kleinstkind über den Nachwuchs zu informieren

Da das junge Kind noch kein Zeitgefühl besitzt, sollten die Eltern erst mit ihm darüber sprechen, wenn der Babybauch schon deutlich zu erkennen ist. Je jünger das Kind ist, desto größer sollte der Babybauch sein. So nimmt ein einjähriges Kind den wachsenden Bauch der Mutter zumeist noch gar nicht wahr. Einem Kind, das fast 3 Jahre alt ist, fällt er dagegen schon auf. Vielleicht ergibt sich tatsächlich der Moment, in dem das Kind fragt: „Mama, warum bist du so dick geworden?“ Dann ist das sicher der richtige Zeitpunkt, um dem Kind zu sagen, dass es eine Schwester oder einen Bruder bekommt.

 

 

Wie sage ich meinem Kind, dass wir Nachwuchs bekommen?

Für Kinder unter 3 Jahren sind lange Erklärungen oftmals noch nicht nachvollziehbar. Erklären Sie den Eltern, es ihrem Kind mit einfachen Worten zu  sagen, beispielsweise: „Im Bauch von Mama wächst ein Baby.“ Oder: „Du bist bald eine große Schwester / ein großer Bruder.“ Auf weitere Fragen des Kindes können die Eltern ganz natürlich antworten. Sie sollten dabei darauf achten, wie viel das Kind schon verstehen kann. Die Eltern sollten es allerdings vermeiden, dem Kind von körperlichen Beschwerden während der Schwangerschaft zu erzählen. So vermeiden sie, dass das Kind noch vor der Geburt des Babys eventuell Aggressionen gegen dieses hegt. Das Kind könnte ansonsten dem Baby die Schuld für die Beschwerden der Mutter geben und entsprechend negativ auf seinen Bruder / seine Schwester reagieren.

 

Kinder dabei unterstützen sich den Nachwuchs vorzustellen

Damit die Kinder eine Vorstellung davon entwickeln, was im Bauch der Mutter passiert, können sie ihre Hand darauflegen. Besonders spannend ist es für die Kinder, wenn sie die ersten Bewegungen und Tritte von ihrem zukünftigen Spielpartner spüren können. So wird die Schwangerschaft der Mutter begreifbarer für die Kinder.

 

Das Kind mit Bildern unterstützen

Regen Sie die Eltern dazu an, ihrem Kind seine eigenen Ultraschallbilder und die ersten Fotos nach der Geburt zu zeigen. So bekommt das Kind eine konkrete Vorstellung über das Aussehen eines Säuglings. Darüber hinaus können sie die bereits vorhandenen Ultraschallaufnahmen des 2. Kindes gemeinsam mit dem Erstgeborenen und Bildern von ihm vergleichen.

 

Gemeinsame Vorbereitungen auf das Baby

Wenn die Eltern dabei sind, das neue Kinderzimmer einzurichten, Möbel zu rücken, Säuglingskleidung zu kaufen usw., beziehen sie ihr erstgeborenes Kind in die Vorbereitungen mit ein. Je nach seinem Alter kann es schon ganz aktiv die Kommode mit einräumen oder einfach mit im Raum sein und sehen, was sie tun. Der große Bruder / die große Schwester kann 1–2 Spielzeuge oder Kuscheltiere aussuchen, die es nicht mehr benötigt, und dem Baby zur Verfügung stellen.

 

Übung mit der Babypuppe zur Vorbereitung auf die Geburt

Von dem Zeitpunkt an, an dem das Kind von der Schwangerschaft weiß, können die Eltern es mit einer Babypuppe auf die Geburt vorbereiten. Die Puppe wird von ihnen gewickelt, gefüttert, getröstet u. v. m., das Kind kann all diese typischen Tätigkeiten eines Säuglings mit der Puppe üben. Wenn das „echte“ Geschwisterkind da ist, kann das Kind mit der Puppe spielen, wenn sie mit dem Baby beschäftigt sind. Beispielsweise kann das Kind seine Babypuppe wickeln, wenn sie ihr 2. Kind wickeln.

 

Anpassung von Ritualen nach der Geburt des Kindes

Weisen Sie die Eltern darauf hin, dass Mutter und Vater weniger Zeit für ihr Erstgeborenes haben werden als zuvor. Das Kind wird möglicherweise darunter leiden, dass es nicht mehr so viel Zuwendung von ihnen bekommt wie vor der Geburt. Dieser Situation kann vorgebeugt werden, indem beispielsweise einige Wochen vor der Geburt damit begonnen wird, dass einer der Elternteile oder eine andere Bezugsperson mehr und mehr Rituale übernimmt, die sie bisher mit dem Kind gestaltet haben.
So erfährt das Kind das gleiche Maß an Zuwendung wie sein Bruder / seine Schwester. Es erfährt die volle Aufmerksamkeit der anderen Person, während das Baby die alleinige Aufmerksamkeit der anderen Bezugsperson bekommt.Beide Eltern sollten gemeinsam überlegen, wie sie den Alltag zu viert gestalten wollen, um die mögliche Eifersucht des älteren Kindes zu vermeiden.

 

Mit diesen Tipps können Sie Eltern helfen, ihr Kind auf die neue Situation vorzubereiten. Sicherlich sind sie Ihnen sehr dankbar für Ihre Hilfe, da sich auch aus der Perspektive der Eltern das gesamte Familienleben verändert.

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Unsere AWO Kita-Einrichtung ist schwerpunktmäßig auf 0- bis 3-Jährige ausgerichtet, und für uns ist „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ die perfekte Unterstützung: Obwohl wir seit über 30 Jahren mit Kindern unter 3 arbeiten, sind wir dankbar für all die neuen Anregungen und die praxisorientierten Angebote aus „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“. Gerade im Bereich Entwicklungspsychologie hat sich so viel getan, dass es wunderbar passt, hier immer topaktuell informiert zu sein. „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ ist eine tolle Sache!

Christel Kamprath, AWO Kita Rotkäppchen, Allstedt

Für „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ habe ich mich entschieden, weil es zu diesem Thema kaum professionelle, verlässliche Literatur gab. Ganz toll finde ich neben den langfristig erprobten Tipps und Liedern für die Kleinsten die entwicklungspsychologischen Beiträge. Unterstützt wird das Ganze durch praxisnahe Hilfe wie z. B. Beobachtungsbögen. Dadurch bin ich auch auf schwierige Elterngespräche optimal vorbereitet. Und zu den relevanten Themen wie beispielsweise Trotz und Sauberkeit bekomme ich immer die neuesten Erkenntnisse geliefert: So kopiere ich dann auch manchmal etwas für unsere Eltern-Infowand. „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ ist für mich eine tolle Unterstützung in meinem Arbeitsalltag!

Sonja Großmann-Bott, Kindergarten unterm Regenbogen, Höfen


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