St. Martin & Co. – das können Sie von Ihren Mitarbeitern außerhalb der Arbeitszeit verlangen


07.09.2017

Einige Kita-Veranstaltungen, wie z. B. Ihr Laternenfest oder der St.- Martins-Zug, finden außerhalb der Kita-Öffnungszeiten und damit auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten Ihrer Mitarbeiter statt. In der Regel nehmen Ihre Fachkräfte gern an solchen Terminen teil. Schwierig wird es aber für Sie, wenn einzelne sich weigern.

Praxisbeispiel

Hanna Schneider leitet die Kita „Maria im Rosenhain“. Anfang November findet der traditionelle St.-Martins-Zug der Kita statt. Bisher haben immer alle Mitarbeiter an dem Umzug teilgenommen. Eine neue Fachkraft meint aber, hierzu sei sie nicht verpflichtet.Ihre Arbeitszeit ende schließlich mit Kita-Schluss.

Rechtlicher Hintergrund

Als Kita-Leitung haben Sie das Recht, Ihren Mitarbeitern Anweisungen zu erteilen. Das heißt: Sie sind grundsätzlich berechtigt anzuordnen, dass Ihre Mitarbeiter auch an Kita-Veranstaltungen teilnehmen, die außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit stattfinden.

Das ist zu tun

Ihr Direktionsrecht hat in diesem Punkt allerdings Grenzen. Informieren Sie sich hier, wie weit Sie gehen und was Sie von Ihren pädagogischen Fachkräften verlangen können.

Beachten Sie die Höchstarbeitszeiten

Das ArbZG setzt Ihnen Grenzen, wenn es um die Teilnahme Ihrer pädagogischen Fachkräfte an Veranstaltungen außerhalb der regulären Arbeitszeiten geht. So müssen die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes im Hinblick auf Höchstarbeitsstunden aber auch im Hinblick auf die Ruhezeiten eingehalten werden.

Welche dies sind, können Sie der Übersicht unten entnehmen.

Übrigens: Achten Sie außerdem darauf, dass die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von 11 Stunden eingehalten wird. Endet Ihr St. Martins-Umzug z. B. um 20.00 Uhr, dürfen die Mitarbeiter am nächsten Tag ihren Dienst nicht vor 7.00 Uhr beginnen.

Unerlaubtes Fehlen gibt Ärger

Ordnen Sie an, dass Ihr Team außerhalb der regulären Arbeitszeiten an Veranstaltungen der Kita teilnehmen muss, müssen die Mitarbeiter Ihrer Anordnung folgen. Auch wenn ihnen das vielleicht nicht gefällt. Weigert sich eine Fachkraft oder fehlt sie unentschuldigt, handelt es sich um eine Arbeitsverweigerung, auf die Sie bzw. Ihr Träger angemessen reagieren sollten. Je nach Schwere des Vorfalls kommt eine Ermahnung, Abmahnung und in Extremfällen sogar eine fristlose Kündigung in Betracht. Meldet sich die Fachkraft an dem Veranstaltungstag krank, müssen Sie das so hinnehmen und können hiergegen wenig machen.

Mitarbeiter können sich Überstunden aufschreiben

Arbeiten Ihre Fachkräfte bei der Veranstaltung über die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit hinaus, handelt es sich um Überstunden bzw. Mehrarbeit. Die mehr gearbeiteten Stunden dürfen sich die Fachkräfte aufschreiben und bekommen sie entweder ausgezahlt oder in Freizeit ausgeglichen. Hierbei kommt es darauf an,was mit Ihrem Träger vereinbart ist.

Unser Rat

Auch wenn Sie im Rahmen Ihres Direktionsrechts die Teilnahme an Kita Veranstaltungen tatsächlich anordnen können, empfehle ich Ihnen dringend, nur in Ausnahmefällen auf Konfrontationskurs mit Ihren Mitarbeiterinnen zu gehen. Meist ist es sinnvoller, solche „Sonderveranstaltungen“ schon zu Beginn des Kita-Jahres zu planen und die Termine verbindlich festzulegen. Dann kann sich jeder Mitarbeiter darauf einstellen und verplant diese Termine nicht anderweitig.

Deutlich machen sollten Sie aber, dass die Teilnahme an diesen Terminen Pflicht ist. Hilfreich ist es,wenn Sie genau überlegen, ob wirklich das gesamte Team an diesen Veranstaltungen teilnehmen muss. Häufig ist das nicht nötig. Bitten Sie daher Ihre Mitarbeiter, sich selbst zu überlegen, wer an welcher Veranstaltung teilnimmt. Meist regelt sich diese Thematik dann von selbst.

Sie als Leitung sollten allerdings darauf achten, dass die „Sondertermine“ gerecht verteilt werden und keine Fachkraft sich vollständig drückt.

Übersicht: Diese Höchstarbeitszeiten dürfen bei Veranstaltungen außerhalb der regulären Arbeitszeiten nicht überschritten werden

Tag Woche
Regel 8 Stunden 48 Stunden
Ausnahme 10 Stunden, allerdings
müssen Sie darauf achten,
dass innerhalb von 6
Monaten bzw. 24
Wochen die jeweilige
Fachkraft im Schnitt
nicht mehr als 8 Stunden
täglich arbeitet.
60 Stunden, allerdings
müssen Sie darauf achten,
dass innerhalb von
6 Monaten bzw. 24
Wochen die jeweilige
Fachkraft im Schnitt
nicht mehr als 48 Stunden
in der Woche arbeitet.

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