Fahrrad fahren lernen: Wie Sie Ihrem Kind die sichere Fortbewegung vermitteln


30.10.2018
Ein sicheres Rad und ein sicherer Helm – darauf kommt es beim Radfahren an. Quelle: Pixabay.com © SylwiaAptacy (CC0 Creative Commons)

 

Nachdem das Laufen gemeistert wurde, möchten viele Kinder weitere Fortbewegungsmittel erkunden. Das Fahrrad gehört dabei nach wie vor zu den absoluten Favoriten. Doch natürlich ist das Radfahren, vor allem im Straßenverkehr, mit besonderen Gefahren und Herausforderungen verbunden. Umso wichtiger ist es, den Kindern bereits früh einen sicheren Umgang mit dem Fahrrad zu vermitteln. Worauf es beim Fahrradfahren ankommt und wie sich auch die Kleinsten bereits sicher auf dem Rad bewegen, erläutert dieser Beitrag.

Die Besonderheiten kleinerer Radfahrer

Da Kinder noch mitten in der geistigen und körperlichen Entwicklung stecken, müssen Sie besondere Rücksicht auf sie nehmen. Bei den Kleinsten entwickeln sich Hör- und Sehvermögen noch und deshalb müssen sie erst lernen, Geschwindigkeiten und Entfernungen einzuschätzen. Was für Erwachsene also völlig normal ist, ist für Kinder eine absolute Mammutaufgabe und sollte mit besonderer Umsicht behandelt werden. Zudem lernen Kinder jeden Tag etwas Neues. Deshalb müssen Sie die bereits erlernten Fähigkeiten und Regeln immer wieder überprüfen, um sicherzustellen, dass Ihr Kind diese beherrscht und befolgt. Folgende drei Tipps sind für das Erlernen des Radfahrens zu beherzigen:

Eltern und Aufsichtspersonen haben die Pflicht, sicherzustellen, dass kleine Kinder sicher am Verkehr teilnehmen. Sie müssen Augen und Ohren für Ihr Kind offen halten, damit es zu keiner Zeit zu einer Gefahrensituation kommt.
Erste Übungen sollten stets auf Plätzen ohne Verkehr stattfinden, beispielsweise auf einem Hof oder Spielplatz.
Kinder sollten erst nach der Radfahrprüfung in der vierten Klasse allein am Straßenverkehr teilnehmen.

Die richtige Ausrüstung: Rad und Helm

Überdies ist für Kinder wie auch für Erwachsene eine sichere Ausrüstung obligatorisch. Dazu gehört ein sicheres Kinderfahrrad, das mit einem Nabendynamo, einer Klingel und gut funktionierenden Bremsen ausgestattet ist. Auch die Größe des Fahrrades beziehungsweise jene der Reifen ist wichtig und sollte auf die Körpergröße des Kindes abgestimmt sein.

Reifen mit 18 Zoll Durchmesser sind für Kinder von 112 bis 125 Zentimeter Körpergröße geeignet. Bis zu einer Größe von 140 Zentimetern sollten 20 Zoll-Reifen gewählt werden. Entsprechende Fahrräder für Kinder, die auch möglichst leicht sind, gibt es von unterschiedlichen Marken. Welches Rad am besten zu Ihrem Kind passt, können Sie hier herausfinden.

Auch ein Fahrradhelm ist unerlässlich, um den empfindlichen Kinderkopf vor Stößen und Verletzungen zu schützen. Helme mit CE-Zeichen sind immer die richtige Wahl. Außerdem sollte der Helm nicht rutschen und der Kinngurt eng anliegen. Bei Kinderhelmen gibt es Modelle, die größenverstellbar sind, sodass sie mit dem Kind mitwachsen. In jedem Fall lohnt es sich, Testergebnisse zu studieren, um einen sicheren Helm zu finden.

Tipp: Nicht zu unterschätzen ist, dass der Helm Ihrem Kind gefallen sollte. Denn einen schicken Helm trägt das Kind weitaus lieber als ein vermeintlich hässliches Exemplar!

Seien Sie sich ihrer Vorbildfunktion bewusst! Wenn Sie einen Helm tragen, wird Ihr Kind eher bereit sein, auch einen Helm aufzusetzen.

Zunächst nur auf dem Gehweg

Bis zum achten Lebensjahr müssen Kinder mit ihrem Fahrrad den Gehweg benutzen, um sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Weitere zwei Jahre, also bis zum zehnten Lebensjahr, dürfen sie auf dem Bürgersteig fahren. Eltern haben seit Ende 2016 sowohl die Option, mit dem Kind auf dem Gehweg zu fahren als auch weiterhin selbst die Straße zu benutzen. Erst nach dem vollendeten zehnten Lebensjahr, also mit elf Jahren, müssen auch Kinder auf der Straße fahren.

Besonders praktisch: Zu diesem Zeitpunkt sollten alle Kinder die Radfahrprüfung abgelegt haben und somit in der Lage sein, auf der Straße zu fahren.

Wenn ein Kind oder Erwachsener auf dem Gehweg fährt, muss derjenige beim Überqueren der Straße vom Rad absteigen und schieben. Diese Regel sollten Sie als Vorbild niemals missachten. Planen Sie hierfür genügend Zeit ein, sodass Sie nicht in Stress verfallen.

Unabhängig davon, ob Kinder noch auf dem Gehweg oder bereits auf der Straße fahren, sollten sie immer gut zu sehen sein. Ein Nabendynamo mit Scheinwerfer und Rückstrahler am Rad sowie Reflektoren an den Speichen sind hier ein erster, wichtiger Schritt. Doch gerade in der kälteren und dunkleren Jahreszeit ist es essenziell, dass auch die Kinder selbst gut sichtbar sind.

Helle Kleidung sorgt dafür, dass Autofahrer Ihr Kind bereits sehen, wenn es noch rund 40 Meter entfernt ist. So haben sie die Möglichkeit, rechtzeitig zu reagieren und sich auf den Radfahrer vor ihnen vorzubereiten. Eine reflektierende Sicherheitsweste oder Reflektoren an Helm und Kleidung erhöhen die Sichtbarkeit nochmal um etwa 100 Meter.

Regeln aufstellen: Einfühlsam und konsequent

Der Grundstein für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr wird bereits in jungen Jahren gelegt. Eine sorgsame Verkehrserziehung zu Hause und in der Kita hilft dabei, das Kind auf die Herausforderungen und Gefahren des Straßenverkehrs aufmerksam zu machen. Eltern sollten sich dabei stets bewusst sein, dass sie ein Vorbild sind, und deshalb mit gutem Beispiel vorangehen müssen. Wichtige Verkehrsregeln, die die Eltern einhalten müssen, um ihr Kind zum Nachahmen zu animieren, sind:

  • Ampelphasen: Bei Rot bleiben Sie stehen und erst bei Grün gehen Sie über die Straße. Wenn andere Menschen bei Rot die Straße überqueren, erklären Sie Ihrem Kind, dass dieses Verhalten nicht richtig ist und die Person sich damit in Gefahr begibt.
  • Zebrastreifen und Überwege nutzen: Überqueren Sie Straßen nach Möglichkeit ausschließlich an vorgegebenen Stellen, beispielsweise an Zebrastreifen. Hier gilt die Regel: Links schauen, rechts schauen, links schauen und dann losgehen. Gehen Sie langsam und erklären Sie Ihrem Kind, dass Sie immer wieder kontrollieren, ob kein Auto kommt.
  • Vorfahrtregeln: Ob als Fußgänger oder Radfahrer – Vorfahrtregeln wie „rechts vor links“ sollten immer beachtet werden.

Wenn Kinder die wichtigsten Verkehrsregeln bereits früh sehen und erleben, werden sie sich diese Regeln auch schnell einprägen. Auch auf dem Fahrrad sollten Sie als Eltern immer das Vorbild sein, das sich an die Regeln hält.

Erklären Sie Ihrem Kind, weshalb Sie etwas tun oder nicht tun, so beispielsweise die Handzeichen beim Abbiegen. Wenn ihr Kind versteht, weshalb es etwas tun soll, erhöht das die Chance, dass es das auch tut.

Bildquellen:
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