Diese Anti-Aggressionsspiele helfen, Wut und Frust abzubauen


03.04.2017
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In jeder Kita gibt es sie: Kinder, die häufiger als andere in Streit geraten und die Konflikte mit Fäusten austragen. Solche Kinder haben es nicht gelernt, über ihre eigenen Bedürfnisse zu sprechen. Bereits das Einschätzen eigener Emotionen, wie Wut, Trauer und Frustration, fällt diesen Kindern enorm schwer. Für Sie als Erzieher ist das keine einfache Situation.

 

 

Doch es gibt Lösungen: Wir zeigen Ihnen, bei welchen Spielen diese Kindern ihre Aggressionen wunderbar abbauen können. So läuft der Kita-Alltag störungsfreier und die kleinen Wüteriche integrieren sich besser.

Praxisbeispiel: Ludger und Sinan spielen miteinander Fußball. Nach 5 Minuten Spielzeit tritt Sinan Ludger ans Schienbein, der schreit vor Schmerz auf und ist abgelenkt. In genau diesem Moment zielt Sinan aufs Tor und es steht 1:0. Sofort gehen die beiden Jungen aufeinander los. Sie beleidigen sich verbal. Kurze Zeit später ruft Sinan „Loser“ und nun legt Ludger los. Er stürzt sich auf Sinan und schlägt ihm mitten ins Gesicht.

So gehen Sie vor: In einem solchen Fall müssen Sie natürlich schnell reagieren und die beiden Streithähne trennen. Doch langfristig ist dies keine Lösung, die dauerhaft Frieden schafft: erst einzugreifen, wenn eine Schlägerei ausgebrochen ist. Sie sollten präventiv vorgehen. Die Anti-Aggressionsspiele helfen Ihnen dabei.

Spiel: Begleitetes Schimpfen

Die Kinder bilden 2 Gruppen. Jede Gruppe denkt sich 2 Minuten lang Beleidigungen aus. Sie können vorher ein Konflikt-Thema festlegen, z. B. Körperteile oder Eigenschaften. Kinder stellen sich paarweise gegenüber. Die eine Gruppe darf nun aus vollem Hals die andere Gruppe beschimpfen. Wichtig: Die Kinder dürfen schimpfen, sich jedoch nicht persönlich angreifen, nicht verletzen oder beleidigen. Greifen Sie sofort korrigierend ein, wenn Kinder sich nicht an diese Regel halten.

Die Kinder rufen z. B.: „Kartoffelnasen, Blumenkohlohren, Schrumpfarme, dürre Füße!“ Nach einer Minute ist die andere Gruppe mit Schimpfen dran. Die Beschimpften müssen alles über sich ergehen lassen, ohne zu antworten. Danach schimpfen beide Gruppen für eine Minute gleichzeitig los. Am Ende umarmen sich alle gegenseitig. Das werden die Kinder als sehr erleichternd empfinden.

Spiel: Fairer Zweikampf

2 Kinder stehen sich gegenüber. Jedes Kind erhält 2 Esslöffel. Auf einen der Esslöffel muss jedes Kind einen Radiergummi legen. Nun dürfen die Kinder mit dem leeren Löffel fechten. Dabei darf das andere Kind nur am Löffel, jedoch nicht am Körper berührt werden.
Der Radiergummi darf bei diesem Spiel nicht herunterfallen. Wessen Radiergummi länger am Löffel bleibt, der hat gewonnen.

Spiel: Hahnenkampf

2 Kinder stellen sich einander gegenüber. Sie stehen aufrecht und verschränken die Arme vor ihrer Brust. Nun stellt sich jedes Kind auf ein Bein. Beide Kinder dürfen jetzt durch Stoßen mit dem Oberkörper versuchen, den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Arme bleiben dabei vor dem Oberkörper verschränkt. Wer am längsten auf einem Bein stehen bleibt, hat gewonnen.

Spiel: Noodle-Rangelei

Jedes Kind darf sich eine Noodle und einen Partner aussuchen. Auf das Kommando des Erziehers schlagen die Kinder mit Wucht gegenseitig gegen die Noodle des anderen.

Jedes Kind darf „stopp!“ sagen, wenn es aufhören möchte. Beim Stopp-Kommando des Erziehers müssen beide Kinder innehalten.

Wichtigste Regel: Die Kinder dürfen nur die Noodles zum Kampf einsetzen, nicht die Arme.

Variante: Wenn der Kampf der beiden Kinder gut geklappt hat, schlagen Sie vor, dass jeder gegen jeden antritt. Auch hierbei ist es besonders wichtig, dass die Kinder nur mit und gegen die Noodles schlagen, nicht aber die Hände gegeneinander einsetzen.

Fazit

Einigen Kindern fällt es schwer, mit Emotionen und Frustrationen zurechtzukommen. Ihnen helfen diese Anti-Aggressionsspiele. Sie können damit ihre angestauten Gefühle ausleben und so im Kita-Alltag besser integriert werden. Alle beschriebenen Spiele setzen Sie am besten präventiv ein.
Jedes der beschriebenen Spiel können Sie mit allen Kindern Ihrer Kita durchführen, auch mit solchen, die keine Probleme mit ihrer Frustrationsgrenze haben. Von ihnen können die betroffenen Kinder vieles lernen.

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