Hilfreiche Praxisbeispiele: Kinderleichte Konzentrationsübungen für Kinder


26.07.2021

Konzentrationsübungen – so einfach geht’s! Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten fallen in jeder Kita schnell auf: Sie sind sprunghaft, ihre Augen schweifen unruhig umher und den Blickkontakt zu halten, fällt ihnen schwer. Lesen Sie hier, wie Sie Kindern mit Konzentrationsdefiziten helfen, sich besser zu sammeln. Diese nachfolgenden Konzentrationsübungen sind (kinder)leicht, aber wirkungsvoll.

Praxisbeispiel 1: Konzentrationsübungen für Kinder

Julius ist 5 Jahre alt. Er besucht die Kita „Sonnenschein“ schon seit einem Jahr. Der Junge ist noch sehr sprunghaft. Er bleibt immer nur wenige Minuten bei einem selbst gewählten Spiel. Danach lässt er es unbeachtet liegen und findet die Bausteine in der Bauecke viel interessanter. Erzieher Helmut Stark überlegt, wie er die Konzentrationsfähigkeit von Julius stärken könnte.

Konzentrationsübung 1: Wörterschlangen bilden

Die Kinder sitzen mit dem Erzieher am Boden und bilden einen Kreis. Ein Freiwilliger beginnt, indem er ein Wort spricht. Das Kind rechts neben ihm greift den letzten Buchstaben des Wortes auf und sagt ein Wort, das mit diesem Buchstaben beginnt. Der rechte Sitznachbar greift wiederum den letzten Buchstaben dieses Wortes auf und spricht ein weiteres Wort, das mit diesem Buchstaben beginnt.

Beispiel: Regen – Nudel – Lampe – Esel – Libelle – Emu – Ukulele . …

Variante:

Wenn Sie im Vorfeld des Spiels Wörterschlange nicht wissen, ob alle Kinder bereits über das phonologische Bewusstsein verfügen, die Endlaute herauszufinden, können Sie auch als Coach bei diesem Spiel mitwirken. Erklären Sie den Kindern Ihre Rolle und sagen Sie, dass Sie den Kindern bei Bedarf helfend zur Seite stehen können.

Konzentrationsübung 2: Sprechen ohne Ton

Die Kinder sitzen mit dem Erzieher im Kreis. Die Kinder rufen sich abwechselnd gegenseitig. Das Besondere am Rufen ist es, dass dieses Rufen ohne Ton erfolgt. Die Kinder artikulieren mit den Lippen und der Zunge sehr deutlich den Namen des Kindes, das sie rufen wollen. Wichtig ist dabei, dass kein Kind auch nur einen Ton spricht, und dass das Kind, welches gerufen wird, nicht angeschaut wird.

Konzentrationsübung 3: Fehler erkennen

Die Kinder hören gut zu, während der Erzieher ihnen eine Geschichte erzählt. Dieser gibt den Kindern vor dem Beginn der Geschichte die Instruktion, genau darauf zu achten, ob ihnen in der Geschichte alles logisch und nachvollziehbar erscheint. Die zuhörenden Kinder haben die Aufgabe, aufmerksam zu sein und möglichst viele Fehler aufzudecken. Wenn ein Kind einen Fehler bemerkt, darf es laut „Stopp!“ rufen. Für jeden Fehler, den ein Kind entdeckt hat, erhält es einen Punkt, der ihm auf den Handrücken gemalt wird. Kinder mit mehreren Punkten konnten sich bei diesem Spiel sehr gut konzentrieren.

Konzentrationsübung 4: Stille erleben

Für Kinder mit Aufmerksamkeitsproblemen erscheint es zunächst schwer, Ruhe oder Stille bewusst zu erleben und sich dem nicht durch andere Tätigkeiten zu entziehen. Ziel dieser Übung ist es: Die Kinder müssen für eine vorher festgelegte Zeit still sein. Sprechen, aufstehen oder die Zeichensprache mit anderen Kindern ist nicht erlaubt.

Tipp: Wählen Sie zunächst eine sehr kurze Zeitspanne von ungefähr 10 Sekunden, damit die Kinder bei dieser Stilleübung direkt ein Erfolgserlebnis haben. Weiten Sie dann schrittweise die Zeit aus. Dadurch steigern sich die Kinder in ihrer Konzentration. Steigern Sie die Zeit jeweils um 10 Sekunden. Gestatten Sie Kindern, die dies wünschen, während der Stilleübung die Augen zu schließen.

Praxisbeispiel 2: Konzentrationsübungen für Kinder

Leander ist 5 Jahre alt. Er besucht die Kita „Sonnenschein“ bereits seit 2,5 Jahren. Leander kann sich nicht lange auf ein Spiel einlassen. Meist unterbricht er es nach spätestens 5 Minuten. Dann läuft er im Gruppenraum umher und sucht nach anderen Beschäftigungen. Bei Gesprächen schweift er noch schneller ab und hantiert an seiner Kleidung oder schaut aus dem Fenster und beobachtet die Vögel. Seine Erzieher wollen ihm helfen und überlegen, was zu tun ist, um die Ausdauer des Jungen zu fördern.

Konzentrationsübung 1: Exakt beschreiben

Die Kinder sitzen mit dem Erzieher im Kreis. Ein Kind meldet sich freiwillig und beschreibt akkurat einen Gegenstand, ohne den Gegenstand beim Namen zu nennen. Die anderen Kinder melden sich und versuchen, den Gegenstand zu erraten. Schaffen sie das nicht, so dürfen die Kinder Fragen stellen, die das Kind, das den Gegenstand beschrieben hat, nur mit Ja oder Nein beantworten darf. Das Kind, das den Gegenstand erraten hat, ist als Nächstes an der Reihe. Falls es nichts beschreiben möchte, so darf es ein anderes Kind auswählen, das sich freiwillig meldet.

Yoga-Übung für Kinder

Konzentrationsübung 2: Kette aus Worten

Die Kinder sitzen mit einem Erzieher im Kreis. Das 1. Kind nennt ein zusammengesetztes Hauptwort, z. B. Hundeohr. Das nächste Kind überlegt und bildet mit dem Wort Ohr ein neues zusammengesetztes Nomen, z. B. Ohrring. Das nächste Kind sagt z. B. Ringfinger usw.

Mit Ihrer Hilfe gelingt es den Kindern, sich minutenlang auf immer neue zusammengesetzte Wörter zu konzentrieren. Spielen Kinder mit, die jünger als 5 Jahre sind, gilt diese Regel: Sie dürfen sich ein Kind auswählen, das ihnen beim Raten hilft.

Konzentrationsübung 3: Stille ertragen und selbst ruhig sein

Ziel dieser Übung ist es, die Kinder in die Lage zu versetzen, für eine vorher festgelegte Zeit still zu sein. Sie verharren in Ruhe, indem Sie laut- und regungslos dasitzen. Sprechen, Aufstehen oder die Verständigung in Zeichensprache ist nicht erlaubt. Manchen Kindern fällt es leichter, ruhig zu sein, wenn sie während der Übung die Augen schließen. Bitten Sie die Kinder, selbst auszuprobieren, was ihnen leichter fällt.

Konzentrationsübung 4: Geschichte aus Worten bilden

Bei dieser Übung sagt jedes Kind ein Wort. Das 1. Kind nennt ein Wort, das nächste wiederholt dieses Wort und fügt sein Wort an. Ziel dieser Übung ist es, nicht nur eine Wortschlange zu bilden, sondern eine verständliche Geschichte zu entwickeln. Um dies zu erreichen, müssen alle Kinder stark konzentriert sein. Das zu trainieren ist Ziel und Zweck der Übung.

Beispiel:

Ich
Ich bin
Ich bin heute
Ich bin heute ganz
Ich bin heute ganz schön
Ich bin heute ganz schön erschrocken
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf meiner
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf meiner Schulter
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf meiner Schulter landete.

Praxisbeispiel 3: Konzentrationsübungen für Kinder

Der 6-jährige Paul schaut sich mit 3 gleichaltrigen Kindern und seiner Erzieherin ein Buch über das Weltall an. Darin werden in kindgerechter Weise die Planeten beschrieben. Paul betrachtet die Tür des Gruppenraumes und beobachtet, wer hereinkommt und wer wieder hinausgeht. Danach versucht Paul, den Schnürsenkel von Leas Schuh so vorsichtig zu öffnen, dass Lea, die neben ihm sitzt, das nicht bemerkt. Vom Buch über das Weltall bekommt Paul nur wenig mit.

Tipp 1: Sorgen Sie für einen Wechsel

Niemand kann sich den ganzen Tag über konzentrieren. Ein Kind im Alter von 5–6 Jahren sollte sich mindestens 15 Minuten intensiv mit einem Spiel oder einer Aufgabe beschäftigen und sich darauf konzentrieren können. Findet ein Kind bei überhaupt keinem Spiel und keinem Anlass zu dieser Konzentration, kann von einer Konzentrationsstörung gesprochen werden.

Bieten Sie den Kindern Ihrer Kita täglich Konzentrations- und Entspannungsphasen an, die abwechseln. Kinder benötigen Ihre Unterstützung. Sie schaffen den Wechsel nicht aus eigener Kraft.

Tipp 2: Schalten Sie Störquellen aus

Bei der Vorschulförderung oder anderen Aufgaben, bei denen sich das Kind konzentrieren muss, sollten Sie zunächst alle möglichen Störquellen ausschalten,
z. B. folgendermaßen:

  •  Schließen Sie die Fenster.
  • Gehen Sie mit einer Kleingruppe von Kindern in einen separaten Raum.
  • Schalten Sie das Telefon aus, oder bitten Sie einen Mitarbeiter, den Telefondienst zu übernehmen.
  • Bitten Sie Ihre Kollegen, sich in dieser Zeit um Eltern zu kümmern.
  • Bitten Sie die Kinder, nicht durcheinander-, sondern nacheinander zu sprechen.

Tipp 3: Pausen verhelfen Kindern zur Konzentrationssteigerung

Überfordern Sie die Kinder nicht. Wenn Sie bemerken, dass die Aufmerksamkeit einzelner Kinder nachlässt, sollten Sie ihnen eine Pause ankündigen.

Allein die Erwartung einer Pause wirkt noch einmal leistungssteigernd. In der Pause bieten Sie den Kindern gegenteilige Betätigungen an, z. B. ein Bewegungsspiel oder eine Stilleübung.

Überblick: Möglichkeiten zur Förderung der Konzentration bei Kindern

Mehr Konzentration durch …

1. Wechsel von Ruhe und Aktivität

  •  Gespräche
  •  Bewegung
  • Freies Spiel
  • Ruhige Buchbetrachtung

2. Ausschalten von Störquellen

  •  Bei Beschäftigungen ruhigen Raum nutzen
  • Berieselung durch Musik oder CD-Player abstellen
  • Für Gesprächskultur sorgen: nicht durcheinander-, sondern nacheinander sprechen
  • Rollos herunterlassen

3. Pausen und gegenteilige Betätigung

  • Purzelbäume
  • Kopfstand in der Zimmerecke
  • Rennen an der frischen Luft
  • Stilleübungen
  • Lüften
  • Wasser trinken

Fazit: Konzentrationsübungen für Kinder

Konzentration und Ausdauer sind Fähigkeiten, die besonders in der Schule immer wichtiger werden. Beginnen Sie deshalb bereits in der Kita damit, die Konzentrationsfähigkeit der Kinder zu stärken und sie schrittweise zu erhöhen. Die oben aufgeführten Praxisbeispiele sollten die Kinder bestmöglich fördern und ihre Konzentrationsfähigkeit stärken.


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