Die Grundprinzipien der Sprachförderung im Alltag


08.06.2018

Zur Sprachförderung im Alltag sind in der Regel keine aufwendigen Sprachprogramme notwendig. Denn der Spracherwerb von Kindern geschieht überwiegend im Alltag durch die Interaktion mit Erwachsenen und anderen Kindern. Die wesentlichen Phasen des Spracherwerbs finden im Vorschulalter statt und sind in der Regel mit dem Schuleintritt abgeschlossen.

Daher nehmen Sie und die Eltern eine zentrale Rolle für den Spracherwerb Ihrer Kita-Kinder ein. Worauf Sie bei der Sprachförderung im Alltag unbedingt achten und was Sie vermeiden sollten, lesen Sie in diesem Beitrag.

ei der alltagsintegrierten Sprachförderung geht es in erster Linie darum, die Kinder zur sprachlichen Interaktion anzuregen und mit den Kindern zu kommunizieren. Hierzu ist es wichtig, dass Sie im gesamten Alltag eine sprachförderliche Grundhaltung einnehmen. Durch eine positive und sprachförderliche Grundhaltung sind Sie Sprachvorbild für die Kinder. Denn bedenken Sie immer: Sie fördern bei allen Tätigkeiten, Angeboten und Aktivitäten in der Kita die sprachliche Entwicklung der Kinder. Um Kinder alltagsintegriert in ihrer Sprache zu fördern, sollten Sie die folgenden Grundprinzipien der Kommunikation beachten.

1. Grundprinzip: Suchen Sie die Aufmerksamkeit des Kindes

Achten Sie darauf, dass Sie dicht beim Kind sitzen oder stehen und immer Blickkontakt zu dem Kind haben, am Besten schon bevor Sie anfangen zu sprechen. Hierdurch gewinnen Sie die Aufmerksamkeit des Kindes. Das kann auch dadurch geschehen, dass Sie das Kind mit seinem Namen ansprechen oder es berühren. Sprechen Sie nicht von oben herab mit den Kindern, sondern begegnen Sie ihm auf Augenhöhe. Halten Sie den Blickkontakt während des gesamten Gesprächs.

Durch den Blickkontakt zeigen Sie Interesse am Kind und an der Unterhaltung. Die Kinder sind hierdurch aufmerksamer und fühlen sich wertgeschätzt. Sprechen Sie die Kinder gezielt an. Beispielsweise sagen Sie: „Peter, du räumst die Legosteine auf. Maria räumt die Autos weg.“ Anstatt einfach nur: „Wir räumen jetzt auf.“ Aufträge an alle sind für Kinder meistens zu diffus und werden von einigen Kindern nicht auf sich selbst bezogen.

2. Grundprinzip: Achten Sie auf Ihre eigene Sprache

Grundsätzlich soll Ihre Sprache freundlich und wertschätzend sein. Legen Sie die Betonung auf die wichtigen Satzteile. Sprechen Sie vor allen Dingen langsam und deutlich. Lassen Sie zwischen den einzelnen Satzeinheiten und Sätzen eine kurze Pause. Je jünger die Kinder sind bzw. je geringer ihr Sprachverständnis ist, desto einfacher und kürzer sollten die Sätze sein.

Wichtig: Bei Kindern, die im Elternhaus wenig positive Sprachvorbilder haben, ist es umso wichtiger, dass Sie ein sehr gutes Sprachvorbild sind. Denn Kinder übernehmen die Ausdrucksweise, die Wortwahl und die Artikulation von Bezugspersonen. Achten Sie aus diesem Grund bewusst darauf, kompensierend entgegenzuwirken.

3. Grundprinzip: Achten Sie auf die nichtsprachliche Kommunikation

Je geringer der aktive Wortschatz der Kinder ist, desto mehr nutzen sie die nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten. Hierzu gehören nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch

  • die vorsprachlichen Ausdrucksmittel wie z. B. lallen und brabbeln bei Kleinkindern,
  • die nonverbale Ausdrucksweise wie die Gestik, Mimik und Körpersprache

Gehen Sie unbedingt darauf ein und fassen Sie Ihre Beobachtungen in Wörter zusammen: Sie sehen, dass der 3-jährige Tim vor lauter Freude auf und ab hüpft. Sie gehen auf sein Verhalten ein und sagen: „Tim ich sehe, dass du dich freust. Magst du mir verraten was dir solche Freude bereitet?“ Tim antwortet daraufhin: „Draußen im Garten ist ein ganz bunter Vogel.“ Sie beobachten gemeinsam den Vogel. Andere Kinder kommen sicher noch interessiert hinzu. Gemeinsam unterhalten sie sich noch eine Weile über Vögel.

Sie sprechen über ihr Aussehen, über die Nahrung und viel mehr. Damit haben Sie – ganz nebenbei – einen wichtigen Beitrag zur Sprachförderung geleistet. Nutzen Sie solche Alltagsmomente bewusst. Denn so schaffen Sie wertvolle Sprechanlässe. Achten Sie auch auf Ihre eigene nonverbale Kommunikation.

Setzen Sie Ihre Gestik und Mimik bewusst ein. Diese sollte in der Regel freundlich, aber auch der Situation angemessen sein. Denn es wirkt nicht kongruent und ehrlich, wenn Sie ein Kind loben und dabei böse schauen. Ebenso ist es unpassend, wenn Sie einem Kind sagen: „Ich bin entsetzt darüber, dass …“ und dabei lächeln.

4. Grundprinzip: Werden Sie zu einem Dialogpartner

Gesunde Kinder erlernen eine Sprache wie von selbst. Sie brauchen hierzu Eltern und Erzieherinnen, mit denen sie in Interaktion treten können. Greifen Sie dazu die verbalen und nonverbalen Äußerungen der Kinder auf und treten Sie mit ihnen in einen Dialog. Bieten Sie dabei jedem Kind seinen individuellen Zugang zur Sprache. Das eine Kind spricht beispielsweise gerne, wenn es ein Bilderbuch anschaut. Das nächste liebt Fingerspiele und Lieder und ein anderes fängt beim Wickeln an, viel zu plaudern.

Machen Sie in einem Gespräch Sprechpausen, damit es zu einem wirklichen Dialog kommen kann. Denn ein Dialog wechselt sich zwischen Zuhören und Sprechen ab. Stellen Sie viele offene Fragen, die sich nicht nur mit „Ja“ und „Nein“ beantworten lassen. Lassen Sie den Kindern auch ausreichend Zeit, um eigene Gedanken zu formulieren und auszusprechen. So fördern Sie das Sprechen und Nachdenken über die Gesprächsinhalte.

5. Grundprinzip: Geben Sie eine Rückmeldung

Voraussetzung für eine Rückmeldung, ist das intensive Zuhören. Stellen Sie gezielte Rückfragen: „Wer, wie, warum und was?“ Fassen Sie das Gehörte mit eigenen Worten zusammen. So geben Sie dem Kind eine Rückmeldung über das, was Sie verstanden haben. Nehmen Sie die Bedürfnisse des Kindes wahr und fragen Sie nach seinen Wünschen und Emotionen. Bestätigen Sie die Aussagen der Kinder oder drücken Sie Ihre Zustimmung aus (selbstverständlich nur für Dinge, die Sie gutheißen können).

6. Grundprinzip: Wohlwollender Umgang mit Schwächen und Fehlern

Gehen Sie mit Schwächen und Fehlern wohlwollend um. Gibt es bei einem Kind Verständnisprobleme, sollten Sie den gleichen Satz möglichst nochmals vereinfacht wiederholen. Fehler sollten Sie niemals direkt verbessern oder das Kind darauf hinweisen. Verbessern Sie das Kind nur indirekt. So behält das Kind den Spaß am Sprechen

Wichtig: Eine Sprachbildung, die im pädagogischen Alltag stattfindet, orientiert sich an individuellen Sprachentwicklungsverläufen der Kinder. Sie müssen also die Besonderheiten und Eigenheiten der einzelnen Kinder stets gut im Blick behalten und sich entsprechend auf die Kinder einstellen. Ebenso wichtig ist es, dass zwischen dem Kind und Ihnen eine vertrauensvolle Beziehung besteht. Wenn diese nicht vorhanden ist, dann ist es schwer, intensiv und gut miteinander zu kommunizieren.

7. Grundprinzip: Weniger sprachförderndes Verhalten

Gerade, wenn ein Kind noch nicht oder nicht altersgemäß spricht, verändern manche Erzieherinnen (unbewusst) ihr sprachliches Verhalten. Sie möchten so das Kind zum Sprechen animieren. Folgende Verhaltensweisen, sind zwar gut gemeint, aber nicht unbedingt sprachfördernd. Beispiele dafür sind:

  • „Sag doch mal Puppe?“
  • „Wenn du Apfel sagst, dann bekommst du ihn“
  • so tun, als ob Sie das Kind nicht verstanden hätten
  • bewusstes Vermeiden von Gesten und „Kindersprache“
  • dem Kind das Sprechen abnehmen
  • selbst weniger reden, um das Kind so zu animieren
  • Kinder nachsprechen lassen
  • Fehler des Kindes direkt verbessern.

Fazit

Um die Sprache der Kinder im Alltag zu fördern ist es sehr wichtig, dass Sie auf Ihre eigene Kommunikation achten. Bieten Sie den Kindern viele Sprechanlässe und treten Sie mit ihnen in einen Dialog. Zeigen Sie durch Ihre Gestik, Mimik und Körpersprache Interesse an dem Gespräch. Denn Kinder lernen eine Sprache hauptsächlich durch Interaktion. Jede Bezugsperson nimmt dabei die Rolle eines Sprachvorbilds ein. Dieser Vorbildfunktion sollten Sie sich immer bewusst sein.


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