Richtiger Umgang mit ADS-Kindern im Kindergarten


05.11.2013
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So helfen Sie Kindern mit ADS im Kindergarten

Sie haben sicher auch Kinder in Ihrer Einrichtung, die den ganzen Tag unruhig sind, ständig zappeln und nicht stillsitzen können – die so genannten ADS-Kinder. Doch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, kurz ADS genannt, geht nicht immer mit besonderer Zappeligkeit einher. Es betrifft auch die „Träumer“ unter den Kindern, die nicht von Hyperaktivität betroffen sind. Der „Hyperaktive “ drangsaliert seine Umgebung durch sein unkontrolliertes und impulsives Verhalten. Der „Träumer“ dagegen ist ständig geistig abwesend oder gleitet mit den Gedanken immer wieder woanders hin. Diese unterschiedlichen Erscheinungsformen machen es Ihnen und auch den Eltern dieser Kinder besonders schwer, die Symptome zu erkennen.

Informieren Sie sich über die möglichen Ursachen von ADS

Über die Ursachen des Syndroms gibt es unterschiedliche Auffassungen:

  • Bei dem neurobiologischen Erklärungsmodell stehen bestimmte Botenstoffe im Gehirn, so genannte Neurotransmitter, im Mittelpunkt. Bei Betroffenen von ADS werden Informationen durch einen Mangel an Botenstoffen wie Noradrenalin und Dopamin nur eingeschränkt übertragen. Konzentrationsfähigkeit sowie Selbststeuerung werden dadurch beeinträchtigt.
  • Das verhaltenspsychologische Erklärungsmodell geht davon aus, dass schwierige soziale und emotionale Verhältnisse zu ADS führen können. Probleme im Elternhaus, eine gestörte oder fehlende Mutter-Kind-Beziehung, Gewalt im Elternhaus und Suchtprobleme im Umfeld werden als Faktoren genannt. Darüber hinaus lässt sich bei ADS Betroffenen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter oftmals eine Suchtproblematik beobachten.

So können Sie ADS erkennen

Bei den betroffenen Kindern mit ADS werden Sie folgende Auffälligkeiten bemerken: Es fällt ihnen schwer, Erzählungen und Aufgabenstellungen zu folgen und an Gruppenaktivitäten teilzunehmen – auch, wenn der Wille dazu da ist.

Die meisten Kinder mit ADS zeigen neben Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblemen eine hohe motorische Unruhe; auch mit Selbstwertproblemen haben sie zu kämpfen. Da sie ständig unangenehm auffallen, machen ADS-Kinder nicht nur Ihnen und Ihren Erzieherinnen den Erziehungsalltag schwer – es kommt darüber hinaus zu Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen Kindern aus der Gruppe sowie bei der sozialen Anpassung. Sie geraten durch ihr störendes Verhalten auf Grund von ADS zunehmend in eine Außenseiterposition, übernehmen gerne die Rolle des Clowns oder Störenfrieds.

So können Sie ADS-Kindern  helfen

Sie können im Kindergarten viel dazu beitragen, betroffenen ADS-Kindern bei der Entfaltung ihres Potenzials zu helfen.
Die folgenden 9 Ratschläge sollen Sie dabei unterstützen:

1. Informieren Sie sich über ADS

Wenn Sie über Symptome und Therapiemöglichkeiten von ADS Bescheid wissen, sind Sie ein kompetenterer und hilfreicherer Ansprechpartner für Eltern und Kind.

2. Sprechen Sie mit Ihren Kolleginnen über ADS

Ihre Bemühungen um das Kind werden umso erfolgreicher sein, je konsequenter Sie mit Kolleginnen zusammenarbeiten, die das Kind auch erleben. Informieren Sie die Kolleginnen über Ihre Beobachtungen und überlegen Sie gemeinsam, wie Sie das Kind unterstützen können.

3. Arbeiten Sie mit den Eltern von ADS-Kindern zusammen

Suchen Sie Kontakt zu den Eltern betroffener Kinder und unterstützen Sie sie. Dabei müssen Sie sensibel vorgehen, denn für viele Eltern ist es schwer, einzusehen, dass ihr Kind ein ADS Problem hat. Achten Sie darauf, dass die Eltern Verständnis für die Situation und das Kind entwickeln.

4. Lernen Sie die Eigenheiten des Kindes kennen

Mit Hilfe von Kolleginnen können Sie sich ein Bild über die speziellen Schwierigkeiten des Kindes mit ADS verschaffen. So können Sie besser auf seine Bedürfnisse eingehen. Notieren Sie auffällige Verhaltensweisen des Kindes; Ihre Notizen können Sie auch für das Elterngespräch verwenden.

5. Stärken Sie das Selbstvertrauen der ADS-Kinder

Achten Sie darauf, dass Sie ADS-Kinder in ausreichendem Maße loben, und übertragen Sie ihnen verantwortungsvolle und überschaubare Aufgaben.

 

 

6. Erleichtern Sie ADS-Kindern die Konzentration

Störende Einflüsse von außen, beispielsweise Geräusche, visuelle Ablenkungen usw., sollten auf ein Minimum reduziert sein. Helfen Sie den ADS-Kindern mit kurzen, klaren Arbeitsanweisungen.

7. Verschaffen Sie sich die Aufmerksamkeit von ADS-Kindern

Setzen Sie sich im Stuhlkreis möglichst in die Nähe von ADS-Kindern, so dass sie Sie fokussieren können. Suchen Sie bei wichtigen Aussagen den Blickkontakt zu den ADS-Kindern, wiederholen Sie wichtige Aussagen und stellen Sie sie mit Ihrer Stimme besonders heraus.

8. Kommen Sie ADS-Kindern mit klaren Strukturen entgegen

Denken Sie daran, dass ein „pädagogisch wertvolles“, situatives, vielleicht sogar offenes Arbeitsprinzip in Ihrer Einrichtung unter Umständen kontraproduktiv ist. Den ADS-Kindern fällt bei einem eher direktiven, aber gut strukturierten Rahmen die Konzentration leichter.

9. Wenden Sie sich an Fachleute zu ADS

Arbeiten Sie gegebenenfalls mit einem auf dem Gebiet von ADS erfahrenen Arzt, Psychologen oder einem sozialpädiatrischen Zentrum zusammen. Empfehlen Sie dies auch den Eltern. Die Störungen dauern bis ins Erwachsenenalter an, es bedarf also langer Behandlungszeiten.

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