Stress-Situation: Kinder mobben andere Kinder


08.02.2017
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Von Mobbing unter Kindern spricht man, wenn ein bestimmtes Kind von anderen Kindern regelmäßig und systematisch direkt oder indirekt körperlich oder seelisch verletzt wird. Mobbing kann bereits bei Kindern im Kita-Alter auftreten. Selten ist das Mobbing so offensichtlich, dass Sie sofort begreifen, was abläuft. Dann nämlich können Sie sofort einschreiten und das Opfer schützen, während Sie auf den oder die Täter korrigierend einwirken.

Oft jedoch läuft das Mobbing sehr verdeckt ab. Betroffene Kinder leiden zunächst still. Erst wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, vertrauen sie sich ihren Eltern an. Vorweg geht oft ein langer Leidensweg für die betroffenen Kinder, z. B.:

  • Sie leiden stillschweigend unter der Situation.
  • Je aussichtsloser sich die Situation für sie darstellt, desto mehr ziehen sie sich in sich zurück.
  • Sie klagen über körperliche Leiden, wie z. B. Übelkeit, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen.
  • Sie versuchen, durch körperliche Leiden aus der für sie als schlimm empfundenen Situation zu entkommen.
  • Sie empfinden keine Freude mehr am Tagesgeschehen in der Kita.
  • Sie wirken immer lustloser und teilnahmsloser.
  • Außenstehende glauben an eine Depression im Kindesalter.

Praxisbeispiel
Die 6-jährige Lilly sucht ihre Hausschuhe. Als sie aus dem Bällebad in der Kita kommt, sind die Schuhe verschwunden. Sie ist sich sicher, dass sie die Hausschuhe vor den Raum mit dem Bällebad abgestellt hat. Niemand hilft Lilly suchen. Zara, Sinan und Cheyenne lachen Lilly aus, während sie ihre Schuhe verzweifelt sucht. Sinan stellt Lilly ein Bein, als sie suchend an ihm vorbeigeht. Danach lachen die 3 Kinder noch lauter. Die 7-jährige Zara sagt zu Lilly: „Selbst schuld! Hättest du Hausschuhe an, wärst du jetzt nicht ausgerutscht.“

 

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Lesen Sie hier, was Sie und Ihre Mitarbeiter in der Kita gegen Mobbing unter Kindern unternehmen können.

Achten Sie bei den Kindern auf verborgene Kennzeichen von Mobbing. Zunächst fängt Mobbing „klein“ an. Wenn Sie nicht sofort reagieren und vehement dagegen einschreiten, breitet sich das Mobbing in rasanter Geschwindigkeit aus.

Typisch für Mobbing ist, dass es ein oder mehrere Kinder auf ein bestimmtes Kind abgesehen haben. Mobbing ist eine besonders schlimme Form der Gewaltausübung, die vom Opfer immer als besonders ausweglos erlebt wird und die sich folgendermaßen äußern kann:

  • Auslachen
  • Falsche Beschuldigungen
  • Verstecken oder Zerstören von Eigentum
  • Ignorieren
  • Bedrohen
  • Schubsen
  • Schlagen

Wenn Sie nicht gegen das Mobben einschreiten oder dieses nicht bemerken, so müssen Sie wissen, dass langfristig nicht nur das Kind, sondern auch der ganze Ruf der Kita darunter leiden kann.

Ab welchem Alter gibt es Mobbing?

Im Kita-Alter gibt es zwischen Kindern Konflikte, die zur sozialen Entwicklung von Kindern dazugehören. Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren planen jedoch ihre Handlungen meist noch nicht systematisch. Mobbing tritt daher meist erst ab 6 Jahren und damit im Grundschulalter bei Kindern auf. Und dennoch liegen viele Anfänge und Ursachen von Mobbing bereits im Kindergartenalter.

Lösung: Greifen Sie bei Mobbing entschieden ein
Warten Sie erst gar nicht ab, ob sich das Mobbing von alleine wieder erledigt. In der Regel wird es sich verschlimmern und immer weitere Kreise ziehen. Selbst wenn anfänglich nur 2 Kinder am Mobbing beteiligt sind, so besteht die Gefahr, dass sich die Anzahl der Täter vergrößert, wenn nicht gezielt gegen das Mobbing eingeschritten wird. Die folgende Anleitung unterstützt Ihre Kollegen und Sie, gezielt gegen Mobbing vorzugehen.

Reagieren Sie bereits bei ersten Anzeichen
Schon im Kindergarten gibt es dominante Kinder, die in der Kindergruppe die Rolle des Anführers übernehmen. Auch Mitläufer und schüchterne Kinder gibt es im Kindergarten. Die Schüchternen erdulden vieles und wehren sich auch dann nicht, wenn ihnen etwas weggenommen wird. Achten Sie in Ihrer Kita besonders auf die schüchternen Kinder, die in der Regel weniger auffallen. Schützen Sie diese sofort, wenn andere Kinder über sie bestimmen oder sie ausnutzen wollen.

Greifen Sie bei Drohungen und Erpressungen ein
Auch Drohungen und Erpressungen gibt es bereits im Kindergarten sehr häufig unter Kindern.

  • „Wenn du jetzt nicht mit mir spielst, dann bin ich nicht mehr dein Freund!“
  • „Wenn du nicht tust, was ich sage, dann lade ich dich nicht zum Geburtstag ein.“

Hier müssen Sie und Ihre Mitarbeiter ganz entschieden reagieren. Solche Äußerungen sind Mobbing-Verhalten im Anfangsstadium. Wenn ein Kind die Erfahrung macht, dass es mit diesen Drohungen seine Wünsche durchsetzen kann, wird es immer wieder zu solchen Mitteln greifen. Das Kind lernt, dass es mithilfe von Drohen und Erpressen Macht über andere hat.

Beobachten Sie, ob eine Ausweitung des Mobbings stattfindet
Eine Ausweitung des unerwünschten Verhaltens kann schnell folgen. Das Kind kann z. B. ein anderes unter Druck setzen, indem es sagt:

  • „Gib mir die Gummibärchen aus deiner Brotzeitbox, sonst spiele ich nicht mehr mit dir.“
  • „Bringe mir ein Playmobil-Pferd von zu Hause mit, sonst darfst du nicht mehr zu mir nach Hause zum Spielen kommen.“
  • „Du darfst nicht mit Philipp spielen. Wenn du es trotzdem tust, bin ich nicht mehr dein Freund.“

Zeigen Sie deutlich, wenn ein Verhalten nicht in Ordnung ist. Kinder, die andere durch solche Äußerungen unter Druck setzen, kommen meist von alleine gar nicht auf die Idee, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung sein könnte.

Reagieren Sie daher bei Mobbing unter Kindern mit den folgenden 3 Schritten:

1. Schritt: Beenden Sie die Mobbing-Situation sofort
Greifen Sie entschieden ein und sprechen Sie mit den Kindern, von denen das Mobbing ausgeht. Machen Sie diesen Kindern klar, dass ihr Verhalten in der Kita unerwünscht ist. Sprechen Sie sowohl mit allen Kindern über den fairen Umgang miteinander als
auch mit den betroffenen Kindern. Im Einzelgespräch sollten Sie den Kindern die Lage
verdeutlichen und ihnen vermitteln, dass das andere Kind unter ihrem Verhalten leidet.

Beispiel:
Sagen Sie z. B.: „So gehen wir hier in der Kita nicht miteinander um. Jedes Kind darf sich alleine aussuchen, mit wem es spielen möchte. Laurenz darf mit Philipp spielen, wenn er will. Du kannst fragen, ob du auch mitspielen darfst. Du darfst nicht bestimmen, dass Laurenz dann nicht mehr mit dir spielen darf.“

2. Schritt: Sprechen Sie mit den Kindern über die Drohungen
Fragen Sie das dominante Kind, wie es ihm gehen würde, wenn sein Freund über ihn bestimmen und ihm drohen würde, dass er nicht mehr mit ihm spielt. Nehmen Sie sich besonders viel Zeit für das Gespräch mit dem dominanten Kind. Es ist besonders wichtig, dass dieses Kind Ihr Anliegen versteht und in Zukunft auf das Mobben verzichten kann.

Tipp für Ihre Praxis:
Kindern, die mobben, fehlt es häufig an Selbstbewusstsein. Unterstützen Sie das dominante Kind und geben Sie ihm viel Aufmerksamkeit, damit sein Selbstbewusstsein steigt und es das Mobben nicht mehr nötig hat.

3. Schritt: Erarbeiten Sie Regeln
Sprechen Sie mit den Kindern darüber, wie sie miteinander umgehen können. Fassen Sie die Kinder in Kleingruppen zusammen und konfrontieren Sie die Kinder mit Kurzgeschichten oder Fallbeispielen, in denen ein Kind gemobbt wird. In kleinen Gruppen sollten Sie mit den Kindern Regeln für einen fairen Umgang miteinander erarbeiten, wie z. B.:

  • wie Kinder zusammen spielenkönnen, ohne sich auszugrenzen,
  • dass kein Kind ausgelacht wird,
  • dass jedes Kind ganz laut „Stopp“ rufen darf, wenn es sich bedrängt fühlt.

Muster: Kurzgeschichte zur Bearbeitung in einer Kleingruppe
Sunita ist traurig. Niemand möchte mit ihr spielen. Sie steht in der Kita-Gruppe alleine da. 4 Mädchen, mit denen sie gerne befreundet wäre, lachen oft über sie. Wenn Sunita in den Turnraum kommt, lachen die 4 Mädchen über sie. Sie zeigen mit dem Finger auf sie und beginnen, ganz leise zu tuscheln. Weil sie dabei alle in ihre Richtung schauen, ist Sunita sich sicher, dass die Mädchen über sie sprechen und lachen. Wenn Sunita in die Garderobe kommt, liegt ihre Jacke oft am Boden. Gestern war Sunita besonders traurig. Sie konnte nicht mit den anderen Kindern auf den Spielplatz gehen, weil ihre Straßenschuhe nicht mehr da waren. Sie suchte zusammen mit einer Erzieherin lange nach den Schuhen und fand sie schließlich im Abfalleimer der Toilette wieder.
Sunitas Mutter berichtet der Erzieherin, dass ihre Tochter nicht mehr in die Kita kommen möchte. Sie hat morgens oft starke Bauchschmerzen, wenn sie an die Kita denkt.


Sprechen Sie mit den Kindern in der Kleingruppe darüber, wie sie anstelle von Sunita reagieren würden. Folgende Aspekte sind bei dem Gespräch besonders wichtig:

  • Wie fühlt sich Sunita?
  • Was wünscht sich das Kind?
  • Wie könnten die 4 Mädchen reagieren, wenn sie sich fair verhalten würden?
  • Was könnte die Erzieherin tun, um Sunita zu schützen?
  • Wie könnten die Eltern von Sunita reagieren?

 

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Tipp für Ihre Praxis:
Beziehen Sie auch immer die betroffenen Eltern mit ein, wenn Sie beginnendes Mobbing in Ihrer Kita feststellen. Nicht nur die betroffenen Kinder, sondernauch deren Eltern brauchen Unterstützung ihres Kindes, z. B. durch

  • eine Beratung an einer Erziehungsberatungsstelle,
  • eine kinderpsychologische Betreuung,
  • eine gesprächstherapeutische Begleitung des Kindes.

Mobbing fängt klein an. Erste Anzeichen finden sich schon im Kindergarten. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter darüber und reagieren Sie einheitlich, schnell und klar gegen Mobbing.

 

 

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