Kita: Kommunikation im Team


28.02.2018

Wundern Sie sich nicht über das Thema. Man möchte meinen, dass eigentlich immer ein Austausch in der Kita im Team stattfindet. Schließlich finden viele Absprachen und Besprechungen statt. Das ist zwar richtig, aber ein echter Austausch ist das nicht. Dabei ist genau dieser Austausch wichtig, wenn es darum geht, Vertrauen untereinander aufzubauen und mehr von den Haltungen und Einstellungen des Gegenübers zu erfahren. Hier erfahren Sie, wie Sie im Alltag immer wieder Zeiten für den Austausch einplanen können und wie Sie diesen dann ganz konkret gestalten.

Das ist der Unterscheid zwischen Austausch und Teamsitzung

Eine Teamsitzung hat eine klare Tagesordnung und eine Struktur. Die Inhalte sind bekannt. Meist wird dabei sehr sachlich und fachlich diskutiert, und Informationen werden ausgetauscht oder weitergegeben. Im Gegensatz dazu steht der Austausch. Es geht dabei um offene Diskussionen. Sie können die Überschrift für den Austausch vorgeben, das Thema offenlassen oder die Gruppe selbst entscheiden lassen, um was es gehen soll.

Ein ganz entscheidender Unterschied zwischen der Teamsitzung und dem Austausch ist: Ein Austausch braucht Zeit. Aus diesem Grund können Sie nicht jede Teamsitzung mit einer Austauschrunde starten, dann bliebe Ihnen zu wenig Zeit für die übrigen Inhalte.

Dafür ist ein regelmäßiger Austausch wichtig

Jedes Teammitglied kämpft, freut sich, ärgert sich, wundert sich, fragt sich oftmals dieselben Dinge. Die Erzieherin Frau Kleinhempe hatte gerade eine sehr wutentbrannte Mutter bei sich. Sie weiß aber nicht, dass der Erzieher Herr Grube gestern eine sehr ähnliche Situation hatte. Genau in solchen Momenten würde es allen im Team guttun zu wissen: „Allen oder zumindest einigen anderen im Team geht es gelegentlich genauso wie mir.“ Das entlastet. Durch den Austausch entstehen aber noch zahlreiche weitere positive Effekte:

  • Die Teammitglieder sprechen über pädagogische Inhalte.
  • Sie geben sich gegenseitig Tipps.
  • Sie wecken Verständnis füreinander.
  • Es entsteht eine informelle, sehr wichtige Vertrauensbasis.
  • Das Gefühl des Alleinseins im Alltag schwindet.
  • Die Teammitglieder erfahren mehr voneinander.
  • Der freie Austausch hilft, Dinge oder Situationen besser einzuschätzen und auch zu verarbeiten.

All diese Effekte können Sie nur erreichen, wenn Sie den Austausch regelmäßig im Alltag einplanen.

So planen Sie den 1. Austausch

Sinnvoll ist es, wenn Sie alle 2 Monate ca. 2 Stunden dafür einplanen können. Auch wenn sich das nach viel Zeit anhört: Sie werden bei den einzelnen beschriebenen Umsetzungsschritten schnell feststellen, dass diese Zeit gut investierte Zeit ist.

1. Schritt: Planen Sie Zeit ein

Reservieren Sie alle 2 Monate ca. 1,5– 2 Stunden Zeit. Lassen Sie dafür eine Teamsitzung ausfallen oder versuchen Sie, die geplanten Inhalte der Teamsitzung über einen Aushang oder einen Team-Rundbrief weiterzugeben. Wenn Sie mit regelmäßigen Austauschrunden beginnen, werden Sie zu Beginn garantiert die volle Zeit dafür benötigen. Die Themenflut und der Redebedarf werden sicher sehr hoch sein. Je routinierter der Austausch im Team ist, desto realistischer sind Austauschrunden von ca. 1 Stunde Dauer.

2. Schritt: Stellen Sie Gruppen zusammen

Finden Sie sich wie gewohnt mit dem Team im Teamzimmer ein. Wenn möglich, stellen Sie das Mobiliar so, dass je nach Teamgröße mehrere Kleingruppen entstehen. Pro Kleingruppe sind ca. 2–3 Personen sinnvoll für einen 1. Austausch. Stellen Sie die Kleingruppen zusammen. Achten Sie dabei darauf, wer im Alltag eher weniger miteinander zu tun hat, nie nebeneinandersitzt etc. Genau diese Personen bilden eine Kleingruppe.

3. Schritt: Lassen Sie Zeit zum Meckern

Schreiben Sie negative Situationen auf große Zettel. Beispiele dafür sind:

  • wütende Eltern
  • anstrengende Kinder
  • hoher Dokumentationsaufwand
  • viele Krankheitsausfälle

Wenn Sie 4 Kleingruppen haben, dann benötigen Sie 4 verschiedene Negativsituationen. Jede Gruppe sucht sich einen der Zettel aus und hat nun 20 Minuten Zeit, sich oh- ne Ihre Aufsicht regelrecht über das Thema „auszukotzen“.

Nach anfänglichem Zögern nimmt der Austausch in den Kleingruppen garantiert Fahrt auf, denn jeder wird etwas dazu zu berichten haben. Nach der Zeit wird nichts über diese Meckerrunde im Gesamtteam vorgestellt. Der Einstieg dient nur dazu, die Personen zum Sprechen zu animieren und eine Möglichkeit zu geben, sich endlich mal das Negative von der Seele reden zu können.

4. Schritt: Tauschen Sie sich über Positives aus

Nach der Meckerrunde sucht sich jede Kleingruppe ein positives Thema aus. Dazu haben Sie im Vorfeld positive Situationen auf entsprechende Zettel geschrieben. Beispiele dafür sind:

  • Willkommen für Kinder
  • Portfolioarbeit
  • Praktikanten
  • Elternmittag

Die Gruppen haben nun wieder 20 Minuten Zeit, sich gegenseitig passend zu dem gewählten Thema zu erzählen, was man für gute Erfahrungen gemacht hat. Vielleicht können gegenseitig auch Tipps weitergegeben oder völlig neue Ideen entwickelt werden, wie man etwas besser gestalten könnte.

5.Schritt: Sammeln Sie gemeinsam Themen

Kommen Sie nun mit allen Teammitgliedern zusammen. Stellen Sie eine Flipchart bereit. Nachdem in den ersten 2 Runden Themen vorgegeben waren, gibt es nun eine Runde, bei der jedes Teammitglied an die Reihe kommt. Jeder überlegt sich, was er gern den anderen mitteilen möchte. Kriterien dafür sind die folgenden Fragen:

  • Was sollten die anderen über meine Arbeit wissen?
  • Was fällt mir im Alltag schwer?
  • Bei welcher konkreten Situation hätte ich gern Rat oder Hilfe?

Jedes Teammitglied äußert sich nun. Sie halten in ganz kurzen Stichpunkten auf der Flipchart die Inhalte fest. Lassen Sie zwischendurch Diskussionen und Nachfragen zu. Eventuell kommen auch direkt Tipps oder Zustimmung durch andere. Markieren Sie mit einem Ausrufezeichen, welche Themen von vielen genannt oder bestätigt werden. Nehmen Sie sich für diese Runde ca. 40–60 Minuten Zeit.

6. Schritt: Schließen Sie den Austausch

Nutzen Sie die Flipchart und die Stichpunkte, um entweder schon als Abschluss in der Runde Themen, Situationen, Fragen für die nächste Austauschrunde festzulegen, oder lesen Sie die Inhalte einfach noch mal vor. Sie können auch erst in der folgenden Austauschrunde die Flipchart nutzen, um entweder genannte Themen als Austauschthemen zu benennen oder um zu prüfen, ob sich in den dazwischen liegenden Wochen etwas Neues an Inhalten aufgetan hat.

Fazit

Kommunikation und Austausch sind das A und O in einer Kita und vor allem in einem Team, bei dem es auf gute Zusammenarbeit ankommt.

Vernachlässigen Sie den freien Austausch und den Austausch über Themen im Alltag nicht, sondern achten Sie ganz bewusst darauf, dem Raum zu geben. Sie und Ihr Team werden von den positiven Nebeneffekten wie gesteigertes Vertrauen, mehr Verlässlichkeit und vor allem einen guten Teamzusammenhalt positiv überrascht sein.


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