Autonomiephase: 5 Tipps, wie Sie am besten auf Trotz reagieren


20.04.2018

„Wenn Jenny wieder einen ihrer Wutanfälle bekommt, würde ich mich am liebsten daneben auf den Boden werfen und mitschreien. Sie kostet mich im Moment so viel Kraft.“ Kennen auch Sie solche Gedanken wie die der Erzieherin Monika?

Früher hieß es Trotzphase. Heute heißt es Selbstfindungs- oder Autonomiephase. Aber egal, wie dieser – für Kinder wichtige – Zeitraum heißt: Er ist für alle Beteiligten sehr anstrengend. Manchmal haben wir alle dann das Gefühl, das jeweilige Kind nicht mehr wiederzuerkennen. Ab dem 2. Lebensjahr beginnt das Kind, Unterschiede zwischen sich und den anderen Menschen wahrzunehmen und sich selbst als selbstständiges Wesen zu begreifen. Damit aus dem Kind ein ausgeglichener und selbstbewusster Mensch werden kann, der seine Bedürfnisse und Fähigkeiten kennt, muss es Stück für Stück seine Eigenständigkeit in der Autonomiephase entdecken.

1. Tipp: Verständnis für das Kind zeigen

Wenn sich das Kind mit Schreien, Toben oder Weinen gegen eine Regel oder ein Verbot auflehnt, so wendet es sich nicht gegen Sie. Diese Reaktionen deuten vielmehr darauf hin, dass es überfordert ist und mit seinem Gefühlschaos nicht klarkommt. Sie haben durch Ihr „Nein“ diese Empfindungen möglicherweise ausgelöst, aber Sie verursachen sie nicht. Halten Sie kurz inne und atmen Sie tief durch. So gewinnen Sie innere Distanz zur Situation.

Während dieser Entwicklungsphase macht das Kind eine Reihe wertvoller Lernerfahrungen, wie z.B. dass

es wichtig ist, eigene Erfahrungen zu sammeln, auch wenn dies anstrengend und enttäuschend sein kann. es guttut, seinen eigenen Willen und seine Bedürfnisse zu kennen sowie Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu erproben, und dass Konflikte das Zusammenleben in der Kita nicht bedrohen, sondern zum Leben dazugehören und dass sich Lösungen finden lassen.

Oft fällt die Autonomiephase zeitlich mit einem entwicklungsbedingten Reifeprozess zusammen, der zur Folge hat, dass das Kind schneller ermüdet. Es kann sich nicht mehr gut konzentrieren und hat kein großes Durchhaltevermögen, was plötzliche Stimmungsschwankungen auslösen kann.

Wichtig! Nehmen Sie das Kind nach einer überstandenen Schreiattacke in den Arm und geben Sie ihm das Gefühl, dass es „trotz allem“ geliebt wird.

2. Tipp: Vorhersehbar handeln

Wenn die Kinder wissen, was auf sie zukommt, können sie sich darauf einstellen und manches leichter annehmen. Wenn das Kind beispielsweise von der Oma statt der Mutter aus der Kita abgeholt wird und dies vorher weiß, kann es sich mit dem Gedanken anfreunden und lehnt sich weniger dagegen auf.

Deshalb sollten Sie und die Eltern dem Kind möglichst viel bereits im Vorfeld erklären, ohne allerdings darüber zu diskutieren. Bitten Sie die Eltern unbedingt um Mithilfe.

3. Tipp: Mehr Zeit einplanen

Wenn Kinder bestimmte Tätigkeiten selbst ausführen, brauchen sie dafür mehr Zeit, als wenn Sie dies für sie erledigen. Das gilt fürs Allein-Essen genauso wie fürs Allein-Anziehen oder Selbst-Laufen statt getragen zu werden. Planen Sie unbedingt ausreichend Zeit und Gelegenheiten dafür ein, damit sich das Kind selbst darin üben kann. Sonst ist das Kind schnell frustriert, wenn es das Gefühl hat, dass ihm bestimmte Fähigkeiten nicht zugetraut werden oder ihm nicht genug Zeit gelassen wird. So könnten beispielsweise bisherige Gewohnheiten überprüft werden, um Zeit zu gewinnen.

4. Tipp: Selbstständigkeit ermöglichen

Sooft es geht, sollten Sie das Kind in seinen Bestrebungen nach Selbst- und Eigenständigkeit unterstützen. Dabei können Sie gezielt Situationen anbieten, in denen Ihr Kind selbstständig sein kann, z. B. beim gemeinsamen Tischdecken, beim Bettenmachen-Helfen oder beim Allein-Ausziehen. Bei diesen Aktionen sollte das Kind in seinem eigenen Tempo agieren dürfen.

5. Tipp: Die Eltern einbeziehen

Kinder durchleben die Autonomiephase nicht nur in der Kita, sondern auch zu Hause. Sprechen Sie mit den Eltern im Rahmen eines Entwicklungsgesprächs über diese Phase. Erklären Sie den Eltern, wie wichtig es ist, den Kindern Verständnis für die momentan schwierige Situation entgegenzubringen. Zeigen Sie den Eltern die Bedeutung auf und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie und die Eltern gemeinsam schwierige Situationen (beispielsweise beim Bringen und Abholen des Kindes) bestmöglich meistern.

Geben Sie den Eltern gleichzeitig praktische Tipps und zeigen Sie sich ihnen gegenüber als kompetente Ansprechpartnerin. So unterstützen Sie das Kind bei diesem wichtigen Entwicklungsschritt optimal und halten zugleich die Erziehungspartnerschaft zwischen Ihnen und den Eltern lebendig.

Mein Fazit: Diese Phase ist sicherlich eine der anstrengendsten Phasen in der Entwicklung der Kinder. Als ich mit U3 Kindern gearbeitet habe, hatte ich immer das Gefühl: „Es ist immer ein Kind in der Autonomiephase“. Daher sollten die 5 Tipps eine wichtige Grundlage Ihrer täglichen Arbeit sein.


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