Demokratie und Mitbestimmung der Kita-Kinder


12.02.2018

Demokratie ist etwas Großes: Unser Staat ist eine Demokratie. Demokratie leben wir aber auch im Kleinen, z. B. in einem Gespräch, in dem die Beteiligten sich gegenseitig zuhören und die Meinung Andersdenkender respektieren. Oder auch, indem wir die Kinder fragen und diese unter sich: „Wer ist dafür, dass wir es so machen?“

Demokratie erkennt alle Beteiligten als gleichwertig, aber nicht als gleich an. Sie fördert das eigenständige Denken und lehrt, Verantwortung für sich selbst und für die Mitmenschen zu übernehmen. Bereits in Ihrer Einrichtung können die Kinder eine demokratische Grundhaltung erlernen. Hier 4 Tipps, wie das gelingt.

1. Tipp: Fördern Sie echte Dialoge

Miteinander zu sprechen heißt nicht automatisch, einen echten Dialog zu führen. In einen konstruktiven Dialog treten Kinder dann, wenn sie gelernt haben, einander zuzuhören, Antworten auf das zuvor Gesagte zu geben, persönliche Erkenntnisse oder Meinungen zu äußern und den Gesprächspartner zu respektieren.
In Ihrer Gruppe ergeben sich tagtäglich viele Möglichkeiten, solche demokratischen Dialoge anzuregen, z. B. beim gemeinsamen Essen, beim Spazierengehen oder beim gemeinsamen Arbeiten. Hören Sie den Kindern zu, wenn sie erzählen, und vertiefen Sie dieses Gespräch z. B. durch Äußerungen wie:
  •  „Warum ist das so?“
  •  „Wie siehst du das?“
  •  „Sind alle hier dieser Meinung?“
  •  „Welche Möglichkeiten siehst du noch?“
Durch diese Fragen lernen die Kinder, sich kritisch mit einem Thema oder Sachverhalt auseinanderzusetzen. Natürlich müssen auch Sie selbst in einen echten Dialog mit anderen treten. Das heißt, dass Sie die Kinder ernst nehmen, ihre Meinung als gleichwertig anerkennen und bereit sind, von ihnen zu lernen. Das ist manchmal eine große Herausforderung.

2. Tipp: Erarbeiten Sie gemeinsam Lösungen

Melanie hat Langeweile. Jörg ist sauer, weil es regnet und das Picknick ins Wasser fällt. Überlegen Sie bereits, wie diese Probleme gelöst werden können? Dann sind Sie schon einen Schritt zu weit! Denn diese Probleme sollen und können die Kinder selbst lösen. Mit der Frage „Hast du eine Idee, wie du das Problem lösen kannst?“ setzen Sie den Lösungsprozess der Kinder in Gang.
Noch effektiver gelingt Ihnen diese Strategie, wenn es um Probleme oder Fragen einer Klein- oder der Gesamtgruppe geht. Definieren Sie zunächst das Problem: „Ihr wollt picknicken, aber draußen regnet es“, und fragen Sie dann konkret nach Lösungen: „Wie können wir das Problem lösen?“

3. Tipp: Geben Sie Raum für Mitbestimmung

Viele Fragen müssen Sie nicht selbst beantworten, sondern sie sollten in der Gruppe diskutiert werden. Gelungene Beispiele für Mitbestimmung zeigen sich dann, wenn die Kinder den nächsten Ausflug, die Umgestaltung von Räumlichkeiten,  das Geschenk für die Eltern oder die Vorführung zum Herbstfest bestimmen dürfen. Sie selbst haben die wichtige Aufgabe, das Ergebnis als neutrale Moderatorin anzuerkennen, auch dann, wenn es nicht Ihren Wünschen entspricht.
Diesen demokratischen Prozess können Sie hervorheben, indem die Kinder ihre Vorschläge aufmalen und diese anschließend aushängen.

4. Tipp: Gehen Sie das Risiko ein, dass Fehler gemacht werden

Fehler sind menschlich und gehören zu je- dem Lernprozess dazu. Denn sie zeigen, was noch fehlt. Deshalb ist es wichtig, dass die Kinder ihre eigenen Ideen ausprobieren dürfen – auch mit dem Risiko, dass sie Fehler machen. Nur wenn die Kinder erleben, dass z. B. eine vereinbarte Regel nicht funktioniert, wird ihnen bewusst, dass sie wichtige Aspekte nicht bedacht haben. Gestehen auch Sie selbst sich Fehler zu. Denn sonst strahlen Sie die Neigung zur Perfektion aus und hemmen die Kinder.
Haben Sie einen Fehler gemacht, sprechen Sie ihn vor den Kindern offen an. So erfahren sie, dass Fehler nicht nur erlaubt sind, sondern dazugehören. Diese Methoden kosten Sie weder Zeit noch zusätzliche Arbeit, dafür aber die Bereitschaft und den Mut, sich selbst als Lernende zu betrachten. Doch dafür werden Sie reich belohnt: mit dem Staunen darüber, wozu Kinder fähig sind und wie kreativ sie ihre Welt gestalten!
Wichtiger Hinweis: Um solche demokratischen Problemlösungen in Ihrer Arbeit zu verankern, müssen die Kinder die Erfahrung machen, dass sie ihre Ideen dann auch durchführen dürfen. Darauf müssen Sie sich einlassen können.

5. Tipp: Achten Sie auf sinnvolle Grenzen

Regeln und Grenzen geben den Kindern eine Orientierung für das im Zusammenleben gewünschte Verhalten. Legen Sie sinnvolle
  • Grenzen fest um den Kindern eine Handlungsorientierungen zu geben. Dabei sollten Sie auf Folgendes achten:
  • Formulieren Sie die Grenzen klar (z. B. bei Gewalt gegen andere Kinder);
  • Grenzen nicht einzuhalten hat logische Konsequenzen,
  • Grenzen sind veränderbar und dem Entwicklungsstand anzupassen;
  • Überdenken Sie die Grenzen bei guten Argumenten der Kinder oder einer veränderten Ausgangslage. Treten Sie hierzu mit den Kindern in einen Dialog wie im 1. Tipp beschrieben.
  • Suchen Sie gemeinsam nach neuen Regeln.
Überlegen Sie sich bei Regeländerungen genau, was anders geregelt werden könnte, um das Problem zu lösen.

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