Kreative Sprachübung für die Kita – Storytelling für Schulkinder


23.04.2018

Sind Sie „fly“? Wenn ja, dann können Sie richtig loslegen – „abgehen“, würden die Jugendlichen sagen. Das Jugendwort 2017 zeigt wie kreativ Schüler mit Sprache umgehen. Damit besitzen sie bereits beste Voraussetzungen, um weiter mit Sprache zu spielen. Sprache und Kommunikation ist im Berufsleben eine wichtige Schlüsselkompetenz. Fördern Sie deshalb die Kinder in ihrer Sprachentwicklung – nicht verschult und trocken, sondern kreativ und witzig mit einem Projekt zum Storytelling.

1. Schritt: Lassen Sie die Kinder erzählen

Jeder darf ein Bild, einen Schriftzug o. Ä. von dem Helden mitbringen, der ihn am meisten begeistert. Vielleicht sind das die Pokémons, Popstar Justin Bieber oder Fußballstars wie Cristiano Ronaldo. Suchen Sie sich ein paar leere Schachteln (z. B. Taschentuchboxen oder Schuhkartons) und schon entsteht Ihre 1. Ausrüstung für das Storytelling: Jedes Kind klebt sein „Mitbringsel“ auf eine Schachtelseite, sodass „Heldenwürfel“ entstehen.

Jetzt geht’s auch schon los. Ein Kind wirft die Schachteln, dann werden die obenauf liegenden Bilder betrachtet. Das 1. Kind startet. Es sucht sich ein Bild aus und beginnt mit einer Geschichte. Wer hat die nächste Idee, mit welchem Bild und wie könnte es weitergehen? Dabei darf die Geschichte ruhig verrückt, witzig und schräg werden!

Praxis-Tipp: Schulkinder lieben den Auftritt vor einer Jury, wie sie das aus Castingshows im Fernsehen kennen. Bilden Sie deshalb eine Kinder-Jury, die während der Geschichte mitzählt, wie viele der Bilder der Erzählende in die Geschichte eingebaut hat. Diese ergeben dann die Punktzahl für den „Kandidaten“.

2. Schritt: Ein Held wird geboren

Nun dürfen die Geschichten immer ausgefeilter werden. Dazu laden Sie die Kinder ein, einen Helden hervorzubringen: Jedes Kind stellt sich seine Hauptfigur möglichst genau vor:

Wie sieht der Held aus, z. B. Größe, Alter, Kleidung, Haarfarbe? 2. Welches Umfeld hat der Held, z. B. Freunde, Familie, Schule, Fantasy? 3. Was macht den Helden besonders, z. B. Begabungen, Wünsche, Sehnsüchte, Ängste?

Um die Kinder anzuregen, sich ihren Helden möglichst differenziert vorzustellen, schreiben Sie die 3 Sichtweisen auf den Helden auf ein Blatt, das Sie kopieren und jedem Kind aushändigen. Anschließend stellt jeder seinen Helden in der Gruppe vor.

3. Schritt: So wird jede Story spannend

Jetzt entsteht ein spannender Handlungsverlauf – den erst alle Kinder gemeinsam entwickeln. Dazu wählen die Kinder einen der Helden aus und entwerfen gemeinsam mit Ihnen eine einmalige Geschichte. Das Geschichtengerüst könnte wie folgt aussehen:

So wird aus deinen Ideen eine spannende Geschichte

  • Wer ist dein Held: Wie sieht er aus, was kann er und was nicht, welchen Charakter hat er?
  • Wo spielt die Geschichte? Wer lebt an diesem Ort?
  • Welche Figuren gehören zur Geschichte noch dazu?
  • Was bewegt deinen Helden, z. B. Bedürfnis / Wunsch?
  • Gibt es Gegenspieler deines Helden? Welche Hindernisse muss er erfahren?
  • Bekommt dein Held Hilfe und wenn ja von wem?
  • Scheitert er möglicherweise zunächst?
  • Wie löst er das Problem, wie überwindet er die Hindernisse?
  • Wie findet deine Geschichte ihr Ende?
  • Wie sieht das Ende aus?

Kleingruppen zur Sprachförderung bilden

Anschließend bilden die Kinder 2- bis 4-köpfige Kleingruppen. In den Gruppen bestimmen die Kinder entweder einen der vorgestellten Helden oder entwickeln gemeinsam eine neue Hauptfigur. Stellen Sie das Geschichtengerüst sowie ausreichend Notizblätter und Stifte für jede Kleingruppe zur Verfügung. Dann braucht jede Gruppe einen Bereich, in dem sie möglichst ungestört arbeiten kann, und etwa 30 Minuten Zeit.

Doch jede Geschichte braucht Zeit zu reifen. Deshalb sollten Sie sich etwa eine Woche später wieder treffen, um die Geschichten zu hören. Bis dahin kann jede Gruppe an ihrer Geschichte herumfeilen und sie weiter ausspinnen.

Überlegen Sie nun mit den Kindern gemeinsam, in welchem würdigen Rahmen sie die Geschichten vortragen könnten: Welcher Zeitpunkt und welcher Ort passen? Was wünschen sich die Kinder noch dafür? Dann kann das große Storytelling starten! Wenn mehr als 3 Geschichten Geschichten entstanden sind, vereinbaren Sie einen 2. Termin und teilen die Geschichten entsprechend auf.

Klären Sie mit den Kindern auch folgende Fragen:

  1. Was passiert weiter mit den Geschichten?
  2. Gibt es Kinder, die sie aufschreiben wollen?
  3. Möchten die Kinder dazu Bilder anfertigen?
  4. Sollen die Geschichten ausgestellt oder veröffentlicht werden, z. B. in einem Elternbrief?

Sprachwitz, geniale Einfälle, Freude am Erzählen und Zuhören – all das werden die Kinder beim Storytelling erleben. Sprachförderung kann gelingen, wenn sie Spaß macht. Und die Freude an der Sprache ist hier garantiert. Oder anders gesagt: „Voll fly, diese Geschichten!“


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