Seien Sie dankbar gegenüber sich selbst


15.10.2014
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Warum nicht? Fahren Sie doch zwischendurch einfach mal etwas zurück. „Slow Living“ ist hier das Zauberwort – drei Übungen, um die Zeit zu verlangsamen.

Die Zeit vergeht, ob wir es wollen oder nicht. Doch Zeit, die wir in freundlicher Einheit mit uns selbst verbringen, vergeht „langsamer“, während Zeit, in der wir uns fremdbestimmt fühlen, so rasch verschwindet, dass wir Schwierigkeiten haben, uns an sie zu erinnern. Wir möchten Sie mit drei kleinen Übungen dazu anregen, mehr „langsame Zeit“ zu erleben.

Kennen Sie dieses Gefühl? Je mehr es zu tun gibt, desto schneller werden wir – und desto mehr gibt es plötzlich zu tun … Unser Anspruch an uns selbst, auch ja alles zu bewältigen, so gut, wie es uns nur möglich ist, steigt gnadenlos an. Diese Spirale der Unbarmherzigkeit gegen uns selbst zerstört nicht nur unsere Lebenszufriedenheit und auf Dauer unsere Gesundheit. Sie vergiftet auch nach und nach die Beziehungen, die wir zu anderen Menschen haben, denn wir stecken andere an mit Hektik und Missmut. Wenn wir auf diese Weise durch die Zeit rasen, geben wir langsameren Menschen das Gefühl, nicht genug zu tun und sich nicht genug anzustrengen. Aber wer sagt eigentlich, dass Leben immer nur anstrengend sein sollte? Und warum muss immer alles schnell gehen? Wir geben Ihnen drei Gelegenheiten, sich einmal nicht anzustrengen, sondern ganz im Einvernehmen mit Ihrer inneren Zeit in einer Situation anzukommen: bei dem schönen Gefühl, dass es ganz leicht sein kann, sich wohl zu fühlen, wenn Sie die Zeit „dehnen“.

Übung eins: Etwas auseinandernehmen
Für diese Übung brauchen Sie ein Gerät Ihrer Wahl, das folgende Eigenschaften haben sollte: Es sollte keinen Wert mehr haben und es sollte Sie ansprechen. Sie könnten beispielsweise einen alten Wecker auf dem Flohmarkt erwerben, der Ihnen auf Anhieb gefällt. Oder die kaputte Kamera vom Speicher holen, die schon vor Jahren nicht mehr zu reparieren war. Bauen Sie dieses Gerät nun auseinander: Schrauben Sie es auf, befreien Sie alle Teile aus ihrer langen Beziehung zueinander. Es kann sehr zufrieden machen, all die vielen kleinen Teilchen aufzuschrauben, auszuklinken, herauszulösen und aus einem Ganzen viele Bestandteile zu erzeugen. Probieren Sie es aus. Wenn es Ihnen gefällt, dann können Sie alles ordnen nach Größe, Farbe, Material oder Funktion. Bestaunen Sie ruhig, wie viele einzelne Elemente dazugehören, um ein Ganzes zu bilden. Es ist wie im Leben: Auch für Abläufe im Alltag gehören oft viele verdeckte Helfer dazu, die man wie selbstverständlich übersieht.

Übung zwei: Etwas zusammenführen
Nehmen Sie eine Keramikvase, die nicht mehr genutzt wird, vielleicht vom Sperrmüll, vielleicht aus einem „Schrottwichteln“. Legen Sie ein altes Handtuch darum und zerschlagen Sie die Vase mit einem Hammer. Sammeln Sie die Scherben vorsichtig ein und betrachten Sie sie genau, nehmen Sie sich dafür Zeit.

  • Wie ist die Verteilung von großen und kleinen Stücken?
  • Gibt es Scherben, die in ihrer Form an andere Dinge des Lebens erinnern, etwa an die Seitenansicht Ihres ersten Autos, an einen Schmetterling oder eine Birne?
  • Gibt es „schöne“ und „besonders schöne“ Formen?
  • Was macht sie so schön für Sie? Der Farbausschnitt oder die Form?
  • Mögen Sie lieber abgerundete Formen oder klare, kantige?

Haben Sie Lust, ein „Scherbenstück“ aufzuführen – mit einzelnen Scherben als Akteuren? Es muss keine vollständige Handlung haben, es kann schon Spaß machen, wenn die Scherben einfach nur irgendwie zueinander stehen. Vielleicht ergibt sich daraus ja auch zufällig ein „Sternenbild“, wie am nächtlichen Himmel. Spielen Sie einfach ein wenig herum, absichtslos und ohne Bewertung. Sie dürfen heute spielen!

Als Archäologe unterwegs: Wenn Sie Freude daran haben, dann können Sie versuchen, daraus ein dreidimensionales Puzzle zu machen. Sie könnten mit dem Gedanken spielen, es seien die einzelnen Bestandteile einer „uralten Kultur“, die Sie wieder zusammensetzen. Welche Kultur würden Sie dabei gerne wieder zum Leben erwecken? Vielleicht finden Sie ja Hinweise darauf, wofür Sie sich als Kind früher begeistern konnten: das alte Rom, die mystischen Ägypter, die fremden Mayas, die unbekannten Inkas, die Germanen …? Träumen Sie ein wenig vor sich hin – nichts lässt Seele und Verstand besser zueinander finden als Tagträume!

 

 

Übung drei: Sich selbst freundlich begegnen
Bisher haben Sie sich mit Dingen beschäftigt, nun ist es Zeit für Lebendiges. Geben Sie sich für diese Übung kein Zeitlimit: Sie ist besonders kostbar, denn es geht um nichts weniger als eine liebevolle Begegnung mit sich selbst – die Begegnung im Spiegel. Verbannen Sie alles aus Ihrer Umgebung, was Sie aus Ihrem Rendez-vous herausreißen könnte. Wählen Sie sich einen Raum dafür aus, in dem Sie sich besonders wohlfühlen. Wenn Sie nach einer Weile Übung mit der „Begegnung im Spiegel“ haben, können Sie damit auch nach draußen gehen, für den Anfang aber ist ein geschützter geschlossener Raum das Beste.

Nehmen Sie sich einen großen Kosmetikspiegel, in dem Sie Ihr ganzes Gesicht auf einmal sehen können, und setzen Sie sich bequem an eine gut beleuchtete Stelle, am besten im warmem Licht der Sommersonne oder einer Kerze. Betrachten Sie das Gesicht, das Ihnen aus dem Spiegel entgegenblickt. Ein wunderbarer Mensch begegnet Ihnen mit seinem Blick, seinen gesammelten Erfahrungen, seinen Gefühlen: Das Leben mit seinen schönen Ereignissen, mit seinen Herausforderungen und seinen Überraschungen hat sich darauf niedergelassen. Sehen Sie mit wohlwollenden Augen hin – wer blickt zurück?

  • Was mögen Sie besonders an diesem Antlitz?
  • Sind es die gütigen Augen?
  • Oder die keck geschwungenen Augenbrauen?
  • Vielleicht entdecken Sie einen weisen Zug um den Mund?
  • Oder einen entschlossenen, mutigen Ausdruck?
  • Erkennen Sie die weichen Seiten?
  • Wo sind sie versteckt?

Betrachten Sie das schöne Gesicht im Spiegel – das sind Sie in all Ihrer ganz eigenen wunderbaren Individualität. In dieses Gesicht blicken auch all die Menschen, die Sie lieben, die Sie schätzen, weil Sie genau so sind, wie Sie sind! Bedanken Sie sich bei Ihrem Spiegelbild, dass es Ihnen zeigt, welche starken und welche weichen Seiten Sie haben. Und versprechen Sie ihm, auf beide Acht zu geben, jeden Tag!

Bevor Sie sich von Ihrem Spiegelbild verabschieden, lächeln Sie es vorsichtig an. Erzwingen Sie das Lächeln nicht, tasten Sie sich langsam heran an das freundliche Gefühl, das mit einem Lächeln verbunden ist. Betrachten Sie das lächelnde Gesicht mit all der Zärtlichkeit, die es verdient hat, einfach nur, weil es da ist und lächelt.

Tipp:
Gönnen Sie sich richtige Auszeiten – solche, in denen sich die Zeit „dehnen“ kann. Das gelingt Ihnen, wenn Sie frei von Leistungszielen und von einer Bewertung der Tätigkeit etwas an sich Sinnloses tun. Und wenn Sie sich selbst dabei ganz zugewandt bleiben: Was Ihnen Freude macht, ist ganz richtig – und Sie selbst sind es erst recht!

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