9 bewährte Tipps, die im Spiel die Sprachentwicklung der Kinder fördern


29.01.2018

In Ihrem Kita-Alltag gibt es unzählige kleine Momente, bei denen Sie die Sprachentwicklung der Kinder durch Dialoge fördern können. Wie Sie die nachfolgenden 9 Tipps ganz einfach in Spielsituationen umsetzen, erfahren Sie in diesem Beitrag. Vieles wird für Sie selbstverständlich sein, geht oftmals in stressigen Situationen jedoch unter, wie Ihnen die gegenteiligen Beispiele verdeutlichen.

1. Tipp: Geben Sie den Kindern Zeit

Kinder brauchen oftmals länger, um das Gesagte zu verarbeiten. Bieten Sie ihnen diese Zeit. Warten Sie die Antwort des Kindes ab. Hierzu gehören auch nonverbale Reaktionen, die Sie wiederum in Worte kleiden können. Auch ein Kontakt, den Sie erzwingen oder an dem das Kind keine Freude hat, regt nicht zum Sprechen an.

Praxisbeispiel: Sie sitzen mit ein paar Kindern am Frühstückstisch. Der 3-jährige Jan kommt auf Sie zu. Bevor er am Tisch angekommen ist, bleibt er stehen. Sie schauen zu ihm herüber und sprechen ihn freundlich an: „Hallo, Jan, möchtest du mit uns frühstücken?“ Jan bleibt reglos stehen und sagt kein Wort. Sie warten ab und geben Jan die Zeit, selbst aktiv zu werden. Denn Sie wissen, dass Kinder manchmal eine längere Verarbeitungszeit benötigen. Dabei beobachten Sie ihn. Sie sehen genau, dass er ebenfalls die Situation beobachtet und intensiv nachdenkt. Anschließend setzt er sich auf den freien Stuhl. Er schaut Sie an und sagt: „Ich musste erst überlegen, ob ich schon Hunger habe.“ Sie treten daraufhin mit Jan in einen Dialog über sein Hungergefühl und seine Körperwahrnehmung.

Geben Sie dem Kind die Chance, selbst aktiv zu werden. Zeigen Sie sich flexibel bei Ihren Handlungen und achten Sie auf die Stimmung der Kinder.

Das Gegenteil wäre: Nachdem Jan nicht reagiert hat, gehen Sie auf ihn zu. Sie nehmen den Jungen an die Hand und sagen: „Du hast noch nicht gefrühstückt. Nun ist es aber Zeit. Komm, setze dich auf diesen Stuhl. Da hast du etwas zu trinken und pack dein Essen aus.“ So wird zwar viel gesprochen, aber es entsteht kein Dialog. Der Junge hat keine Zeit, eigene Gedanken und Wünsche zu äußern.

2. Tipp: Bemerken Sie die Handlungen der Kinder

Beobachten Sie das Kind. Was macht es oder wo schaut es hin? Achten Sie auch auf kleinste Initiativen. So sehen Sie, wofür sich das Kind interessiert. Das greifen Sie dann sprachlich auf, indem Sie beispielsweise fragen: „Schaust du Anna beim Spielen zu?“ Warten Sie in Ruhe die Reaktion des Kindes ab.

Praxisbeispiel: Sie sitzen mit Tina auf dem Boden und machen ein Puzzle. Plötzlich wendet Tina ihren Kopf zu Peter, der in ein paar Metern Entfernung mit Autos spielt. Tina beobachtet den Jungen intensiv. Sie sagen: „Tina, schaust du Peter zu, wie er mit den Autos spielt?“ Tina wendet sich Ihnen zu und sagt: „Ja, das gleiche Auto hat mein Bruder auch.“ Sie sprechen noch eine Weile über die Autos von Tinas Bruder, bevor Sie gemeinsam weiterpuzzeln.

Das Gegenteil wäre: Sie bemerken, dass Tina mit ihren Gedanken ganz woanders ist und zu Peter hinüberstarrt. Sie ermahnen das Mädchen: „Tina, wir puzzeln gerade. Wenn du das Puzzle fertig hast, kannst du mit Peter spielen.“ So kommt kein Dialog zustande.

3. Tipp: Drücken Sie aus, was das Kind tut

Wenn das Kind mit einer Aktivität beschäftigt ist, drücken Sie das wertfrei aus. Beispielsweise fährt ein Kind mit Autos über den Boden. Sie sagen: „Du fährst mit Autos über den Boden.“ So nimmt das Kind seine Handlungen besser wahr. Sie bieten ihm Worte für seine Tätigkeiten. Diese Wörter und auch die Satzlänge passen Sie selbstverständlich dem Alter und Sprachentwicklungsstand jedes Kindes an. Hierdurch erweitern und festigen Sie den Wortschatz des Kindes.

Praxisbeispiel: Sabine spielt in der Puppenecke am Herd. Sie „kocht“ Nudeln. Sie kommentieren: „Sabine, du rührst im Topf herum. Nun fügst du ein paar Nudeln hinzu und rührst weiter.“ Sie bewerten die Tätigkeiten von Sabine nicht, sondern Sie kommentieren diese. Dadurch bieten Sie dem Kind Begriffe an, die sein Handeln beschreiben, und es kann dabei im Spiel bleiben.

Das Gegenteil wäre: Sie spielen mit in der Puppenecke und decken in der Zeit wortlos den Tisch in der Puppenecke.

4. Tipp: Verbalisieren Sie Gefühle

Nur wenn Kinder ihre Gefühle wahrnehmen, können sie diese auch in Worte fassen. Hierdurch erlangen sie die Fähigkeit, Konflikte besser zu lösen. Ihre Freude können sie nicht nur körperlich, sondern auch verbal ausdrücken und so andere Menschen an ihren Emotionen teilhaben lassen.

Wenn ein Kind durch sein Verhalten, seine Mimik, seine Gestik oder Laute Gefühle zeigt, drücken Sie diese Gefühle sprachlich aus. Sagen Sie, was Sie beim Kind wahrnehmen.

Praxisbeispiel: Ingo verzieht sein Gesicht, weil mehrere interessierte Eltern die Kita besichtigen und den Gruppenraum betreten. Sie sagen: „Du schaust ängstlich.“ Der Junge kommt daraufhin zu Ihnen und kuschelt sich an Ihren Körper. Er sagt nichts und Sie erklären ihm, dass die Menschen sich die Gruppe anschauen möchten, weil ihr Kind auch bald in die Kita kommt. Dann taut Ingo auf und schaut den Besuchern interessiert zu. Er stellt viele Fragen, die Sie geduldig beantworten.

Das Gegenteil wäre: Sie sagen: „Du musst doch keine Angst haben.“ Der Junge dreht sich um und geht in einen Spielbereich, wo er unbeobachtet ist.

5. Tipp: Wiederholen Sie Laute und Wörter

Damit die Kinder wissen, dass Sie sie wahrnehmen, sollten Sie die Laute und Wörter des Kindes wiederholen. Bei U3-Kindern, die nur Laute von sich geben, wiederholen Sie diese Laute. Brabbelt ein Kind „gagagaga“, wiederholen Sie „gagagaga“.

So bekommt das Kind Lust, noch mehr Laute von sich zu geben. Es trainiert wichtige Fähigkeiten für die Artikulation. Kinder, die Laute von sich geben, sind für andere Kinder interessanter. Da Kinder voneinander lernen, hat es durch den Kontakt zu anderen Kindern mehr Lernmöglichkeiten.

Praxisbeispiel: Die 1-jährige Lara spricht noch nicht. Sie sagt: „Da da da.“ Sie wiederholen das „da da da“. Daraufhin fühlt Lara sich gehört und motiviert weiterzusprechen. Sie gibt noch weitere Laute von sich, die Sie alle wiederholen. Es entsteht zwischen Ihnen und dem Kind ein Dialog aus Lauten.

So fördern Sie die Grundfertigkeiten für die Sprache. Das Kind lernt die Regeln der Kommunikation: Ein Mensch sagt etwas, der andere hört zu und spricht anschließend. Es trainiert seine gesamte Mundmuskulatur, die für eine gute Aussprache notwendig ist.

Das Gegenteil wäre: Sie schauen das Kind an und gehen nicht weiter auf die Laute ein. (Insgeheim denken Sie: „Es wird langsam mal Zeit, dass das Mädchen sprechen lernt.“)

6. Tipp: Loben Sie Leistungen

Wenn ein Kind etwas mit großer Mühe gemacht hat, loben Sie es. Sprechen Sie mit lebendiger Stimme: So drücken Sie Ihre Wertschätzung für die Leistung des Kindes aus. Das regt das Kind nicht nur zu weiteren Leistungen, sondern auch zu sprachlichen Äußerungen an.

Praxisbeispiel: Adrian kommt mit einem Bild auf Sie zugelaufen und hält es Ihnen hin. Sie sagen mit erfreuter Stimme: „Oh! Du hast dir viel Mühe gegeben, das Bild so farbenfroh zu malen.“ Adrian strahlt über das ganze Gesicht und sagt: „Ich habe ein rotes Auto gemalt. Es kann gaaaaannnnzzz schnell fahren. Dort ist eine Sonne und da habe ich einen großen grünen Baum gemalt. Es hängen ganz viele dicke Äpfel am Baum. Sie sind bald reif.“ Sie fragen interessiert nach anderen Details, die Sie auf dem Bild entdecken. Adrian fragt Sie: „Soll ich dir auch so ein schönes Bild malen?“ Sie sagen: „Ja, darüber würde ich mich sehr freuen.“

Ein gewinnbringender Dialog ist zwischen dem Jungen und Ihnen entstanden. Er hat viele Adjektive verwendet, um sein Bild zu beschreiben.

Das Gegenteil wäre: Adrian kommt mit dem Bild zu Ihnen gelaufen. Sie kommentieren es mit einem „schön“. Der Junge geht daraufhin zu seiner Kita-Tasche und packt das Bild ein.

7. Tipp: Sprechen Sie über die Handlungen Ihrer Kinder

Wenn ein Kind ein anderes beobachtet, verbalisieren Sie die Handlungen. So versteht das Kind die Handlungen des anderen Kindes. Das sind wichtige Voraussetzungen, damit das Kind seine Beobachtungen und auch eigene Handlungen sprachlich ausdrücken kann.

Praxisbeispiel: Anna steht am Rand der Puppenecke und beobachtet schon eine ganze Weile interessiert Luise. Sie kommen hinzu und erklären Anna: „Schau, Luise spielt mit der Puppe. Sie kocht ihr Gemüse zum Essen.“ Anna sagt: „Ich mag auch gerne Gemüse mit Fischstäbchen. Luise muss noch Fischstäbchen braten.“ Dann geht sie zum Schrank in der Puppenecke und holt eine Pfanne und Fischstäbchen raus. Sie wendet sich an Luise: „Ich brate Fischstäbchen. Wenn die fertig sind, können wir gemeinsam essen.“

Durch Ihre sprachliche Begleitung hat Anna die Handlung von Luise zu ihren Beobachtungen auch noch erklärt bekommen. Sie hat ihre Erfahrungen dazu verbal ausgedrückt. Danach sind ein Spiel und ein weiterer Dialog mit Luise entstanden.

Das Gegenteil wäre: Sie sehen, dass Anna schon eine ganze Weile interessiert am Rand der Puppenecke steht. Sie sagen: „Komm, Anna, such dir was zum Spielen.“ Anna geht daraufhin zum Schrank und nimmt sich ein Puzzle, mit dem sie allein spielt.

8. Tipp: Beschreiben Sie die Gefühle eines anderen Kindes

Verbalisieren Sie nicht nur die Gefühle, die das Kind selbst wahrnimmt, sondern auch die Gefühle anderer Kinder. So lernt das Kind, Mimik und Verhalten besser zu erkennen und die Gefühle anderer Menschen sprachlich zu beschreiben.

Praxisbeispiel: Die 2-jährige Orla beobachtet Sofia, die weint. Sie sagen zu Orla: „Sofia ist traurig. Sie hat ihren Teddy zu Hause vergessen.“ Orla holt daraufhin ihren eigenen Teddy und gibt ihn Sofia. Diese weist ihn von sich. Sie sagen: „Sofia möchte deinen Teddy nicht haben. Sie möchte nur ihren eigenen Teddy haben.“ Daraufhin streichelt Orla Sofia über den Kopf. Sie fängt an, einen Trostvers zu sprechen, den sie von ihrer Mutter kennt.

Dadurch, dass Sie die Gefühle verbalisiert haben, hat Orla Einfühlungsvermögen gezeigt. Sie hat Sofia durch Gesten und auch durch Worte getröstet.

Das Gegenteil wäre: Sie sagen zu Orla: „Orla, nun lass mal Sofia in Ruhe.“

9. Tipp: Stellen Sie den Kindern Fragen

Stellen Sie den Kindern viele Fragen. Damit regen Sie die Kinder zum Sprechen an. Sie zeigen Ihr Interesse. Die Kinder fühlen sich kompetent und wertgeschätzt. Stellen Sie offene Fragen, anstatt den Kindern Inhalte vorzugeben. Regen Sie durch Fragen die Kinder an, eigene Gedanken zu entwickeln.

Praxisbeispiel: Die Kinder schauen aus dem Fenster und beobachten eine Baustelle vor der Kita. Sie setzen sich zu den Kindern und fragen: „Was macht der Bagger?“ Die Kinder erzählen begeistert: „Der Bagger buddelt ein großes Loch. Ein anderer Bagger bringt Rohre zu dem Loch. Die Bauarbeiter helfen dabei, die Rohre in das Loch zu legen, und dann sprühen ganz viele Funken.“ Sie fragen: „Warum sprühen denn die Funken?“ Die Kinder überlegen eine Weile. Dann erzählt ein Junge: „Bei meinem Papa habe ich das auch mal gesehen, als er unser Auto repariert hat.“

Das Gegenteil wäre: Sie sind glücklich, dass die Kinder mit so viel Interesse die Baustelle beobachten. Sie setzen sich zu Ihrer Kollegin an einen Tisch und unterhalten sich mit ihr über die kommende Dienstbesprechung.

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