Wie Sie Kinder mit ADS in Ihrer Kita integrieren


26.09.2016
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Kinder mit ADS gibt es in jeder Kita. Verhaltensoriginelle Kinder werden sie heutzutage häufig genannt. Sie benötigen die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Kita-Personals. Das ist nicht immer einfach bei Gruppenstärken von 20–25 Kindern. Lesen Sie hier, wie Sie und Ihre Mitarbeiterinnen ADS-Kinder in Ihrer Kita besser integrieren können.

 

Praxisbeispiel: Timi (5) ist in den Sommerferien umgezogen und neu in der Kita „Sonnenland“. Dort fällt den Erzieherinnen auf: Timi muss sehr häufig an Regeln erinnert werden, die bereits mehrfach mit ihm besprochen wurden. Timi kann sich nur für eine kurze Zeitspanne konzentrieren. Beim Spielen reicht seine Konzentrationsspanne oft nur für 5–10 Minuten aus. Danach verzweifelt Timi. Er reagiert dabei auf verschiedenartige Weise. Manchmal weint er. Oft wird er wütend und wirft das angefangene Spiel auf den Boden, oder er beschimpft andere Kinder, von denen er sich gestört fühlt. Die Erzieherinnen möchten wissen, wie sie Timi helfen können.

 

 

So gehen Sie vor, wenn ein Kind von ADS betroffen ist

Mittlerweile sind unterschiedliche Formen von ADS bekannt. Motorische Unruhe gilt nicht mehr als alleiniges Kennzeichen von ADS. Eine Ausprägung zeigt beispielsweise ein Konzentrationsdefizit, das von Lethargie oder scheinbaren Träumereien begleitet wird. Unabhängig davon, an welcher Ausprägung von ADS die Kinder leiden, sollten Sie und Ihre Mitarbeiterinnen in der Kita ADS erkennen und nach einem professionellen Handlungskonzept vorgehen.

Setzen Sie das professionelle Handlungskonzept verbindlich um, indem Sie die folgenden Maßnahmen mit Ihrem Personal durchsprechen. Damit gelingt es allen Mitarbeiterinnen leichter, die betroffenen Kinder in Ihrer Kita zu integrieren.

 

Maßnahme 1 bei Kindern mit ADS: Integration statt Ausgrenzung

Erklären Sie Ihren Mitarbeiterinnen, dass sie sehr aufmerksam im Umgang mit den ADS-Kindern sein müssen. Oftmals reagieren die anderen Kinder genervt. Deshalb ist es wichtig, dass das pädagogische Personal professionell mit diesen Kindern umgeht. Zeigen Sie sich nie in Gegenwart des betroffenen Kindes genervt von ihm. Erklären Sie mit sehr viel Geduld die Regeln, und wiederholen Sie die Regeln oft. Unterlassen Sie Äußerungen, die das Kind bloßstellen, z. B.

  • „Timi, jetzt habe ich das schon so oft erklärt, wann merkst du dir das endlich einmal?“
  • „Das war ja klar, dass du das wieder nicht mitbekommen hast, Timi!“
  • „Lass das jetzt, Timi! Nimm dir ein Beispiel an den anderen Kindern, die können auch zuhören.“

Maßnahme 2 bei Kindern mit ADS: Suchen Sie die Nähe des Kindes

Beobachten Sie die betroffenen Kinder in Ihrer Kita. Notieren Sie gemeinsam mit Ihren Kolleginnen, welche Situationen das Kind vor Herausforderungen stellen. Betroffenen Kindern hilft es sehr, wenn Sie es in solchen Situationen begleiten. Handeln Sie z. B. folgendermaßen: Nehmen Sie das Kind an die Hand. Stellen Sie dies für das Kind positiv dar. Sagen Sie nicht: „Timi, komm an meine Hand. Ich weiß, dass du den Spaziergang sowieso nicht alleine schaffst.“ Diese Äußerung würde Timi vor allen Kindern bloßstellen und zum Außenseiter abstempeln. Zudem wird Timi das An-der-Hand-Laufen als Strafe empfinden.
So stellen Sie denselben Inhalt positiv dar: „Ich brauche ein Kind, das mit mir gemeinsam an der Spitze läuft und besonders gut schaut, ob kein Auto kommt, wenn wir die Straße überqueren. Timi, kannst du diese wichtige Aufgabe übernehmen?“

Timi steht durch die Aufgabenbeschreibung der Erzieherin in einem positiven Licht da. Er wird die ihm zugesprochene Aufgabe sicher gerne übernehmen. Gleichzeitig hat die Erzieherin ihr Ziel erreicht: Timi läuft an ihrer Hand. Auch bei anderen anspruchsvollen Situationen hilft den ADS-Kindern die Nähe ihrer vertrauten Erzieherin. Wenn die Aufmerksamkeit nachlässt, dann können Sie Ihre Hand auf die Schulter des Kindes legen oder den Blickkontakt suchen.

 

Tipp für Ihre Praxis: ADS-Kinder fühlen sich sicher, wenn die Erzieherin ihres Vertrauens in der Nähe ist. Versuchen Sie, wenn möglich, häufigen Personalwechsel bei den betroffenen Kindern in Ihrer Kita zu vermeiden.

 

Maßnahme 3 bei Kindern mit ADS: Wechsel von Spannung und Entspannung

Sinkt die Aufmerksamkeitskurve beim ADS-Kind, so benötigt das Kind eine Pause, in der es sich bewegen kann. In der Pause sollte das Kind gezielt Tätigkeiten durchführen können, die im Gegensatz zu seiner vorherigen Aufgabe stehen. Rennen, Balancieren oder Trampolinspringen sind sehr geeignete Maßnahmen für ADS-Kinder. Auch Entspannungsübungen, Traumreisen, progressive Muskelentspannung oder Kinder- Yoga helfen diesen Kindern dabei zu lernen, wie sie sich alleine entspannen können.

 

Fazit: Auch Ihre Erzieherinnen haben es verdient, Hilfe im Umgang mit ADS-Kindern zu erfahren. Sprechen Sie im Team über die einzelnen Maßnahmen, und
setzen Sie die beschriebenen Maßnahmen in allen Gruppen um. Somit ist sowohl den pädagogischen Mitarbeiterinnen als auch den betroffenen Kindern geholfen

 

 

 

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