Burn-out: Achten Sie auf sich & Kita-Mitarbeiterinnen


13.04.2016
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Nach Angabe der Krankenkassen steigen, gerade in den sozialen Berufen, die psychischen Erkrankungen, z. B. wegen Burn-out, rasant an. Und besonders tragisch ist: Burn-out trifft häufig die besonders engagierten Mitarbeiterinnen. Lesen Sie hier, welche Pflichten Sie als Leitung haben, um Ihre Mitarbeiterinnen zu schützen.

 

Praxisbeispiel: Jana Schneider arbeitet seit 5 Jahren in der Kita „Sonnenhügel“. Die Leitung kennt sie als besonders engagierte Mitarbeiterin, auf die sie sich bisher blind verlassen konnte. In letzter Zeit fällt ihr aber auf, dass Frau Schneider häufiger krank ist. Außerdem ist sie, obwohl eigentlich ein echter „Sonnenschein“, häufig schlecht gelaunt. Überrascht ist die Leitung, als eine Mutter sich bei ihr über Frau Schneider beschwert. Sie berichtet, dass sie ihre Tochter mehrfach barsch angefahren habe.

 

Das gilt es bei einem „Burn-out“ von Kita-Mitarbeiterinnen zu beachten

Im Rahmen des Arbeitsschutzes ist Ihr Träger verpflichtet, seine Mitarbeiterinnen auch vor den psychischen Be- oder Überlastungen am Arbeitsplatz zu schützen. Das heißt konkret: Es müssen auch eine Gefährdungsanalyse im Hinblick auf solche Belastungen durchgeführt und die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um Ihre Mitarbeiterinnen wirksam zu schützen.

 

 

Diese Maßnahmen sollten Sie bei einem „Burn-out“ in Ihrer Kita ergreifen

In der Praxis sieht es meist so aus, dass Ihr Träger eine solche Gefährdungsanalyse durchführt bzw. durchführen lässt und Sie als Leitung damit beauftragt – möglichst kostenschonend –, Maßnahmen zu ergreifen, um einem Burn-out bei Ihren Mitarbeiterinnen entgegenzuwirken. Welche Möglichkeiten Sie haben, können Sie den folgenden Tipps entnehmen.

 

5 Tipps: So verhindern Sie „Burn-out“

 

1. Tipp: Informieren Sie sich über „Burn-out“

Beim Burn-out-Syndrom handelt es sich um eine psychische Störung, die sich häufig aus einer länger andauernden Belastungssituation – meist am Arbeitsplatz – entwickelt und die auch körperliche Auswirkungen hat. Das Krankheitsbild entwickelt sich schleichend und durchläuft mehrere Phasen. Zu Beginn zeigen sich die Mitarbeiterinnen hoch engagiert, fühlen sich unentbehrlich und scheinen keine Pausen oder Müdigkeit zu kennen. Im weiteren Verlauf nimmt das Engagement häufig ab, die Unzufriedenheit und das Gefühl fehlender Wertschätzung wachsen. Die Mitarbeiterin leidet unter dem Gefühl der Hilflosigkeit. Sie ist häufig gereizt, aggressiv und launenhaft. Hinzu kommen dann auch körperliche „Ausfälle“ durch ein stressbedingt geschwächtes Immunsystem, Schlafstörungen oder auch Herzrhythmusstörungen. Sie sehen: Burn-out ist mehr als der „normale“ Stress am Arbeitsplatz. Sehen Sie als Leitung also bei Ihren Mitarbeiterinnen, aber auch bei sich selbst genau hin.

 

2. Tipp: Bieten Sie Gelegenheit zum kollegialen Austausch

Entlastend und ein wichtiger Punkt in Sachen Stressbewältigung ist es, wenn Sie Ihren Mitarbeiterinnen Gelegenheit geben, sich, z. B. im Teamgespräch, darüber auszutauschen, was sie im Augenblick belastet. Ein solches Gespräch bietet auch die Möglichkeit des kollegialen Rats. Planen Sie solche Gespräche daher als festen Tagesordnungspunkt in Ihrer Teamsitzung ein.

 

3. Tipp: Achten Sie auf eine ausgewogene Arbeitsverteilung

Mitarbeiterinnen, die Burn-out-gefährdet sind, neigen dazu, alles an sich zu ziehen. Sie sind gerne bereit, Extraaufgaben zu übernehmen. Hier sollten Sie als Leitung hellhörig werden und darauf achten, dass die Arbeit in Ihrer Kita ausgewogen verteilt wird und nicht nur an einigen wenigen hängen bleibt, auch wenn diese sich darum reißen. Sie als Leitung müssen bei der Verteilung der Aufgaben das Problem „Burn-out“ im Hinterkopf behalten und darauf achten, dass einzelne Mitarbeiterinnen nicht übermäßig belastet werden.

 

4. Tipp: Machen Sie Burn-out zum Thema im Team

Sinnvoll ist es außerdem, wenn Sie das Thema „Burn-out“ im Team ansprechen. Zeigen Sie auf, woran man einen Burn-out erkennt und dass es wichtig ist zu lernen, professionelle Distanz zur Arbeit in der Kita zu entwickeln und darauf zu achten, dass die Arbeit nicht einziger bzw. beherrschender Lebensinhalt wird.

Hilfreich sind in diesem Zusammenhang Teamfortbildungen, bei denen auch Entspannungstechniken vermittelt werden, die sich im Kita-Alltag leicht einsetzen lassen.

 

5. Tipp: Sprechen Sie gefährdete Mitarbeiterinnen persönlich an

Sind Sie der Auffassung, dass einzelne Mitarbeiterinnen tatsächlich Burn-outgefährdet sind oder eine solche Störung bereits entwickelt haben, sind Sie im Rahmen Ihrer Fürsorgepflicht als Vorgesetzte verpflichtet, die betroffene Mitarbeiterin gezielt anzusprechen und ihr Hilfe anzubieten. Empfehlen Sie ihr, sich dringend ärztliche Hilfe zu holen.

 

Unser Rat: Nehmen Sie Anzeichen für Burn-out ernst. Und zwar nicht nur bei Ihren Mitarbeiterinnen, sondern auch bei sich selbst. Denn gerade Kita-Leitungen, mit ihren vielfältigen Aufgaben und großer Verantwortung, sind hier besonders gefährdet. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie und Ihr Team nicht endlos Überstunden anhäufen. Bestehen Sie darauf, dass diese regelmäßig, z. B. durch freie Tage, abgebaut werden. Diese kleinen Auszeiten sind auch eine echte „Burn-out-Prophylaxe“.

 

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