Geschichte für den Kindergarten: Julia wird eine Indianerprinzessin


10.06.2016

Es geht doch nichts über ein schönes Märchen. Nachfolgend finden Sie eine schöne Geschichte über Julia, die Indianerprinzessin, die Sie Ihren Kindern im Kindergarten vorlesen können.

 

Seit Julia die Einladung von Tom bekommen hatte, war sie ganz aufgeregt. Tom wollte eine Geburtstags-Faschingsparty geben und alle Kinder sollten als Indianer verkleidet kommen.

Eigentlich fand Julia das Motto blöd. Sie wäre lieber als Prinzessin gegangen und hatte sich schon ausgemalt, welche Farbe das Kleid haben sollte. Ja, sie hatte sogar schon „ihr Kleid“ in einem Geschäft gesehen, mit vielen Rüschen und Glitzersteinen auf dem Kragen. Eine Krone im Haar verstand sich ja von selbst. Wenn Julia so recht darüber nachdachte, wäre sie schon letztes Jahr lieber als Prinzessin gegangen. Aber in der Schule gab es nur eine Gespensterparty, und Tom hatte letztes Jahr seinen Geburtstag als Unterwasserfest geplant. Leider hatte er dann, 2 Tage vor seinem Geburtstag, die Windpocken bekommen, die halbe Klasse damit angesteckt und die Party fiel natürlich aus. Und nun musste er sich so ein blödes Motto aussuchen, das natürlich besonders den Jungen gefiel.

 

Julia hätte sich lieber als Prinzessin verkleidet

Julia war sich sicher: Wenn sie in der Faschingszeit Geburtstag hätte, dann würde sie jedes Jahr ein königliches Fest geben, wo nur Prinzessinnen zugelassen würden. Aber leider hatte Julia im Mai Geburtstag und da feiert man keine Kostümfeste, hatte ihre Mutter ihr gesagt. Also musste sie nun überlegen, wie sie eine einigermaßen schöne Indianerin werden würde. Nachdem sie so gar keine Idee hatte, was sich für eine Squaw eignet, fragte sie ihre Mutter um Rat.

 

 

Julias Mutter hatte keine Zeit

Die hatte allerdings mal wieder gar keine Zeit, da sie sich rund um die Uhr um Julias neues Brüderchen Tim kümmern musste. Tim war gerade erst 4 Wochen alt, und Julia fand ihn eigentlich ganz süß. Nur leider schrie er sehr häufig, besonders nachts, und Julias Mutter hatte dadurch kaum noch Zeit für sie. Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn Eltern sehr beschäftigt sind und nicht alles mitbekommen, was ihre Kinder so treiben, aber jetzt brauchte Julia die Hilfe ihrer Mutter.

 

Auf dem Dachboden lagern die Faschingskostüme

Die rief aber nur aus der Küche: „Geh doch hoch auf den Dachboden – da steht eine alte Holztruhe mit allen Faschingskostümen, die wir haben!“ Also stiefelte Julia die Treppen zum Dachboden hinauf, auf dem sie sich immer ein bisschen fürchtete. Die Lampe leuchtete so schwach, dass die Ecken dunkel blieben. Die Schatten an der Wand sahen dann so unheimlich aus, dass Julia nie wusste, ob sich hier oben nicht doch irgendwelche finsteren Gestalten aufhielten. Tja, aber wer Indianer werden wollte, musste wohl als Erstes den Mut aufbringen, auf den Dachboden zu gehen, um in der Truhe nach Kostümen zu suchen. Erstmal musste Julia ein paar alte Schachteln von der Truhe räumen. Dabei wirbelte sie so viel Staub auf, dass sie kräftig niesen musste. Sie hoffte nur, dass sie keine Spinnen aus ihren Träumen gerissen hatte, denn mit diesen Tieren stand Julia auf Kriegsfuß, was schon fast nach einer echten Indianerin klang. Ganz oben in der Truhe lag ein Marienkäferumhang, der Julia längst zu klein war. Das letzte Mal, als sie den Umhang anhatte, war sie gerade in den Kindergarten gekommen. Vielleicht würde sie den ihrem Bruder vererben, der sähe sicher süß darin aus. Darunter befand sich ein Clownskostüm, das sich auch nach langem Hin- und Herdrehen nicht als Indianerkostüm eignete.

 

Das Prinzessinnenkleid

Und dann stieß Julia auf ein Prinzessinnenkleid, das sie letztes Jahr von ihrer Cousine Mandy bekommen hatte. Es hatte zwar keine Glitzersteine auf dem Kragen, aber es war trotzdem sehr schön. Mandy hatte damals gesagt: „Das kannst du haben – ich bin aus dem Alter raus.“ Julia zog das Kleid über ihre blaue, schon leicht abgewetzte Jogginghose und tanzte durch den Raum. Dabei winkte sie einem ausrangierten Teddybären zu, der aussah, als verbeugte er sich vor ihr. Zum Schluss machte sie einen formvollendeten Hofknicks. Noch im Prinzessinnenkleid durchstöberte Julia die Kiste bis auf den Grund und fand nichts Passendes für eine Indianerin.

 

Julia weint dicke Königinnentränen

Traurig und in einem staubigen Prinzessinnenkleid ging sie auf ihr Zimmer und weinte dicke Königinnentränen.

Auf einmal klopfte es an ihrer Zimmertür, und nach kurzem Zögern trat ihre Mutter ein. Sie hatte statt Julias Bruder ein altes Bettlaken auf dem Arm und setzte sich zu Julia auf das Bett.

„Komm Prinzessin“, sagte sie. „Wir machen aus dir jetzt die schönste Indianersquaw, die eine Party je gesehen hat.“ Und für den Rest des Tages schnitten, malten und nähten sie ein wirklich schönes Kostüm. Julia war am Abend so richtig müde, aber auch sehr glücklich. Das Indianerkostüm, das fast ein bisschen wie das Kleid einer Prinzessin aussah, war aber nicht der einzige Grund, warum sich Julia so freute. Es machte sie besonders glücklich, dass sich ihre Mutter so viel Zeit für sie genommen hatte. Als Julias Mutter am Abend in ihr Zimmer kam, um gute Nacht zu sagen, flüsterte Julia ihr ins Ohr: „Danke für das schöne Kostüm! Und übrigens liegt oben mein alter Marienkäferumhang. Der würde Tim doch sicher gut stehen.“ Die Mutter gab Julia einen dicken Kuss. Julia schlief sofort ein und träumte von einer Prinzessin, die von Indianern aus der Hand von bösen Räubern gerettet wurde und fortan bei ihnen lebte. ?


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