Reggio-Pädagogik – 4 Tipps für Ihre Kita


24.02.2016
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Reggio, Montessori, Waldorf – viele pädagogische Ansätze beinhalten Ideen und Prinzipien, die den Alltag jeder Kindertageseinrichtung erweitern. Holen Sie sich mit Ansätzen aus der Reggio-Pädagogik ein Stück italienische Leichtigkeit und Kreativität in Ihre Kita.
In der Reggio-Pädagogik werden Kinder als eigenständige Persönlichkeiten gesehen. Alle Räume in der Kita sind so eingerichtet, dass die Kinder ohne Aufforderung tätigwerden können. Die Erzieherin dokumentiert alle Tätigkeiten der Kinder mit Bildern, ergänzenden Beschriftungen auf Zeichnungen und Fotos. Als Beobachterin analysiert sie, welche Bedürfnisse und Materialien die Kinder benötigen, um sich selbsttätig zu entwickeln.

Nachfolgend finden Sie 4 Tipps, wie Sie Prinzipien der Reggio-Pädagogik ohne Aufwand in Ihrer Kita umsetzen können.

Tipp 1 für eine gelungene Reggio-Pädagogik: Spieglein, Spieglein an der Wand

Spiegel haben in der Reggio-Pädagogik eine wichtige Funktion. Aufgrund ihrer Eigenschaften regen Spiegel Kinder dazu an, sich selbst auf vielfältigste Art und Weise neu zu entdecken. Das Spiegelbild zeigt Gefühle, Grimassen, Stimmungen und unterstützt die Wahrnehmung.

Wo haben die Kinder in der Kita die Chance, sich ungestört in runden, eckigen, gebogenen Spiegeln immer wieder zu betrachten? Vielleicht finden Sie im Hausflur Ihrer Einrichtung eine lange, unbenutzte Wand, an der Sie auf Kinderaugenhöhe verschiedene Spiegel montieren können. Auch Ihr Kita-Gruppenraum eignet sich für Erfahrungen mit Spiegeln. Überlassen Sie den Kindern Taschenspiegel, Frisierspiegel oder Spiegelkartons, damit sie selbsttätig sich und die Umwelt erforschen können. Die Erzieherin kann das Kind anregen, sich immer wieder im Spiegel selbst zu betrachten.

 

 

Tipp 2 für eine gelungene Reggio-Pädagogik: Spornen Sie Kinder zur Maßarbeit an

Kinder kommen immer wieder zu Ihnen und fragen Sie: „Wer von uns beiden ist größer, Max oder ich?“ Oder Julia  und Eva diskutieren darüber, welche von beiden die längeren Haare hat.

Regen Sie die Kinder an, Maße selbst zu bestimmen. Beispielsweise können die Kinder anhand ihrer Schuhe selbst messen, wie lang eine Schnur ist. Dazu zieht ein Kind seinen Schuh aus und stellt ihn immer wieder neben die Schnur auf dem Boden, bis das Schnurende erreicht ist. „10-mal mein Schuh, so lang ist meine Schnur.“ Oder die Kinder bekommen eine Balkenwaage, um Frühstücksdosen, Kastanien oder Steine selbst auszuwiegen. Stellen Sie den Kindern Ideen vor, wie sie selbst Maßeinheiten finden können. Dadurch werden nicht nur mathematische Fähigkeiten geschult, die Kinder lernen zudem, eigene Problemlösestrategien zu entwickeln, sie werden selbsttätig zu Forschern und Entdeckern.

Tipp 3 für eine gelungene Reggio-Pädagogik: Richten Sie eine eigene Piazza ein

Die Piazza ist in der Reggio-Pädagogik der Eingangsbereich. Dieser Bereich ist von vornherein nicht als Flur, wie in unseren Einrichtungen, konzipiert. Er ist vielmehr Marktplatz und Treffpunkt. Die Piazza ist der zentrale Raum, von dem aus alle weiteren Räume abzweigen.
In der Regel verfügt Ihre Kita nicht über diese bauliche Voraussetzung, aber einen Flur haben Sie bestimmt. Die Piazza ist geprägt von Spielecken, Spiegeln, Bildern, Basteltischen und Verkleidungsecken. Der Flurbereich der Kita wird von den Kindern als zusätzlicher Raum angenommen. Gehen Sie auf Kinderaugenhöhe durch Ihren Flur und suchen Sie nach Ecken, Wänden oder freien Plätzen für kleine Tische, auf denen Sie zusätzliche Spielanregungen für die Kinder anbieten können. Der Austausch der Kinder unterschiedlicher Gruppen und der Kontakt zu anderen Erzieherinnen, die durch den Flur gehen, bereichern den  Erfahrungsschatz und die Kommunikationsfähigkeit der Kinder.

Tipp 4 für eine gelungene Reggio-Pädagogik: Eröffnen Sie Mini-Ateliers in allen Gruppen

Das Mini-Atelier ist ein fester Bestandteil des Raumkonzeptes in der Reggio-Pädagogik. In diesem Raum erfahren die Kinder Ordnung und Unordnung, sie verändern Gemälde und Kunstwerke und erschaffen sie immer wieder neu.
Da in den meisten Kitas kein freier Raum für ein Atelier zur Verfügung steht, richten Sie in jedem Gruppenraum ein Mini-Atelier ein. Dazu genügt eine Nische beim Maltisch, ein freies Plätzchen im Wintergarten oder ein Tisch im Flurbereich. Stellen Sie den Kindern jeden Tag frei zugänglich und ohne Vorgaben Staffeleien, Farben, Pinsel, Papier verschiedenster Art und dergleichen zur Verfügung. Die Kinder erleben sich an diesem Ort als Künstler. Sie leben ihre momentanen Stimmungen und Gefühle aus und übertragen diese Kreativität auf weitere Alltagssituationen. Als Anregung können Sie Kunstdrucke oder Bildbände in der Atelierecke zur Verfügung stellen.
Forschungsdrang und Kreativität sind den Kindern angeboren. Sie können Kinder nur fördern und begleiten, wenn Sie sie verstehen. Um zu verstehen, sind in der Reggio-Pädagogik Beobachtungen sehr wichtig: Beobachten Sie, was Kinder sagen, was und wie sie spielen, tanzen, malen, singen und wie sie sich bewegen, insbesondere, wie sie an Dinge und neue Aufgaben herangehen. Wenn Sie Begleiterin und Vertraute der Kinder sind, ist es wichtig, dass Sie sich am Kind orientieren – nicht umgekehrt.
Gehen Sie aufmerksam durch Ihre Einrichtung und lassen Sie sich von den Tipps aus Reggio Emilia inspirieren. Sicher entdecken Sie eine Nische für Spiegel, eine freie Wand für Bilder oder im Flurbereich Platz für einen Tisch mit Spielen. Setzen Sie die Tipps um, die zu Ihrer Einrichtung passen, und freuen Sie sich auf die Reaktionen der Kinder und Eltern.
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