Ausflüge mit Kindern: So gestalten Sie Waldtage im Herbst rechtssicher


04.10.2018

Ausflüge in den Wald: Kinder lieben sie in aller Regel. Und auch die Eltern finden sie toll. Schon weil sie oft ihr schlechtes Gewissen mildern, da sie am Wochenende doch nicht mit den Kindern ins Grüne, sondern lieber auf den Indoor-Spielplatz gegangen sind. Für Sie als Leitung gilt es allerdings bei Ausflügen in den Wald einiges zu bedenken. Denn Sie müssen dafür sorgen, dass der Ausflug gut vorbereitet und sicher durchgeführt wird.

z.B. Ausflug in den Wald

Lisa Meurer leitet die Kita „Wolfsburg“. Die pädagogischen Fachkräfte der „Igelgruppe“ planen einen Ausflug in den nahe gelegenen Wald. Frau Meurer überlegt, ob ein solcher Ausflug erlaubt ist und worauf sie und die Mitarbeiterinnen achten müssen.

Rechtgrundlage: Organisationsverantwortung

Sie als Kita-Leitung tragen die Verantwortung dafür, dass die Ihnen anvertrauten Kinder während der Betreuungszeit und insbesondere bei Ausflügen ordnungsgemäß betreut und beaufsichtigt werden. Sie tragen die sogenannte Organisationsverantwortung.

Das ist zu tun: Auf sorgfältiger Planung bestehen

Gerade bei Ausflügen in den Wald sind Sie als Leitung besonders gefordert. Denn sobald Ihre Mitarbeiter mit den Kindern das geschützte und auf Kinder ausgerichtete Gelände Ihrer Einrichtung verlassen, entstehen zwangsläufig besondere Gefahrensituationen. Auf diese müssen Sie und Ihr Team vorbereitet sein. Eine sorgfältige Planung ist daher das A & O eines gelungenen Waldtags.

Damit Sie nichts übersehen, sollten Sie die verschiedenen „Problemfelder“ systematisch mit den Mitarbeitern besprechen, die den Ausflug begleiten. Hierfür müssen Sie sich natürlich Zeit nehmen. Außerdem empfinden Ihre Mitarbeiter dies vielleicht als Kontrolle oder Misstrauen. Sie sollten dennoch genau nachhaken. Denn wenn bei einem solchen Ausflug etwas schiefgeht, ist der Ärger gewaltig. Und da ist eine am Wegesrand genaschte Brombeere (s. Seite 1) noch das geringste Problem. Machen Sie es also zur Regel, dass Waldausflüge nur dann stattfinden, wenn Sie als Leitung hierzu Ihr ausdrückliches Okay gegeben haben.

1. Knackpunkt: Ausflugsziel & Weg

Viele pädagogischen Fachkräfte überschätzen die Lauf- und Begeisterungsfähigkeit ihrer Schützlinge. Gerade bei Kindergruppen, die eine große Altersspanne abdecken, kann ein Ausflug in den Wald eine große Herausforderung sein. Zu bedenken ist auch, dass viele Kinder nicht gewohnt sind, längere Strecken zu Fuß zu gehen. Dies müssen Ihre Mitarbeiter berücksichtigen. Die Länge der Wanderung muss daher an der Leistungsfähigkeit aller teilnehmenden Kinder orientiert sein. Außerdem sollte es auf dem Weg keine bösen Überraschungen wie Baumfällarbeiten oder Treibjagden geben. Dies sollten Ihre Mitarbeiter im Vorfeld abklären.

Wichtig ist, dass Ihre Mitarbeiter den geplanten Weg und das Ausflugsziel kurz vor dem Ausflug persönlich in Augenschein nehmen. Wenig ist ärgerlicher, als zu einem Waldspielplatz zu wandern, der wegen Windbruchs gesperrt ist.

2. Knackpunkt: Mitarbeiter

Beachten Sie, dass der Betreuungsschlüssel grundsätzlich nur für die Kita gilt und bei Ausflügen lediglich die absolute Untergrenze normiert. Denn der Betreuungsschlüssel geht von einer „kindersicheren“ Umgebung aus. Immer wenn Sie bzw. Ihre Mitarbeiter das sichere Kita-Gelände verlassen, müssen Sie überlegen, wie viel Personal notwendig ist, um die sichere Beaufsichtigung der Kinder zu gewährleisten. Hierbei müssen Sie die folgenden Punkte beachten:

  • Alter der Kinder
  • Altersmischung der Gruppe (U3- und Ü3-Kinder?)
  • Anzahl der Kinder
  • Kinder mit besonderen Bedürfnissen / Verhaltensauffälligkeiten
  • Gefahren auf dem Weg zum Ausflugsziel
  • Ausflugsziel geplante Aktivitäten auf dem Weg und am Ausflugziel

Gelingt es Ihnen nicht, genügend Aufsichtspersonen zu engagieren, sollten Sie konsequent auf die Durchführung verzichten. Damit ernten Sie vielleicht Unverständnis bei Ihren Mitarbeitern und den Eltern. Letztlich dienst eine solche Entscheidung dem Schutz aller Beteiligten.

Wichtig ist außerdem, dass Sie den Mitarbeitern, bevor sie sich tatsächlich in den Wald aufmachen, ein kurzes Wald Briefing“ geben

Machen Sie deutlich, dass…

  • das Klettern und Balancieren auf am Wegesrand gestapelten Baumstämmen verboten ist.
  • das Balancieren auf einzelnen Baumstämmen nur erlaubt ist, wenn diese Baumstämme mit Kettenoder Keilen gegen Wegrollen gesichert sind.
  • Zecken nur entfernt werden dürfen, wenn die Eltern dem vorher schriftlich zugestimmt haben.

3. Knackpunkt: Kinder

Wichtig ist, dass Ihre Mitarbeiter die Belastbarkeit und die Fähigkeiten der teilnehmenden Kinder realistisch einschätzen. Es kann durchaus sinnvoll sein, die Teilnahme einzelner Kinder davon abhängig zu machen, dass diese von Eltern oder anderen Aufsichtspersonen begleitet werden. Es kann auch hilfreich sein, wenn Ihre Mitarbeiter z. B. die U3-Kinder oder die Pampers-Träger in der Kita lassen, um den Ausflug insgesamt zu ermöglichen.

4. Knackpunkt: Logistik

Entscheidend ist, dass Ihre Mitarbeiter gut ausgerüstet in den Ausflug starten. Die Ausrüstung muss auf die teilnehmenden Kinder abgestimmt sein.

Unerlässlich sind aber: Erste-Hilfe-Ausrüstung und aufgeladenes Handy.

5. Knackpunkt: Eltern

Wichtig ist außerdem, dass Sie die Eltern rechtzeitig über den Ausflug informieren. Bitten Sie sie, ihr Kind für den Ausflug in den Wald richtig auszustatten und ihr Kind mit festen, bequemen Schuhen in die Kita zu bringen. Denn: Schmerzende Füße durch ungeeignete Schuhe bedeuten quengelnde Kinder, und diese binden die Aufmerksamkeit Ihrer Mitarbeiter bei einem Waldausflug über Gebühr und belasten damit nicht nur das unmittelbar betroffene Kind.

Meine Empfehlung: Hinterfragen Sie die Planung

Waldausflüge sind für Kita-Kinder ein echtes Highlight und eine wichtige Erfahrung. Sie sollten aber nicht um jeden Preis stattfinden. Als Leitung sollten Sie darauf achten, dass Sie die Planung Ihres Teams hinterfragen, auf Gefahrenpunkte und Planungslücken hinweisen und so für ein Höchstmaß an Sicherheit sorgen. Kommen Sie zu dem Ergebnis, dass Ihre Mitarbeiter sich zu viel vorgenommen haben, sollten Sie die Notbremse ziehen und den Waldausflug ggf. absagen oder nur in „abgespeckter“ Form stattfinden lassen.

Damit Sie nichts vergessen und übersehen, können Sie auf diesen Fragenkatalog zurückgreifen.


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