Waldtage für kleine & große Kita-Kinder


11.05.2016
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Sicherlich ist auch in Ihrem Kindergarten selbstverständlich, mit den Kindern in den Wald zu gehen. Der Wald bietet den Kindern so viele Erfahrungen wie sonst kein anderer Lebensraum. Er ist ein idealer Lernort für Kita-Kinder. Zeigen Sie den Kindern die vielen Facetten des Waldes.

 

1. Punkt für Waldtage mit Kindern: die Vorbereitungen

Gehen Sie vorher in den Wald, und planen Sie die Tage. Schauen Sie sich um, und überlegen Sie:

  • Gehen Sie gemeinsam von der Kita in den Wald, oder treffen Sie sich dort?
  • Wo können Sie sich morgens mit den Kita-Kindern treffen?
  • Wo gibt es eine Lichtung oder einen guten Platz zum Versammeln und Picknicken?
  • Gibt es Gefahrenquellen?
  • Wo können die Kinder „zur Toilette gehen“?
  • Auf welchem Areal können sich die Kita-Kinder bewegen?
  • Welche Regeln müssen Sie bereits im Vorfeld besprechen?
  • Was müssen die Kinder mitbringen?
  • Was müssen Sie mitbringen oder besorgen?
  • Welche Vorabinformationen brauchen die Eltern?
  • Was machen Sie bei Regenwetter?
  • Möchten Sie, dass die Kinder den Wald für das freie Spiel nutzen, oder wollen Sie Angebote machen? Bereiten Sie sich entsprechend vor.
  • Besorgen Sie sich einen Waldführer, um die Fragen der Kinder nach Pflanzen und Tieren beantworten zu können.
  • Nehmen Sie ein Erste-Hilfe-Set mit.
  • Weisen Sie die Eltern auf die Gefahr von Zeckenbissen hin.

Sie und die Kinder in Ihrer Kita sollten angemessene Waldkleidung tragen. Dazu gehören auf jeden Fall lange Hosen oder Matschhosen, eine wasserfeste Jacke, feste Schuhe und eine Kopfbedeckung. Sie schützen vor Brennnesseln, Dornen und auch vor Zeckenbissen. Auch ein gut sitzender Rucksack mit zusätzlichem Brustgurt ist wichtig, um die Verpflegung, Getränke, Müll und Fundstücke zu transportieren.

 

2. Punkt für Waldtage mit Kindern: Regeln festlegen

Sprechen Sie vor den Waldtagen mit den Kindergarten-Kindern über die Regeln und angemessenes Verhalten im Wald.

  • Wir verhalten uns rücksichtsvoll.
  • Jedes Kind läuft nur so weit, dass es in Sichtweite ist.
  • Die Pflanzen möchten wachsen und werden daher im Boden belassen. Es werden keine Äste und Zweige abgerissen.
  • Die Früchte des Waldes sind Nahrung für die Tiere und können für uns giftig sein.
  • Ihr dürft nur dort klettern, wo es vorher gemeinsam besprochen wurde.
  • Der Müll kommt in unsere Taschen.
  • Die Taschen werden während des Spiels immer am Versammlungsplatz abgelegt.
  • Ihr dürft kleine Tiere ansehen, in Lupenbechern auffangen. Danach werden sie wieder freigelassen.
  • Wenn ich rufe (oder noch besser auf einer Trillerpfeife pfeifen), kommen alle Kinder wieder zum Versammlungsplatz.

3. Punkt für Waldtage mit Kindern: So starten Sie

Treffen Sie sich morgens im Wald immer an einem festen Platz. Starten Sie den Tag mit einer Begrüßung und einem kleinen Ritual wie z. B. einem Lied. Besprechen Sie am 1. Tag noch mal die Regeln für den Waldtag.

 

 

4. Punkt für Waldtage mit Kindern: Zeit fürs freie Spiel

Planen Sie für jeden Waldtag Zeit für das freie Spiel ein. Bevor Sie mit geplanten Spielaktionen starten, lassen Sie den Kindern zuerst einmal Raum und Zeit für eigene Entdeckungen. Manche Kinder aus Ihrer Kita stürzen sich sofort ins „Abenteuer“, andere brauchen noch etwas Unterstützung, um die neue Umgebung kennenzulernen. Gehen Sie vertrauensvoll auf die Kinder zu. Geben Sie ihnen die notwendige Zeit, „im Wald anzukommen“. Zeigen Sie ihnen den Wald. Machen Sie auf interessante Dinge aufmerksam. Lösen Sie sich langsam von den Kindern, sodass sie eigenständig die Umgebung entdecken können.

Beobachten Sie die Kinder: Sie gehen mit Naturmaterialien sehr kreativ um und haben die tollsten Ideen, was man daraus bauen, wie man damit spielen
oder was man gestalten könnte. Entwerfen Sie gemeinsam neue Spielideen. Indem Sie eventuell einige Sätze einwerfen, bringen Sie auch Kinder, denen zuerst nichts einzufallen scheint, auf tolle Ideen: „Schaut mal, die Wurzel dort sieht aus wie eine Höhle!“ Oder: „Findet ihr einen Platz im Wald, der als Zuhause
für eure Waldzwerge dienen könnte?“ Wichtig ist nur, dass Sie Fragen stellen, die offen formuliert sind und den Kindern die Möglichkeit geben, „in alle Richtungen“ zu denken.

 

5. Punkt für Waldtage mit Kindern: Lassen Sie die Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen

Im Wald stehen die Kinder vor neuen Herausforderungen. Andere Fertigkeiten als in der Kita werden gefordert. Unebene Wege mit Wurzelwerk und
herabhängende Äste erfordern ein anderes Gleichgewichtsgefühl und die gesamte Aufmerksamkeit. Gestrüpp, Abhänge, ein umgefallener Baumstamm oder vielleicht auch ein kleiner Bach müssen überwunden werden.

 

Im Wald müssen die Kinder sich stärker mit ihrer Umgebung auseinandersetzen als in der bekannten Kita. Sie sind motorisch aktiver. Sie finden kein vorgefertigtes Spielmaterial. Sie müssen selbst kreativ werden. Im Umgang mit dem Naturmaterial werden sie zunehmend selbstständiger, kreativer und phantasievoller. Das alles erleben die Kinder gemeinsam. Normalerweise wird viel diskutiert, abgestimmt und besprochen. Das stärkt das Sozialverhalten, die kommunikativen Kompetenzen und das Gemeinschaftsgefühl.

 

6. Punkt für Waldtage mit Kindern: Gehen Sie auf Entdeckungsreise

Staunen und forschen Sie mit den Kindern, und beobachten Sie gemeinsam die Natur. Begleiten Sie die Kinder, stehen Sie ihnen jederzeit zur Verfügung, aber drängen Sie sich nicht mit Wissen  oder Antworten auf. Es ist wichtig, dass die Kinder eigenständige Entdeckungen machen, selbst zu forschen beginnen und nach Antworten suchen. Falls die Kinder sich zu Beginn schwertun, können Sie sie durch eigene Handlungen anregen. Graben Sie etwas im Waldboden. Heben Sie einen heruntergefallenen Ast hoch. Überall gibt es so viel zu entdecken. Machen Sie die Kinder auf einen Käfer, Regenwurm oder Tausendfüßler aufmerksam. Schnell werden dann auch die Kinder eigenständig aktiv und selbstständig. Sie erobern und entdecken den Wald.

 

7. Punkt für Waldtage mit Kindern: Spiele in allen Variationen

Durch Spielaktionen können Sie alle Sinne der Kinder ansprechen. Die Spiele regen die Kinder an, den Wald möglichst vielfältig kennenzulernen. Bereiten
Sie vorher schon ein paar Spiele vor. Wechseln Sie dabei immer wieder die Schwerpunkte, so bleiben die Spiele lange interessant. Einige Anregungen für die vielfältigsten Möglichkeiten finden hier.

 

Spiele zur Förderung der Sinne: 

  • Sie nennen Gegenstände, die die Kinder im Wald finden sollen: Entweder suchen die Kinder in Gruppen oder allein; andere Variante: Jedes Kind bekommt andere Gegenstände genannt, so entsteht kein Wettbewerbscharakter.
  • Sie machen zuvor Fotos von bestimmten Stellen im Wald oder von Naturmaterialien: Diese müssen die Kinder wiederfinden.
  • Die gesammelten Naturgegenstände werden befühlt und benannt, dann bekommt ein Kind die Augen verbunden und muss erfühlen, was es von einem anderen Kind in die Hand gelegt bekommen hat.
  • Die Kinder versuchen, mit Naturmaterialien Geräusche zu erzeugen, nach ausreichendem Experimentieren darf ein Geräusch „vorgespielt“ werden. Bei geübten Waldgängern kann auch ein Kind mit geschlossenen Augen erraten, um welches Geräusch es sich handelt.
  • Alle Kinder begeben sich auf einen Schnupperkurs und riechen an den unterschiedlichsten Gegenständen im Wald, wenn möglich bringen sie die Gegenstände mit in den Kreis; hier tauschen sie sich über ihr Geruchsempfindungen aus – dann kann auch mit verschlossenen Augen geschnuppert und geraten werden.
  • Die Kinder versuchen, mit den gesammelten Gegenständen einen möglichst hohen Turm zu bauen.
  • Ein Weg über verschiedene Hindernisse wird vereinbart, dann bekommen die Kinder z. B. Rindenstücke, Stöckchen oder Blätter auf Kopf, Hand oder Arme gelegt und müssen die Wegstrecke möglichst gut meistern.
  • Die Kinder suchen 2 dicke, lange und viele dickere, kleinere Äste – diese allerdings in verschiedenen Größen –, daraus wird nun ein Xylophon gebaut: Die langen Äste liegen parallel auf dem Boden, die kürzeren werden der Länge nach sortiert darauf gelegt; nun probieren die Kinder aus, wie das Xylophon klingt.

 

Spiele für die Kreativität:

  • Die Kinder bekommen Wachsmalkreide und Papier, sie suchen sich interessante Strukturen, z. B. die Baumrinde, diese werden mithilfe der „Frottage-Technik“ durchgerieben.
  • Jedes Kind bekommt ein Stück Pappe, auf dem ein Streifen doppelseitiges Klebeband von ca. 10 cm Länge geklebt ist. Es darf sich Dinge suchen, die ihm besonders gut gefallen, und diese auf das Klebeband kleben. Ein echtes und einzigartiges Naturbild entsteht. Danach darf jedes Kind erläutern, was ihm so gut gefällt.
  • Gesammelte Gegenstände werden im Kindergarten in einer Pappschachtel zu einer kleinen Landschaft zusammengelegt.
  • Die Kinder bauen aus Wurzeln, Ästen und Steinen eine „Waldstadt“ – diese kann mit Moos als Dach, verschiedenen Früchten, z. B. Eicheln als Zwerge etc., ergänzt und bespielt werden.
  • Aus 2 langen stabilen Stöcken und etwas Bindfaden wird ein Naturwebrahmen im Wald aufgestellt: In diesen können die Kinder nun die unterschiedlichsten Materialien einflechten.
  • Die gesammelten Gegenstände werden auf einer freien Fläche zu einem großen Bodenmandala oder -mosaik hingelegt und gestaltet.
  • Aus Ästen, Zweigen, Moos und langen Grashalmen bauen alle zusammen eine Hütte für die Kinder.

 

Spiele für das Gemeinschaftsgefühl:

  • Ein Kind wird mit verbundenen Augen zu einem Baum geführt, diesen darf es betasten, umfassen, beschnuppern, dann wird es zum Ausgangspunkt zurückgeführt – gelingt es ihm nun, den Baum auch mit offenen Augen wiederzuentdecken?
  • Wählen Sie gemeinsam eine Wegstrecke aus. Jedes Kind klemmt sich nun einen Stock zwischen die Knie und muss so diesen Weg bewältigen.
  • Gleicher Aufbau wie beim vorigen Spiel, allerdings müssen die Kinder nun einen etwas dickeren Ast mithilfe eines anderen Astes die Strecke entlangrollen.
  • Ein Kind legt sich auf den Boden, egal, wie. Die anderen Kinder umlegen die Konturen des Kindes mit den verschiedensten Naturmaterialien, so wird das liegende Kind von der Natur ganz „umwachsen“. Interessant wird es auch dann, wenn das Kind aufsteht und nur noch der Umriss zu sehen ist

 

8. Punkt für für Waldtage mit Kindern: Greifen Sie die Ängste auf

Vielleicht haben Sie oder die Eltern ein mulmiges Gefühl dabei, regelmäßige Waldtage durchzuführen. Eltern haben oftmals Angst vor Verletzungen und Erkrankungen durch Zecken, Fuchsbandwürmern oder giftigen Pflanzen. Sie fürchten, dass ihr Kind gefährlich fallen kann. Greifen Sie diese Ängste auf. Die Kinder erobern den Wald meistens sehr schnell und verhalten sich sicher. Durch immer neues Ausprobieren tasten sie sich an ihre Grenzen heran. Die leuchtenden Kinderaugen, wenn die Kinder von den Waldtagen erzählen, die neuen Erfahrungen und Erlebnisse sowie die sozialen Prozesse werden die Eltern schnell überzeugen.

Dann steht Ihren „tollen Tagen“ im Wald nichts mehr im Wege!

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