Reggio-Pädagogik – die wichtigsten Elemente


15.02.2016
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Obwohl die 1. Reggio-Einrichtung schon 1945 entstand, gewann die Reggio-Pädagogik erst in den 70er Jahren auf internationaler Ebene an Anerkennung. Die Reggio-Pädagogik bedeutet eine ganzheitliche und individuelle Förderung des Kindes. Sie kann Ihnen wertvolle Impulse geben.

 

1. Kinder werden in der Reggio-Pädagogik als eigenständige Persönlichkeiten behandelt

Reggio-Pädagogen sehen Kinder als eigenständige Persönlichkeiten an. Wenn Sie nach diesem Bild vom Kind arbeiten möchten, nehmen Sie die Rolle der Vertrauten, Begleiterin, Zuhörerin und Beobachterin ein, während sich die Kinder in der Rolle der Künstler und Forscher verwirklichen und ausleben können. Forschungsdrang und Kreativität sind den Kindern angeboren.
Die Reggio-Pädagogik geht davon aus, dass Sie Kinder nur fördern und begleiten können, wenn Sie sie verstehen. Um zu verstehen, sind Beobachtungen sehr wichtig: Beobachten Sie, was Kinder sagen, was und wie sie spielen, tanzen, malen, singen und wie sie sich bewegen, insbesondere wie sie an Dinge und neue Aufgaben herangehen.
Wenn Sie Begleiterin und Vertraute der Kinder sind, ist es wichtig, dass Sie sich am Kind orientieren – nicht umgekehrt. Statt statischer Planung sind in der Reggio-Pädagogik vor allem Improvisation und Mut zu einem offenen Ende gefordert. Wenn sich Kinder beispielsweise im Freispiel plötzlich die Frage stellen, wie ein Regenbogen entsteht, sollten Sie diese Frage ernst nehmen, aufgreifen und mit den Kindern gemeinsam bearbeiten. Auch wenn das Ihre Tagesplanung durcheinanderbringt.

 

 

2. Kinder lernen bei der Reggio-Pädagogik ganzheitlich

Die Reggio-Einrichtungen sind ganzheitliche Erfahrungsstätten. Ermöglichen Sie den Kindern daher, Erfahrungen im sozialen, emotionalen, körperlichen und geistigen Bereich zu sammeln. Erst durch die Wahrnehmung können die Kinder sich und die Welt erfahren. Sprechen Sie immer viele unterschiedliche Sinne des Kindes an.
Die Reggio-Pädagogik baut darauf auf,  den Kindern die Möglichkeit eröffnen, sich auf viele unterschiedliche Weisen auszudrücken. Wenn sich Kinder mit Themen wie Angst beschäftigen, regen Sie sie an, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen, indem sie auch alle Ausdrucksmöglichkeiten ausschöpfen. Beispielsweise können Kinder Angst durch Rollenspiele, Tanz, Gesang, Spiel verschiedener Instrumente, Singen bis hin zum Gestalten darstellen.

Künstlerisches Arbeiten hat in Reggio-Einrichtungen einen hohen Stellenwert. Gestaltung ist eine Möglichkeit, die Welt zu verstehen und seinen Platz in ihr zu finden. Vermitteln Sie den Kindern neue Techniken der kreativen Gestaltung wie das Malen mit Ölfarben, Künstlerkreide, Tinte oder Kohlestift. Das Arbeiten mit Ton und Holz gehört auch dazu. Beherrschen die Kinder die Gestaltungstechniken, können Sie diese Angebote fest in das Freispiel integrieren.

Kinder haben einen angeborenen Forschungsdrang. Fordern Sie diesen heraus. Kinder benötigen dafür aus allen Bereichen Anregungen – von Kunst über Mathematik bis zur Biologie. Selbst wenn es sich für Sie scheinbar um Themen der Erwachsenenwelt handelt: Sie können auch mit Kindern philosophieren, Gedichte interpretieren oder ihnen die Frage stellen, wie ein Computer funktioniert.
Kinder sind nach Ansicht von Reggio-Pädagogen Forscher und Wissenschaftler. Damit sie ihren Forschungsdrang ausleben können, sollten Sie den Kindern Dinge zur Verfügung stellen, mit denen sie experimentieren können Rohre und Schläuche für Wasserexperimente, Taschenlampen und Spiegel für Lichtspiele, Lupen, Fernrohre, Mikroskope sind besonders gut geeignet, damit Kinder eigenständig Dinge und Sachverhalte untersuchen und Zusammenhängen nachgehen können.

 

3. Räume sind Erzieher

Räume werden in Reggio-Einrichtungen als aktive Gesprächspartner des Kindes betrachtet. Ihre Räume haben Einfluss auf die Kinder und sollten deshalb ästhetisch und anregend gestaltet sein. Hängen Sie doch Kunstdrucke von Picasso oder Monet auf und stellen Sie ansprechende Plastiken auf. Muscheln, schöne Tonkacheln und Steine sind weiterer ästhetischer Blickfang. Sorgen Sie für sinneanregende Materialien wie Spiegel und farbige nLichtquellen. Ihre Einrichtung sollte die Kultur Ihrer Umgebung und die Alltagserfahrungen der Kinder widerspiegeln.
Dadurch können sich die Kinder mit Dingen auseinandersetzen, die sie erleben und angehen. Wenn Sie im Ruhrgebiet wohnen, können Sie beispielsweise Kohle, Erz, Grubenlampen und Fotos von Fördertürmen ausstellen. Statt teurer Möbel und Spielzeuge aus dem Katalog können Sie Gegenstände aus dem Alltag der Kinder zusammen- tragen, wie Töpfe, eine alte Schreibmaschine und Porzellangeschirr zum Spielen. Ein schöner Stuhl oder ein alter Nachttisch sorgen für Gemütlichkeit und Identifikation. Außerdem tragen diese Gegenstände zur einzigartigen Gestaltung Ihrer Einrichtung bei. Sie verleihen Ihrem Kindergarten ein besonderes Gesicht.

4. Sprechende Wände

Das Aushängen von Wandtafeln, Dokumentationen, Fotos, Plastiken und Gestaltungsarbeiten der Kinder informiert die Eltern und gibt den Kindern Bestätigung für ihre Arbeit.
Viele Dinge der Reggio-Pädagogik können Sie mit Ideenreichtum und wenig Geld umsetzen. Haben Sie Mut zur Veränderung. Die Kinder werden Ihre Anregungen dankbar aufnehmen.
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