Selbstbewusstsein: Brauchen unsere Kinder mehr oder weniger?


29.04.2015

Lars sagt: „Mama, ich kann das nicht!“ – Larissa sagt: „Na klar, das kann ich doch schon!“ Kaum zu erraten, aber unseren beiden Beispielkindern mangelt es an Selbstbewusstsein.

Das ängstlich-zurückhaltende Kind

Lars symbolisiert in diesem Beispielfall ein Kind, das eher ängstlich, zurückhaltend und schüchtern der Welt begegnet. Neue Situationen und fremde Menschen machen diesem Kind Angst. Auch in vertrauten Situationen kann es immer wieder schnell zu einem inneren Rückzug kommen.

Das forsche „Ich erobere die Welt“-Kind

Larissa zeigt uns mit ihrem Satz auf, wie sie die Welt sieht. Kinder, die so ins Leben gehen, sind neugierig, gehen auf andere zu, zeigen wenig bis gar keine Scheu vor Neuem und Unbekanntem. Ähnlich gehen sie auch an Herausforderungen heran. Wo Lars sich zurückzieht, läuft Larissa weiter auf die Herausforderung zu. Auch wenn sie noch keine Idee hat, was sie dort erwarten könnte und ob und wie sie das bewältigen kann, tut sie es nach dem Motto: „Irgendwie bekomme ich das schon hin.“

2 Arten von fehlgeleitetem Selbstbewusstsein

Sie haben es sicherlich schon erkannt: Das ängstliche Kind hat zu wenig Selbstbewusstsein. Auch wenn es darunter leidet, kann es nicht so einfach über seinen Schatten springen. Das „Ich-erobere- die-Welt“-Kind hat oftmals zu viel Selbstbewusstsein. Das kann sich dann negativ auswirken, wenn das Kind durch sein übersteigertes Selbstwertgefühl auf die anderen stolz oder arrogant wirkt. Oder wenn es gefährliche Situationen nicht einschätzen kann und dadurch sich und andere in Gefahr bringt. Auch diese Kinder können schnell „im Abseits“ stehen.

Ein gesundes Selbstbewusstsein ist der richtige Weg: Menschen, die sich an Neues heranwagen, aber auch mit einem gesunden und kritischen Verstand manches hinterfragen.

Lars: eine große Portion Geduld und Vertrauen

Ängstliche Kinder benötigen viel Geduld und einen großen Vertrauensvorschuss. Diese Kinder wären gerne mutiger, aber trauen es sich nicht zu. Hilfreich sind Sätze wie: „Ich traue dir das zu und begleite dich dabei“, oder: „Versuch es, du hast dafür ganz viel Zeit.“ Nehmen Sie diesen Kindern nie etwas ab, was sie schon allein bewältigen können. Muten Sie ihnen neue Aufgaben zu, von denen Sie einschätzen, dass sie zwar eine Herausforderung, aber keine Überforderung darstellen. Geben Sie dem Kind wertschätzende Rückmeldung: Bei Gelingen ein ausführliches Lob, das die Anstrengung genauso hervorhebt wie das erreichte Ziel. Bei Nicht-Gelingen das Würdigen der Anstrengung und des Mutes sowie die Ermunterung, es wieder zu versuchen. Wenn das Kind spürt, dass Sie an es glauben und viel öfter die starken Seiten sehen und betonen, wird es auch immer häufiger diesen Blickwinkel einnehmen.

Larissa: Klarheit in jeglicher Hinsicht

Da Kinder mit zu hohem Selbstbewusstsein in ihrem Überschwang oft die „Feinheiten“ übersehen, benötigen sie hier Bezugspersonen, die ihnen diese immer wieder verdeutlichen:

  • Erinnern und Erklären von Regeln in der Gruppe, im Straßenverkehr, im Alltag
  • klares Aufzeigen von Grenzen, die dann auch konsequent eingehalten werden
  • ruhige, klare und wohlwollende Gespräche, die dem Kind aufzeigen, wo Grenzüberschreitungen stattfinden.
  • Hilfe beim Erkennen von eigenen Gefühlen: Zulassen und Spüren von gesunder Angst und Misstrauen, ausgiebiges Lob bei gelungenen Aktionen, Nachspüren von traurigen Situationen, ohne zu überspielen.
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