Machen Sie es zum No-Go: Mobbing unter Kindern


03.07.2017
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Von Mobbing unter Kindern spricht man, wenn ein bestimmtes Kind von anderen Kindern regelmäßig und systematisch direkt oder indirekt körperlich oder seelisch verletzt wird. Das Tückische: Mobbing fängt immer mit scheinbar harmlosen Hänseleien an.

 

Praxisbeispiel

Lea ist verzweifelt. Sie kann nicht mitturnen, denn ihre Turnschläppchen sind verschwunden. Bereits zum 2. Mal in dieser Woche ist ihr etwas abhanden gekommen, obwohl sie sehr ordentlich ist. Am Montag war ihr Teddybär weg. Er tauchte 2 Tage später in einem Abfalleimer wieder auf. Wenn Lea etwas vermisst, beteiligen sich nur wenige Kinder an der Suche. Die Erzieherin Gabi Schöllhausen ist verunsichert, denn Sie weiß nicht so recht, wie sie Lea helfen kann.

So gehen Sie vor

Achten Sie auf verborgene Kennzeichen von Mobbing. Wenn Sie nicht sofort reagieren und vehement dagegen einschreiten, breitet sich das Mobbing in Ihrer Kita rasend schnell aus.

Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren planen ihre Handlungen meist noch nicht systematisch. Mobbing tritt daher in der Regel erst im Grundschulalter auf. Und dennoch: Die Anfänge und Ursachen von Mobbing werden oft bereits im Kindergartenalter gelegt.

Typisch für Mobbing: Mehrere Kinder haben es auf ein bestimmtes Kind abgesehen. Als eine besondere Form der Gewaltausübung äußert sich Mobbing in Auslachen, falschen Beschuldigungen, Verstecken oder Zerstören von Eigentum, Ignorieren, Bedrohen, Schubsen und Schlagen.

Wehren Sie den Anfängen

Achten Sie in Ihrer Kita besonders auf die schüchternen Kinder, die in der Regel weniger auffallen. Schützen Sie sie sofort, wenn andere Kinder über sie bestimmen, sie ausnutzen oder ihnen etwas wegnehmen wollen.

Achten Sie auf diese Vorzeichen

Schon im Kindergarten gibt es häufig: Drohungen und Erpressungen unter Kindern.

  • „Wenn du jetzt nicht mit mir spielst, bin ich nicht mehr dein Freund!“
  • „Wenn du nicht tust, was ich sage, lade ich dich nicht zum Geburtstag ein.“

Dieses unerwünschte Verhalten kann sich schneller als gedacht verselbstständigen. Dann wird es zur Regel, dass das mobbende Kind andere unter Druck setzt. Beispielweise so:

  • „Wenn du mir nicht die Schokolade aus deiner Brotzeitdose schenkst, spiele ich nicht mehr mit dir.“
  • „Bringe mir ein Kuscheltier von zu Hause mit, sonst darfst du nicht mehr zu mir nach Hause zum Spielen kommen.“
  • „Du darfst nicht mit Lea spielen. Wenn du es trotzdem tust, bin ich nicht mehr deine Freundin.“

Reagieren Sie rechtzeitig

Zeigen Sie dem Kind deutlich, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Kinder, die andere durch solche Äußerungen unter Druck setzen, erkennen meist nicht von alleine, dass ihr Verhalten falsch ist. Reagieren Sie wie im Muster.

Reaktionsmöglichkeiten bei Mobbing

1. Beenden Sie die Mobbing-Situation sofort

Sagen Sie z. B.: „So gehen wir hier in der Kita nicht miteinander um. Jedes Kind darf sich alleine aussuchen, mit wem es spielen möchte. Nina darf mit Lea spielen, wenn sie dies möchte. Du kannst fragen, ob du auch mitspielen darfst. Du hast nicht zu bestimmen, dass Nina dann nicht mehr mit dir spielen darf.“

2. Sprechen Sie mit den Kindern über die Drohungen

Fragen Sie das dominante Kind, wie es ihm gehen würde, wenn sein Freud so über ihn bestimmen und ihm drohen würde, nicht mehr mit ihm zu spielen.

3. Erarbeiten Sie Regeln

In kleinen Gruppen sollten Sie mit den Kindern Regeln für einen fairen Umgang miteinander erarbeiten, z. B.

  • wie Kinder zusammen spielen können, ohne einen anderen auszugrenzen,
  • dass kein Kind ausgelacht wird,
  • dass jedes Kind laut „Stopp“ rufen darf, wenn es sich bedrängt fühlt.

Fazit

Mobbing fängt meist harmlos an. Erste Anzeichen dafür können Sie bereits im Kindergarten beobachten. Informieren Sie Kollegen und gehen Sie gemeinsam mit aller Kraft und Entschlossenheit gegen das Mobbing vor.

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