Hochbegabung von Kindern erkennen und fördern


08.07.2016
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Philipp hat eine außerordentlich schnelle Auffassungsgabe. Er hinterfragt ständig Beobachtungen oder stellt ungewöhnlich tiefgründige Fragen zu einem Projektthema. Wenn er im Morgenkreis sitzt, fängt er schnell an zu stören. Philipp neigt zu Wutausbrüchen, wenn andere seine Gedanken nicht so schnell nachvollziehen können. Daher mögen manche Kinder nicht mit ihm spielen. Was viele nicht wissen: Philipp ist hochbegabt.

 

Wie Sie eine mögliche Hochbegabung erkennen, die Eltern beraten und die Kinder fördern können, erfahren Sie im Folgenden.

 

Hinweise auf eine Hochbegabung bei Kindern

Etwa 2,3 % der Kinder einer Altersklasse sind hochbegabt, d. h., sie haben einen IQ von mindestens 130. Manchen Kindern können Sie diese Begabung schnell anmerken. Anderen hingegen gar nicht. Im Gegenteil, sie fallen eher negativ auf.

 

Bestimmte Fähigkeiten, die mit der Intelligenz eines Kindes zusammenhängen, können als Anzeichen gewertet werden. Diese sind beispielsweise:
  • œœeine besonders ausgeprägte Merkfähigkeit,
  • œœein herausragend gutes Gedächtnis,
  • œœeine sehr gute Fähigkeit, komplexe Probleme schnell zu lösen,
  • œœein für das Alter ungewöhnlicher Wortschatz,
  • œœein besonders gutes sprachliches Ausdrucksvermögen,
  • œœdas frühe und weitgehend selbst gesteuerte Aneignen von Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen auf einem altersuntypisch hohen Niveau.

Aber Achtung: Dies sind nur Hinweise! Sie ersetzen keine verlässliche Diagnose in Form eines Intelligenztests durch Fachkräfte. Diesen müssen die Eltern in die Wege leiten.

 

 

So beraten Sie die Eltern bei einer Hochbegabung

Wenn Sie oder die Eltern die Vermutung haben, dass ein Kind besondere Begabungen hat, müssen Sie ein Elterngespräch vereinbaren. Bereiten Sie das Gespräch mithilfe ihrer Entwicklungsdokumentationen vor. Erklären Sie den Eltern anhand dieser Dokumentationen, warum Sie diese Vermutung haben. Fragen Sie die Eltern, wie sie zu Hause das Kind erleben. Empfehlen Sie den Eltern, eine fachkundige Beratung durch einen sachkundigen Kinderpsychologen zu nutzen. Oftmals bieten Erziehungsberatungsstellen, kinderpsychologische Praxen, Hochbegabungsberatungsstellen und private Vereine (z. B. die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind) eine Testung und Beratung an. Suchen Sie schon vor dem Gespräch mögliche Beratungsstellen heraus. Normalerweise sind solch ein Test und die Beratung für die Eltern kostenlos. In der Regel bekommen die Eltern hier auch Informationen, wie sie mit der Hochbegabung umgehen können bzw. wie die Kinder in ihrer gesamten Persönlichkeit mit all ihren Stärken und Schwächen gefördert werden können.

 

 

Vereinbaren Sie einen Folgetermin, sobald die Testergebnisse vorliegen. In diesem Gespräch können Sie gemeinsam das weitere Vorgehen abstimmen. Vielleicht ist es auch sinnvoll, dass die Eltern und Sie einen gemeinsamen Beratungstermin nutzen.

 

 

Was brauchen hochbegabte Kinder?

Hochbegabung ist keine Garantie für ein erfolgreiches Leben. Alle Kinder haben Begabungen, die Sie in Ihrer täglichen Arbeit fordern und fördern. Die einen liegen im kognitiven Bereich, andere im motorischen Geschick, wiederum andere im musischen, kreativen oder emotionalen Bereich. Es ist wichtig, dass hochbegabte Kinder keine Sonderrolle einnehmen. Sie sollen in die Gruppe integriert werden. Dieses können Sie dadurch sicherstellen, dass Sie:
  • Angebote mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen ausgestalten.
  • œœSpielmaterial und Bücher zur Verfügung stellen, welche die speziellen Interessen und Fähigkeiten aufgreifen.
  • œœSie die Interessen des Kindes aufgreifen, aber nicht seinen Eifer bremsen.
  • œœdie Fragen des Kindes so gut beantworten, wie Sie können, und auch eigene Grenzen eingestehen.
  • œœdie Stärken fördern und an den Schwächen arbeiten, ohne dass das Kind dies als negativ empfindet.
  • œœdem Kind Freiräume lassen und es nicht zum Spielen zwingen.
  • œœdas Kind bitten, anderen Kindern zu helfen.
  • œœdie Impulse des Kindes aufgreifen.
  • œœdas Kind darin unterstützen, selbstständig Antworten auf seine Fragen zu finden, z. B. durch Bücher, Zeitungen, Internet.

Wichtig ist es, dass die Anforderungen an ein Kind seinen Fähigkeiten entsprechen. Die Förderung darf keinesfalls nur die kognitiven Fähigkeiten ansprechen. Sie soll ganzheitlich und in allen Bereichen angeboten werden. Dieses gilt für alle Kinder.

Gestalten Sie den Alltag so, dass jedes Kind eine individuelle Entwicklung und begabungsgerechte Förderung erfährt. Hierzu ist kein aufwendiges Programm notwendig, sondern der Blick auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Kinder und eine gewisse Flexibilität in der Durchführung. Das Ziel ist es, Defizite zu kompensieren, individuelle Schwächen abzubauen und die Stärken zu fördern. Auch bei hochbegabten Kindern gilt der Spruch: Holen Sie das Kind dort ab, wo es steht. Damit sind Sie schon auf dem besten Weg für eine gute Förderung.
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Das sagen unsere Leser

Unsere AWO Kita-Einrichtung ist schwerpunktmäßig auf 0- bis 3-Jährige ausgerichtet, und für uns ist „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ die perfekte Unterstützung: Obwohl wir seit über 30 Jahren mit Kindern unter 3 arbeiten, sind wir dankbar für all die neuen Anregungen und die praxisorientierten Angebote aus „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“. Gerade im Bereich Entwicklungspsychologie hat sich so viel getan, dass es wunderbar passt, hier immer topaktuell informiert zu sein. „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ ist eine tolle Sache!

Christel Kamprath, AWO Kita Rotkäppchen, Allstedt

Für „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ habe ich mich entschieden, weil es zu diesem Thema kaum professionelle, verlässliche Literatur gab. Ganz toll finde ich neben den langfristig erprobten Tipps und Liedern für die Kleinsten die entwicklungspsychologischen Beiträge. Unterstützt wird das Ganze durch praxisnahe Hilfe wie z. B. Beobachtungsbögen. Dadurch bin ich auch auf schwierige Elterngespräche optimal vorbereitet. Und zu den relevanten Themen wie beispielsweise Trotz und Sauberkeit bekomme ich immer die neuesten Erkenntnisse geliefert: So kopiere ich dann auch manchmal etwas für unsere Eltern-Infowand. „Kinder unter 3 in Kita & Krippe“ ist für mich eine tolle Unterstützung in meinem Arbeitsalltag!

Sonja Großmann-Bott, Kindergarten unterm Regenbogen, Höfen


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