4 Maßnahmen, um die Lautstärke in der Kita zu reduzieren


12.09.2016
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Lärm ist der stärkste Belastungsfaktor für die Gesundheit der Kinder und Erzieherinnen in einer Kita. Untersuchungen haben ergeben, dass es in der Kita bis zu 117 Dezibel (dB) laut wird. Zum Vergleich: Ein in 100 m Entfernung startender Düsenjet ist „nur“ 100 dB laut. Ab einem Durchschnittswert von 85 dB (A) muss der Arbeitgeber an gewerblichen Arbeitsplätzen Gehörschutz bereitstellen, da bei einer dauerhaften Belastung in dieser Stärke Gehörschäden auftreten können. Ohrenschutz für Sie und die Kinder mag für das Gehör zweckdienlich sein, aber sinnvoll ist er sicherlich nicht! Um die Lärmspirale zu durchbrechen, ist ein Bündel an baulichen, organisatorischen und pädagogischen Maßnahmen erforderlich.

1. Maßnahme zur Reduzierung der Lautstärke: Veränderungen

Durch eine veränderte Raumnutzung und Organisation können Sie den Lärm reduzieren. Hierzu ist es oftmals notwendig, an bewährten Strukturen und Gewohnheiten zu rütteln. Sprechen Sie mit dem gesamten Team darüber. Die nachfolgende Fragen können Sie darin unterstützen.

Fragen zur Raumnutzung:

  • Wie nutzen wir während der Öffnungszeiten die gesamte Fläche (Innen- und Außenbereiche der Kita)? œœ
  • Nutzen wir alle verfügbaren Räume und Ecken umfassend?
  • In welchen Räumen empfinden wir die Akustik als schlecht?
  • Könnten wir die Räume anders nutzen? Beispielsweise die Halle, um ein paar Kindern mit Bewegungsdrang die Möglichkeit zu geben, sich außerhalb  des Gruppenraums auszutoben.
  • (Wie) haben wir die lauten und die ruhigen Spielbereiche voneinander getrennt?
  • Wie nutzen wir die Flure?
  • Welche weiteren Schallquellen gibt es in der Kita, z. B. laute Heizungen?
  • Welche Einrichtungsgegenstände schlucken den Schall?
  • Können wir noch mehr Material einsetzen,das den Schall schluckt?

 

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Fragen zur Organisation:

  • Zu welchen Zeiten (Bring- und Abholzeit, nach dem Essen, Freispielzeit) ist es in der Kita unruhig?
  • In welchem Zeitraum sind die meisten Kinder anwesend?
  • Wechseln sich aktive und ruhige Phasen im Tagesablauf ab?
  • Wann und wodurch verändert sich die Lautstärke in der Freispielzeit?
  • Gibt es Unterschiede an unterschiedlichen Wochentagen?
  • Gibt es während des Tagesablaufs Rückzugsmöglichkeiten für Kinder und Erzieherinnen?
  • Können Sie unnötige Lärmquellen reduzieren z. B. CDs oder Radios, die die gesamte Zeit laufen und gegen die die Kinder ansprechen müssen. Führen Sie ein Lärmprotokoll. Dabei notiert sich jede Kollegin alle unruhigen Zeiten. Werten Sie im gesamten Team die Antworten aus. Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie mehr Ruhe in den Alltag bringen können.

2. Maßnahme zur Reduzierung der Lautstärke: Pädagogisches Handeln

Die Kinder sollen spielen und sich bewegen. Damit tragen sie erheblich zum Schallpegel bei. Mit den nachfolgenden
Tipps können Sie mit ganz einfachen Mitteln für mehr Ruhe sorgen:

  • Nutzen Sie für die pädagogischen Angebote alle räumlichen Möglichkeiten und zum Freispiel aus (Turnraum, Nebenräume, Flure). Dadurch
    entzerren Sie die Gruppe und verringern die Lärmbelastung. Achten Sie dabei auf die Aufsichtspflicht
  • Gestalten Sie Ecken als Ruheinseln, Vorleseecke, Flüsterzone oder als Bereich für lautere Aktivitäten.
  • Schaffen Sie gezielte Spielmöglichkeiten für lebhafte Kinder, z. B. in der Halle, im Garten, im Turnraum. Bieten Sie möglichst eine ganztägige
    Nutzung an. Achten Sie dabei unbedingt auf die Aufsichtspflicht!
  • Beziehen Sie die Kinder aktiv mit ein. Dadurch wecken Sie bei den Kindern eine Sensibilität und ein Verantwortungsbewusstsein für einen zu hohen Lärmpegel.
  • Sortieren Sie lautes oder zu Unruhe anregendes Spielmaterial aus oder entnehmen Sie die Batterien.
  • Bieten Sie gezielt Beschäftigungen zum Austoben und Aktivitäten an, die für Ruhe sorgen.
  • Legen Sie Regeln für eine ruhige Atmosphäre fest, beispielsweise: Im Gruppenraum wird nicht getobt.
  • Führen Sie eine Lärmampel ein. Sie ist einer normalen Straßenampel nachempfunden und zeigt den Kindern an, wenn es zu laut ist. Diese können Sie in der Regel bei der Unfallkasse kostenlos ausleihen.

3. Maßnahme zur Reduzierung der Lautstärke: Nachhallzeit optimieren

Außerdem gibt es in jeder Einrichtung viele weitere Schallquellen. Rücken Sie diesen Lärmquellen zu Leibe, indem Sie:

  • in und unter Spielzeugkisten Filz oder Teppichboden einkleben.
  • für Tischkicker Softbälle nutzen.
  • gummierte Tischdecken verwenden.
  • die Räume mit schallschluckendem Material dekorieren. Achten Sie unbedingt auf die Brandschutzverordnung.
  • Sorgen Sie für den Einbau von Lärm absorbierenden Raumelementen.

4. Maßnahme zur Reduzierung der Lautstärke: Lärmschutz!

Er ist gesetzlich dazu verpflichtet, für einen ausreichenden Schallschutz zu sorgen, wenn in den Gruppenräumen dauerhaft eine Lärmbelastung von mehr als 85 dB herrscht. Das ist aber in der Regel nicht der Fall.

Häufig hilft es, wenn Sie den Träger über die pädagogische Seite mit ins Boot holen. Laden Sie den Träger zur Hospitation ein. Nach 3 Stunden ist er von der Notwendigkeit von baulichen Maßnahmen überzeugt.

 

 

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