So fördern Sie Konzentration und Ausdauer im Kita-Alltag


17.04.2017
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Diese Situation gehört zu Ihrem Alltag: Immer wieder bemerken Sie in Ihrer Gruppe Kinder, die sprunghaft und fahrig wirken. Sie wandern umher und können sich nicht richtig oder nur für kurze Zeit auf ein Spiel einlassen. Lesen Sie hier, was Sie im Kita-Alltag für diese Kinder tun können, um ihre Konzentration und Ausdauer zu fördern. Mit den folgenden Übungen sind Sie dabei erfolgreich.

Praxisbeispiel: Leander ist 5 Jahre alt. Er besucht die Kita „Sonnenschein“ bereits seit 2,5 Jahren. Leander kann sich nicht lange auf ein Spiel einlassen. Meist unterbricht er es nach spätestens 5 Minuten. Dann läuft er im Gruppenraum umher und sucht nach anderen Beschäftigungen. Bei Gesprächen schweift er noch schneller ab und hantiert an seiner Kleidung oder schaut aus dem Fenster und beobachtet die Vögel. Seine Erzieher wollen ihm helfen und überlegen, was zu tun ist, um die Ausdauer des Jungen zu fördern.

So gehen Sie vor: Nutzen Sie immer wieder eine der folgenden Ausdauerübungen, um Kindern wie Leander zu helfen. Solchen Kindern fällt es zwar deutlich schwerer als Gleichaltrigen, sich zu konzentrieren und sich ausdauernd einer Sache zu widmen. Doch diese Fähigkeiten können sie Schritt für Schritt entwickeln und ausbauen, wenn sie darin gefördert werden. Achten Sie besonders darauf, solche Übungen anzubieten, die sich in den normalen Tagesablauf integrieren lassen. Das ist einerseits wichtig für die Konzentration und andererseits erleben diese Kinder dann, dass sie ein „normales“ Mitglied der Kindergruppe sind und keine Ausnahme bilden.

Die Übungen sind für Kinder ab 5 Jahren geeignet.

Übung 1: Exakt beschreiben

Die Kinder sitzen mit dem Erzieher im Kreis. Ein Kind meldet sich freiwillig und beschreibt akkurat einen Gegenstand, ohne den Gegenstand beim Namen zu nennen. Die anderen Kinder melden sich und versuchen, den Gegenstand zu erraten. Schaffen sie das nicht, so dürfen die Kinder Fragen stellen, die das Kind, das den Gegenstand beschrieben hat, nur mit Ja oder Nein beantworten darf. Das Kind, das den Gegenstand erraten hat, ist als Nächstes an der Reihe. Falls es nichts beschreiben möchte, so darf es ein anderes Kind auswählen, das sich freiwillig meldet.

Übung 2: Kette aus Worten

Die Kinder sitzen mit einem Erzieher im Kreis. Das 1. Kind nennt ein zusammengesetztes Hauptwort, z. B. Hundeohr. Das nächste Kind überlegt und bildet mit dem Wort Ohr ein neues zusammengesetztes Nomen, z. B. Ohrring. Das nächste Kind sagt z. B. Ringfinger usw.

Mit Ihrer Hilfe gelingt es den Kindern, sich minutenlang auf immer neue zusammengesetzte Wörter zu konzentrieren. Spielen Kinder mit, die jünger als 5 Jahre sind, gilt diese Regel: Sie dürfen sich ein Kind auswählen, das ihnen beim Raten hilft.

Übung 3: Stille ertragen und selbst ruhig sein

Ziel dieser Übung ist es, die Kinder in die Lage zu versetzen, für eine vorher festgelegte Zeit still zu sein. Sie verharren in Ruhe, indem Sie laut- und regungslos dasitzen. Sprechen, Aufstehen oder die Verständigung in Zeichensprache ist nicht erlaubt. Manchen Kindern fällt es leichter, ruhig zu sein, wenn sie während der Übung die Augen schließen. Bitten Sie die Kinder, selbst auszuprobieren, was ihnen leichter fällt.

So steigern Sie die Schwierigkeit der Übung:


2 Kinder sitzen sich bei der Stilleübung gegenüber und müssen sich an die vereinbarten Stilleregeln halten. Wählen Sie am Anfang eine sehr kleine Zeitspanne, damit die Kinder erst einmal einen Erfolg erleben. Verlängern Sie dann schrittweise die Zeitdauer. Dadurch steigern die Kinder ihre Konzentrationsfähigkeit. Beginnen Sie zunächst mit 30 Sekunden und steigern Sie die Zeit jeweils um weitere 10 Sekunden. Manchen Kindern hilft eine Sanduhr, weil sie sich dann auf das Durchrieseln des Sandes konzentrieren.

 

 

Übung 4: Geschichte aus Worten 

Bei dieser Übung sagt jedes Kind ein Wort. Das 1. Kind nennt ein Wort, das nächste wiederholt dieses Wort und fügt sein Wort an. Ziel dieser Übung ist es, nicht nur eine Wortschlange zu bilden, sondern eine verständliche Geschichte zu entwickeln. Um dies zu erreichen, müssen alle Kinder stark konzentriert sein. Das zu trainieren ist Ziel und Zweck der Übung.

Beispiel:

Ich
Ich bin
Ich bin heute
Ich bin heute ganz
Ich bin heute ganz schön
Ich bin heute ganz schön erschrocken
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf meiner
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf meiner Schulter
Ich bin heute ganz schön erschrocken, als ein Papagei auf meiner Schulter landete.

Fazit

Die Schulung von Ausdauer und Konzentration ist für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig. Mit unseren Übungen macht ihnen diese Aufgabe sogar Spaß.

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