Ein Kind will nicht essen? So handeln Sie richtig


27.05.2018

Der 2-jährige Peter isst nur Nudeln – ohne Sauce. Kartoffeln mag er manchmal. Gemüse rührt er gar nicht erst an und Fleisch isst er hin und wieder. Sie haben schon so viel probiert, um ihn zum Probieren zu ermutigen. Aber es hat alles nichts gebracht. Entweder weigert er sich, überhaupt den Mund zu öffnen, oder spuckt die Lebensmittel gleich wieder aus.

Sie fragen sich: „Was kann ich noch machen, um Peter ein gesundes Essverhalten nahezubringen?“ Anne hingegen ist das komplette Gegenteil. Sie haben oftmals das Gefühl, dass Sie gar kein Sättigungsgefühl hat. Auch die Mutter macht sich große Sorgen um Annes Essverhalten.

Bei Kleinkindern sind ein gestörtes Essverhalten und Appetitstörungen relativ häufig. Etwa 30 % zeigen ein inkonstantes und wählerisches Essverhalten. Das kann sich darin äußern, dass die Kinder das Essen oder bestimmte Speisen verweigern bzw. bevorzugen.

Auch ein endloses Ausdehnen der Mahlzeiten oder das Bestehen auf einer ganz bestimmten Nahrungskonsistenz, z. B. ausschließlich breiiger Nahrung sind üblich. Wie Sie Kindern, die vermeintlich zu wenig oder zu viel essen bzw. beim Essen sehr wählerisch sind, ein gutes Essverhalten vermitteln, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Kinder lernen das Essverhalten durch Vorbilder

In den ersten Lebensjahren orientieren sich Kinder bei der Ernährung maßgeblich an ihren Eltern, den Geschwistern und Ihnen. Reflektieren Sie Ihr eigenes Essverhalten. Verhalten Sie sich selbst vorbildlich, wenn Sie gemeinsam mit den Kleinkindern essen.

Hierzu gehört:

  • Selbst nicht bestimmte Speisen abzulehnen, aber von den Kindern zu verlangen, dass diese gegessen oder probiert werden müssen.
  • Mit Freude und Genuss zu essen und dies auch zum Ausdruck zu bringen.
  • Wenn Sie Speisen nicht mögen, sprechen Sie das nicht laut aus. Geben Sie den Kindern die Möglichkeit, unvoreingenommen eigene Erfahrungen zu machen.

1. Fall: Kinder, die zu viel oder zu wenig essen

Oftmals gibt es in einer Kita-Gruppe Kleinkinder, bei denen Sie vielleicht den Eindruck haben, sie äßen zu viel bzw. zu wenig. Schnell fangen manche Erzieherinnen und Eltern dann an, die Essensmenge entsprechend zu regulieren. Oftmals stehen diese Kinder beim Essen unter ständiger Beobachtung. Auch wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Kind zu wenig bzw. zu viel isst, sollten Sie darauf verzichten, jeden seiner Löffel zu kommentieren – ganz gleich, ob Sie tadeln oder loben. Denn so ist kein genussvolles Essen in entspannter Atmosphäre möglich.

Vertrauen Sie auf die Selbstregulierungsfähigkeiten

Einige Kleinkinder essen mehr, andere weniger. Das kann sehr viele Ursachen haben. Beispielsweise:

  • einen bevorstehenden Wachstumsschub,
  • eine noch nicht abgeschlossene Eingewöhnung,
  • private Veränderungen,
  • der Speiseplan Ihrer Kita,
  • eine Krankheit, die sich ankündigt bzw. eine überstandene Krankheit.

Wichtig ist es, dass Sie genau hinschauen und eng mit den Eltern in Kontakt bleiben. Auch wenn Sie sich verständlicherweise um das Kleinkind sorgen, vertrauen Sie stets darauf, dass gesunde Kinder ihr Hungergefühl selbst regulieren können. Hierzu brauchen sie allerdings die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann sie satt oder hungrig sind. Geben Sie den Kindern diese Chance. Akzeptieren Sie es unbedingt, denn wie bei uns Erwachsenen auch, ist das Sättigungsgefühl von Kind zu Kind unterschiedlich.

Solange diese Kleinkinder gesund sind und nicht krankhaft durch ihr Körpergewicht auffallen, können Sie darauf vertrauen, dass die Kleinkinder ihr Essverhalten selbstständig regulieren. Sie werden auf jeden Fall so viel zu sich nehmen, wie sie brauchen. Informieren Sie auch die Eltern über diesen wichtigen Aspekt. So nehmen Sie ihnen viele Sorgen.

2. Fall: Kinder, die beim Essen sehr wählerisch sind

Bereits im Säuglingsalter werden manche Weichen für das Essverhalten gestellt. So bedeutet die Umstellung von der Ernährung durch Milch auf Breikost einen wichtigen Entwicklungsschritt. Wie jeder andere Schritt ist auch dieser mit vielen neuen Erfahrungen verbunden. Führen Sie die Kleinkinder möglichst behutsam und langsam an neue Lebensmittel und deren Beschaffenheit heran.

Zeigen Sie sich geduldig

Manchmal dauert es, bis das Kleinkind so weit ist, um selbst den nächsten Schritt zu machen und neue Speisen und Konsistenzen zu probieren. Wenn ein Kleinkind mit Ihrer Kita-Kost zunächst nicht zurechtkommt, machen Sie am besten erst einmal eine Pause mit der neuen Nahrung. Bitten Sie die Eltern Speisen mitzubringen.

Bieten Sie dem Kind nach ein paar Wochen wieder die Kita Nahrung an. Manchmal fangen die Kinder auch von selbst an, Interesse für die Speisen der anderen Kleinkinder zu entwickeln. Denn Kinder möchten zu der Gemeinschaft dazugehören und das gilt auch beim Essen. Die meisten Kinder sind von Natur aus neugierig und werden in diesem Alter nun immer öfter einen neuen Geschmack und eine andere Beschaffenheit von Lebensmitteln ausprobieren wollen.

Die Basis einer guten Ernährungserziehung ist es, den Kleinkindern die Freude und das Interesse am Essen nahezubringen. Das schaffen Sie nicht mit Druck, sondern nur mit Geduld. Denn das Interesse und die Freude am Essen sind wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Essverhalten. Mit Druck nehmen Sie den Kindern diese Freude. Bedenken Sie immer: Jedes Kleinkind ist anders und entwickelt sich auf seine Weise. Das gilt auch für sein Essverhalten.


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