7 Regeln für die alltagsintegrierte Sprachförderung


29.02.2016
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Es gibt Regeln für die Kommunikation im Alltag, die die Umsetzung einer alltagsintegrierten Sprachförderung auch in Ihrer Kita unterstützen können. Für die Umsetzung dieser Regeln benötigen Sie wenig zusätzliches Know-how. Das Problem ist, im Kita-Alltag die Sprachförderung zu integrieren, auch wenn es hektisch ist.

 

Regel 1 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung: Wir kommunizieren auf Augenhöhe

Diese Regel für eine gelungene Sprachförderung sollte in Ihrer Kita in 2-facher Hinsicht Gültigkeit haben: Zum einen ist damit gemeint, dass Kinder und Erwachsene sich gegenseitig ins Gesicht sehen können, wenn sie miteinander sprechen. Zum anderen bedeutet es, dass die Kinder gleichberechtigte Gesprächspartner sind. Das, was sie sagen, ist genauso wichtig wie das, was die Erwachsenen sagen.

Für die Kinder in Ihrer Kita ist es wichtig, das Gesicht ihres Gesprächspartners beim Sprechen beobachten zu können. Sie beobachten die Mundbewegungen und verstehen das Gesagte so besser. Und sie beobachten den Gesichtsausdruck. So können sie die Gefühlslage ihres Gesprächspartners besser einschätzen. Die physische Augenhöhe unterstützt aber auch, dass sich die Kinder ernst genommen fühlen. Kein Kind möchte, dass Sie „von oben herab“ mit ihm sprechen. Der Größenunterschied ist durchaus geeignet, auch unterschiedliche Machtverhältnisse zu symbolisieren.

 

Regel 2 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung: Wir begleiten unser Handeln sprachlich

Kinder lernen Sprache spielerisch: durch das Vorbild der Erwachsenen und durch Wiederholung. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre Handlungen sprachlich kommentieren. Das bietet den Kindern die Möglichkeit, durch Wiederholung zu verstehen, wie Gegenstände und Handlungen benannt werden. Es gibt bestimmte Situationen, die sich besonders dafür eignen, durch die sprachliche Begleitung mit den Kindern in Kommunikation zu kommen und so die Sprachförderung unterstützen. Dazu zählen die Essenssituationen, Situationen, bei denen Sie den Kindern beim An- und Umziehen behilflich sind, und die Wickelsituationen.

 

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Regel 3 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung: Wir regen Kommunikation durch Fragen an

Die eigenen Handlungen zu kommentieren bietet den Kindern die Möglichkeit zu lernen, wie Handlungen und Gegenstände sprachlich benannt werden, und sich an Ihrem sprachlichen Vorbild zu orientieren. Sprachförderung im Alltag bedingt aber auch, dass Sie die Kinder dazu anregen, sich selbst sprachlich zu äußern. Das lässt sich sehr gut dadurch umsetzen, dass Sie den Kindern Fragen stellen. Durch Fragen eröffnen Sie den Kindern die Möglichkeit, auch ihr Handeln sprachlich zu kommentieren. Auch für diese Art der Sprachförderung bieten sich im Alltag vielfältige Anlässe. Besonders gut geeignet sind natürlich Situationen wie der Morgenkreis oder eine Kinderkonferenz. Hier sind die Kinder beieinander, und Fragen wie: „Was möchtet ihr nachher gerne machen?“, oder: „Was habt ihr am Wochenende erlebt?“, geben allen Kindern die Möglichkeit, sich zu äußern und ihre Wünsche zu formulieren.

 

Regel 4 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung: Wir passen unsere Kommunikation der Entwicklung der Kinder an

Die Kinder entwickeln ihre sprachlichen Kompetenzen während der Zeit, in der sie Ihre Kita besuchen. Sie beginnen damit, einzelne Laute von sich zu geben. Danach erwerben sie die Fähigkeit, einzelne Worte zu sprechen, die von Ihnen als solche erkannt werden können. Die Entwicklung schreitet dann über 2-Wort-Sätze fort, bis die Kinder in der Lage sind, ganze Sätze zu formulieren. Sie müssen Ihre Kommunikation dem Entwicklungsstand der Kinder anpassen um die Sprachförderung optimal umzusetzen. Sprechen Sie in einfachen Sätzen mit den Kindern.

 

Regel 5 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung:: Wir lesen, reimen und singen mit den Kindern

Für Ihr Konzept der Sprachförderung im Alltag sind Singen, Reimen und Vorlesen wichtige Säulen. Vorlesen sollte ein wichtiger Aspekt Ihres Kita-Alltags sein. Bieten Sie Ihren Kindern immer wieder Geschichten an. Auch die Geschichten, die Sie vorlesen, sollten den sprachlichen Fähigkeiten der Kinder angepasst sein.

Neben dem Vorlesen ist auch das Erzählen von Geschichten eine Möglichkeit, den Kindern sprachliche Anregungen zu bieten. Reime oder Lieder lassen sich sehr gut in den Alltag der Kita integrieren. Viele Rituale lassen sich durch Reime oder Lieder gestalten. So ist es in vielen Kitas üblich, dass vor dem gemeinsamen Essen ein gemeinsamer Tischspruch in Reimform gesprochen wird.

Vorlesen, Reimen und Singen sind faktisch in allen Kitas bereits in den Alltag integriert. Es geht um die Intensität. Im Sinne der Sprachförderung im Alltag werden Sie den Einsatz dieser Angebote verstärken, um zusätzliche Sprachangebote für die Kinder zu schaffen.

 

Regel 6 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung: Wir korrigieren durch Vorbild

Wie alle Menschen, die lernen, machen natürlich auch Kinder beim Spracherwerb Fehler. Sie sprechen Worte nicht korrekt aus, und insbesondere ihre Sätze sind grammatikalisch nicht immer korrekt.

Korrigieren Sie die Kinder nicht explizit. Signalisieren Sie dem Kind, dass Sie verstanden haben, was es Ihnen mitteilen wollte, und geben ihm durch die korrekte Aussprache die Möglichkeit, weiter zu üben. Diese Form der Kommunikation motiviert das Kind, sich weiterhin sprachlich zu äußern, denn es wurde verstanden. Die Kommunikation war aus seiner Sicht also erfolgreich. Ein explizites Korrigieren etwa mit den Worten: „Nein, das ist falsch, das heißt Krokodil“, bewirkt das Gegenteil.

Es macht keinen Sinn, wenn Sie versuchen, den Kindern explizit grammatikalische Regeln beizubringen. Das wird erst in der Schule wichtig. Kinder erlernen Sprache, weil diese ihnen neue Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet. Grammatikalische Korrektheit spielt für sie überhaupt keine Rolle. Denn Sie verstehen die Kinder auch, wenn ihre Sätze grammatikalisch nicht korrekt sind. Kinder lernen diesen Aspekt einfach da durch, dass sie hören, was Sie sagen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie und die Erzieherinnen grammatikalisch korrekt sprechen.

 

Regel 7 für eine alltagsintegrierte Sprachförderung: Wir arbeiten eng mit den Eltern zusammen

Sie und die Erzieherinnen haben den Auftrag, die Sprachentwicklung der Kinder zu unterstützen. Sie tun dies in einem professionellen Umfeld auf der Basis Ihres pädagogischen Konzeptes. Aber selbstverständlich haben die Eltern einen noch größeren Einfl uss auf die Sprachentwicklung ihrer Kinder. Sie sind die primären Bezugspersonen der Kinder, und ihr Beitrag ist besonders wichtig.

Deshalb sollten Sie die Eltern in die Sprachförderung im Alltag einbinden. Sensibilisieren Sie sie dafür, wie sie die sprachliche Entwicklung ihres Kindes fördern können. Die 7 Regeln für die Kommunikation, die in Ihrer Einrichtung gelten, sind auch für die Eltern eine gute Richtschnur.

Wichtig ist es, dass Sie Eltern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, die Angst nehmen, dass ihr Kind dadurch einen Nachteil hat. Bitten Sie Eltern, die die deutsche Sprache selbst nicht gut beherrschen, mit ihrem Kind in ihrer Muttersprache zu sprechen. Die Angst, dass sie es ihrem Kind dadurch erschweren, die deutsche Sprache zu erlernen, ist unbegründet.

Kinder, die zweisprachig aufwachsen, haben dadurch in der Regel keinen Nachteil. Sie lernen beide Sprachen, wobei der Spracherwerb insgesamt etwas länger dauern kann. Wichtig ist dabei, dass die Kinder in beiden Sprachen eine ausreichende sprachliche Anregung bekommen

Für Sie bedeutet das, dass Sie diesen Kindern im Kontext der Sprachentwicklung besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen sollten. Gerade sie benötigen im Alltag der Kita vielfältige sprachliche Anregungen. Denn zu Hause erhalten sie die Anregung in einer anderen Sprache.

 

Dokumentieren Sie die Sprachentwicklung

Das Konzept der Sprachförderung im Alltag bietet allen Kindern eine Förderung ihrer sprachlichen Entwicklung durch vielfältige Anregung. Sie sollten die sprachliche Entwicklung der Kinder dokumentieren. Zumeist geschieht dies bereits im Rahmen standardisierter Beobachtungsverfahren. Da diese Verfahren jedoch in aller Regel in großen Abständen – zumeist einmal jährlich – zur Anwendung kommen, benötigen Sie zusätzlich ein unaufwendiges Dokumentationsverfahren der Sprachentwicklung für den Alltag. Legen Sie beispielsweise für jedes Kind ein kleines Heft an, in dem Sie wichtige Punkte der Sprachentwicklung dokumentieren – beginnend mit den ersten Worten. Notieren Sie kurz, wenn das Kind neue Worte lernt. Im weiteren Verlauf können Sie den Umfang des Wortschatzes des Kindes dokumentieren oder wann es seine ersten vollständigen Sätze spricht.

 

Arbeiten Sie neue Mitarbeiterinnen in das Konzept der Sprachförderung ein

Damit sich neue Mitarbeiterinnen gut in das Konzept der Sprachförderung im Alltag einarbeiten können, sollten Sie die Regeln und Vorgehensweisen in Ihr Qualitätsmanagementhandbuch aufnehmen. Die Grundlagen haben Sie bereits beschrieben. Ergänzend sollten Sie in Ihrem QM-Handbuch auch beschreiben, wie Sie die Sprachförderung im Alltag umsetzen.

 

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Das sagen unsere Leser

Ich bin von „Praxisgestaltung in der Kita“ begeistert. Der Dienst ist für mich eine riesen Arbeitserleichterung.

Frauke Schmidt, Flensburg


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