Fördern Sie die sprachliche Entwicklung der Kinder durch Rollenspiele


31.01.2018

Gerade in Rollenspielsituationen kommunizieren die Kinder viel miteinander. Die Spielsituation lebt und funktioniert nur durch Sprache und Handlungen. Im Rollenspiel trainieren die Kinder sämtliche sprachliche Kompetenzen. Nutzen Sie gezielt Rollenspiele, um die sprachliche Entwicklung der Kinder zu fördern.

Kinder lernen eine Sprache durch die Interaktion mit anderen Menschen, zum Beispiel mit den Kindern in ihrer Kita-Gruppe. Die unterschiedlichen sprachlichen Anregungen, die Kinder durch andere Kinder erfahren, fördern einen reichhaltigen Wortschatz. Zudem lernen Kinder eine Sprache durch aktives Handeln am nachhaltigsten. Das alles erleben Kinder im gemeinsamen Rollenspiel.

Rollenspiele fördern den Wortschatz und die Grammatik

Kinder lernen neue Wörter am nachhaltigsten in einer spielerischen Situation, in der die Information für die Kinder bedeutungsvoll ist. Sie lernen Wörter für Dinge und Ereignisse, an denen sie interessiert sind. Rollenspiele bieten daher die idealen Voraussetzungen, damit die Kinder richtig und facettenreich sprechen lernen. Sie gestalten die Situationen nach eigenen Interessen und lenken durch ihre Sprache und Handlung das Spiel so, dass es für sie interessant bleibt. Dabei hören die Kinder ein Wort in unterschiedlichen Zusammenhängen.

Praxisbeispiel: Jonas (4 Jahre) und Anja (2 Jahre) spielen in der Puppenecke. Jonas holt den Topf aus dem Schrank. Er sagt: „Ich koche Nudeln. Dafür brauchen wir einen Topf.“ Anja erwidert: „Ja, Topf. Mama auch Topfe.“ Jonas sagt zu Anja: „Wir brauchen zwei Töpfe. Einen für die Nudeln und einen für die Soße.“ Anja sagt: „Zwei Topfe holen.“ Daraufhin holt Jonas noch einen Topf aus dem Schrank. Er gibt ihn Anja, die sagt: „Topf für Soße. Ich kochen Soße.

Das Spiel geht noch eine ganze Weile weiter. Anja hört immer wieder das Wort Topf. Mal im Singular und mal im Plural. Sie hat schon erkannt, dass es in unserer Sprache eine Mehrzahlbildung gibt, kann sie für das Wort Topf aber noch nicht richtig anwenden. Dadurch, dass sie von Jonas immer wieder das Wort in der Einzahl und Mehrzahl richtig hört, lernt sie die richtige Mehrzahlbildung – auch wenn sie diese in dem Praxisbeispiel noch nicht anwendet.

Denn Kinder müssen Wörter und Sprachstrukturen in verschiedenen Zusammenhängen und unterschiedlichen Situationen hören, um sie mit der Zeit selbst anwenden zu können. Die Sprachförderung durch Jonas trägt dazu bei, dass dies bei Anja sicherlich bald der Fall sein wird.

Kinder schlüpfen auch sprachlich in andere Rollen

Im Rollenspiel schlüpfen Kinder in andere Rollen – auch sprachlich. Sie nutzen eine andere Tonhöhe, eine andere Betonung und einen anderen Wortschatz. Sie versuchen, eine Mutter, ein Baby, einen Vater, ein Tier oder eine Fantasiefigur darzustellen.

Diese Rolle gestalten sie nicht nur durch Verkleidung, sondern auch durch ihre Sprache. Sie werden beispielsweise im Spiel auch sprachlich mutig wie ein Löwe, indem sie Dinge machen und aussprechen, die sie sich sonst nicht getraut hätten. Sie kopieren die Betonung und die Worte der Mutter oder sprechen eine eigens kreierte Fantasiesprache, die nur sie verstehen.

All dieses fördert die Sprachentwicklung in allen Bereichen: die Artikulation, den Wortschatz, die Prosodie (Klang der Sprache) und auch die Grammatik. Denn selbst wenn Kinder eine Fantasiesprache sprechen, wenden sie dabei unbewusst die grammatischen Strukturen an, die sie kennen.

Schaffen Sie ein Umfeld, das zu Rollenspiel einlädt

Fördern Sie durch einen großen Fundus an Verkleidungsmaterial das Rollenspiel. Lesen Sie den Kindern viel vor, das fördert nicht nur die Sprache, sondern auch die Fantasie der Kinder. Gestalten Sie mit den Kindern die Rollenspielecke entsprechend der Geschichte um und schon kann ein fantasiereiches und sprachanregendes Rollenspiel beginnen.

Nutzen Sie den Alltag der Kinder für Rollenspiele

Gerade im Rollenspiel fördern Sie am intensivsten und leichtesten die kommunikativen Kompetenzen der Kinder. Gestalten Sie hierzu mit einem oder mehreren Kindern eine Rollenspielsituation. Verwickeln Sie dabei die Kinder in Gespräche. Nutzen Sie auch Situationen, die normalerweise relativ stumm ablaufen, wie beispielsweise das Tischdecken oder das An- und Ausziehen einer Puppe. Begleiten Sie Ihre Tätigkeiten sprachlich und beziehen Sie die Kinder mit ein.

Beispielsweise sagen Sie: „Lena hilfst du mir den Tisch zu decken?“ Lena stimmt zu und Sie fragen: „Wie viele Teller brauchen wir?“ Lena zählt laut die Kinder in der Puppenecke „eins, zwei, drei“ und sagt anschließend zu Ihnen: „Wir brauchen drei Teller.“ Sie holen diese aus dem Schrank und geben Sie Lena in die Hand mit Worten: „Hier hast du drei Teller. Stelle Sie bitte auf den Tisch.“ So setzen sich die Tätigkeit und auch die sprachliche Bildung weiter fort.

Rollenspiele erfordern gemeinsames Handeln

Im Rollenspiel handeln die Kinder gemeinsam. Sie legen durch die Sprache ein Spielthema und die Rollen fest. Die Sprache hilft ihnen die Spielaktion zu planen und auszuführen. Sie lenken durch die Sprache und ihre Handlungen gemeinsam ihre Aufmerksamkeit auf eine Spielsituation.

Das sind grundlegende sprachliche und soziale Kompetenzen. Fördern Sie solche Situationen immer wieder, indem Sie den Kindern Anregungen für Rollenspiele geben. Beispielsweise erzählt Ihnen ein Kind von einem Erlebnis, das es am Wochenende hatte. Laden Sie das Kind ein, dieses mit anderen Kindern nachzuspielen. Denn in solchen, für die Kinder bedeutungsvollen und spielerischen Zusammenhängen, lernen die Kinder am besten.

Praxisbeispiel: Laura erzählt Ihnen, dass gestern Tom, ein Freund der Familie, zum Kaffeetrinken eingeladen war. Die Mutter hat vorher mit Laura zusammen den Tisch festlich gedeckt. Jonas lauscht dem Gespräch intensiv. Nachdem Laura ihre Erzählung beendet hat, sagen Sie zu den beiden Kindern: „Mensch, das hört sich spannend an. Mögt Ihr in der Puppenecke auch Kaffeebesuch spielen?“ Beide Kinder stürzen sofort los.

In der Rollenspielecke angekommen tauschen sich Laura und Jonas darüber aus, wer welche Rolle übernimmt. Laura sagt: „Ich bin Mama. Ich habe dich zum Kaffeetrinken eingeladen. Du bist Tom, Mamas Freund.“ Jonas entgegnet: „Nein, ich heiße Jonas.“ Laura sagt: „Na gut. Du musst mich besuchen kommen.“ Jonas drückt daraufhin eine imaginäre Türklingel und sagt: „Ding, dong.“ Laura öffnet die Tür: „Komm ins Haus rein. Ich habe den Tisch gedeckt.“ Beide gehen zum Tisch in der Puppenecke und Jonas setzt sich. Laura steht vor dem Tisch und fragt: „Möchtest du Kaffee trinken?“ Jonas sagt: „Ja“. Daraufhin nimmt Laura die blaue Kaffeekanne und schenkt ihm spielerisch Kaffee ein.

Das Spiel setzt sich noch eine ganze Weile fort. Immer wieder sprechen die beiden Kinder die nachfolgenden Spielszenen miteinander ab. Dann schlüpfen sie wieder in ihre Rollen. Dabei unterhalten sich beide wie Erwachsene und spielen einen lustige, lockere Kaffeerunde, wie sie diese sicherlich schon öfter erlebt haben.

Manchmal spielt ein Kind auch einfach eine neue Situation. Laura steht beispielsweise irgendwann auf und sagt: „So nun gehen wir ins Kino.“ Jonas steigt sprachlich darauf ein und sagt: „Ja, ich bin der Kontrolleur. Ich bastle die Kinokarten.“ Dann geht er zum Maltisch und eine neue Spielsituation ergibt sich.

Fazit: Kinder profitieren auf vielfältige Weise von Rollenspielen

Durch das gemeinsame Handeln lernen die Kinder, ihre Absichten und Wünsche sprachlich darzustellen. Sie klären dabei auch unterschiedliche Interessen sprachlich. Dieses erfordert ein Wechselspiel aus Sprechen und zuhören. Sie lernen erlebte oder ausgedachte Situationen in Worte zu kleiden und zu beschreiben, sodass das andere Kind die Handlungsaufträge und Aufforderungen versteht. Der aktuelle Handlungskontext wird dabei zeitweilig verlassen, um aus dem fiktiven Handlungskontext der Rollen heraus zu sprechen.


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