Emotionale Kompetenz von Kleinstkindern fördern


21.12.2016
Share Button

Kleinstkinder erleben ihren Alltag mit allen Sinnen. Diese Erfahrungen lösen bei den Kindern einen wahren Wirbelsturm an Gefühlen aus: Sie fühlen sich glücklich, wütend, erstaunt, ängstlich, geborgen, neugierig oder überfordert. Kleinstkinder lernen erst mit der Zeit, ein Gefühl vom anderen abzugrenzen. Etwa am Ende des 2. Lebensjahres können die Kinder dann nach und nach ihre Gefühle benennen. Sie als Bezugsperson können die Kinder dabei im Alltag unterstützen.

 

7 Tipps, wie Sie die emotionale Kompetenz Ihrer Kinder fördern

Emotionale Kompetenz bei Kleinstkindern fördern Sie am besten durch Ihre Feinfühligkeit. Durch Ihr aufmerksames Beobachten erkennen Sie, wie es den Kindern geht und welche Gefühle sie gerade vermutlich haben. Das ist gerade bei Kleinstkindern, die sich sprachlich noch nicht ausdrücken können, wichtig. Denn sie können noch nicht verbalisieren, welches Gefühl sie gerade haben und welches Bedürfnis dahintersteckt. Das Einordnen der eigenen Gefühle ist für Kleinstkinder wichtig, damit sie nach und nach mit Gefühlen umgehen lernen.

Mit den folgenden 7 Tipps helfen Sie den Kindern, bestimmte Gefühle zu benennen und ihre Gefühlszustände mit der Zeit selbstständig zu regulieren:

 

 

1. Tipp: Seien Sie „Gefühl- Detektivin“ beim Kleinstkind

Das sollte Ihre Grundlage für die Förderung der emotionalen Kompetenz bei Kleinstkindern sein: Achten Sie im Kontakt mit den Kindern auf deren Mimik, Gestik und Körperhaltung. Diese Signale können Ihnen Aufschluss über die Gefühlslage des Kindes geben. Beispiele: Lacht ein Kind und streckt es Ihnen die Arme entgegen, zeigt das Kind Ihnen, dass es sich freut und gerne mit Ihnen im Kontakt ist. Dreht ein Kind seinen Kopf weg und windet es seinen Körper, signalisiert es: „Das tut mir nicht gut. Ich fühle mich nicht wohl damit. Bitte lass das oder hilf mir, dass die Situation beendet werden kann.“

 

2. Tipp: Sagen Sie dem Kind, welches Gefühl Sie vermuten

Verbalisieren Sie Ihre Beobachtungen und Vermutungen. Stellen Sie fest, dass ein Kind etwas genießt und dass es sich gerade richtig wohl fühlt, können Sie z. B. sagen: „Das gefällt dir! Da freust du dich.“ Oder: „Das hat nicht geklappt. Deshalb stampfst du auf den Boden. Ich glaube, du ärgerst dich.“

 

3. Tipp: Zeigen Sie dem Kind, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat

Bewerten Sie die vermuteten Gefühle des Kindes nicht. Denn Gefühle sind eine natürliche Reaktion auf Wahrnehmen und Erleben und weder richtig noch falsch. Weint ein Kind und zeigt Ihnen so, dass es Schmerzen hat oder enttäuscht ist, dann sprechen Sie Ihre Vermutung aus. Wichtig ist, dass Sie aber die Gefühle des Kindes nicht bagatellisieren, z. B. indem Sie sagen würden: „Ist ja nicht so schlimm. Ist gar nichts passiert.“

 

4. Tipp: Reagieren Sie achtsam auf die gezeigten Gefühle

Nehmen Sie die Gefühle des Kindes ernst, und reagieren Sie schnell und angemessen darauf. Zeigt Ihnen ein Kind z. B. durch das Abwenden des Körpers beim Wickeln, durch Winden seines Körpers oder einen verdrießlichen Gesichtsausdruck,dass es sich unwohl fühlt, dann beenden Sie sofort Ihre Tätigkeit. Das Kind mag es nämlich z. B. nicht, an dieser Stelle mit kalten Händen berührt zu werden, oder das Kitzeln fühlt sich für das Kind im Augenblick zu wild an. Indem Sie die Gefühle des Kindes respektieren und ernst nehmen, tragen Sie übrigens nicht nur zur Entwicklung der emotionalen Kompetenz beim Kind bei. Sie setzen den Gedanken der Partizipation, also des Rechtes auf Mitbestimmung und Teilhabe des Kindes bei allen Belangen, die es persönlich betreffen, auch aktiv um.

 

5. Tipp: Helfen Sie dem Kind, sich wieder zu regulieren

Bieten Sie dem Kind Unterstützung an, sich bei starken Gefühlswallungen wieder zu regulieren. Fühlt ein Kind sich aufgekratzt, entmutigt oder wütend, wird es sich an Sie als Bezugsperson wenden. Es sucht dann Ihre Aufmerksamkeit, Nähe oder Trost bei Ihnen. Gehen Sie auf dieses Bedürfnis ein, indem Sie z. B. anbieten, dass das Kind auf Ihrem Schoß sitzen kann, oder indem Sie das Kind in den Arm nehmen. Sagen Sie dem Kind, was Sie beobachten und wie Sie reagieren, z. B.: „Du hast dich gestoßen. Hat das weh getan? Ich streichle dich jetzt ein bisschen. Du kannst dabei einfach auf meinem Schoß sitzen. Wenn es dir wieder bessergeht, kannst du wieder aufstehen und weiterspielen.“

 

6. Tipp: Zeigen Sie selbst Gefühle gegenüber den Kindern

Gerade Kleinstkinder haben besonders feine Antennen dafür, wenn sich z. B. die Stimmung der Person ihnen gegenüber verändert. Stellen Sie bei sich selbst ein starkes Gefühl fest, sollten Sie dieses vor Kleinstkindern auch nicht „geheim halten“. Am besten sprechen Sie Ihre eigenen Gefühle kleinstkindgerecht im Alltag an, z. B.: „Heute bin ich müde.“ Oder: „Ich freue mich so darüber, dass heute die Sonne scheint.“

 

7. Tipp: Machen Sie abstrakte Gefühlsbegriffe begreifbar

Fangen Kleinstkinder zu sprechen an, kennen sie zuerst Worte, die Dinge in ihrer Umgebung benennen, z. B. „Miau“ für Katze oder „Nana“ für Banane. Ab ca. 2 Jahren, wenn der Wortschatz bereits größer ist, kommen Worte für abstrakte Dinge dazu, z. B. „Aua“ für Schmerz. Sie können den Kindern dabei helfen, für Befindlichkeiten Worte zu finden, indem Sie Gefühle z. B. als Bilder anbieten. Machen Sie Fotos von verschiedenen Gesichtsausdrücken, die Freude, Wut, Angst oder Trauer zeigen. Diese Fotos kleben Sie auf Kartonkarten.

Sie können dann im Gespräch mit dem Kind die Fotokarten dazunehmen. Zeigen Sie auf das entsprechende Foto, wenn Sie ein Gefühl beim Kind vermuten. Oder Sie nehmen eine Handpuppe. Diese zeigt dann durch „Verstecken“, wenn sie Angst hat, oder durch eine offene, freudigbewegte Haltung, wenn sie glücklich ist. Das kann dem Kind helfen, Parallelen zu seinen eigenen Gefühlen zu erkennen.

Wichtig ist, dass Sie dazu immer verbalisieren, was Sie denken und was auf den Fotos bzw. bei der Handpuppe zu sehen ist: „Ich glaube, du freust dich. Schau, geht es dir so wie unserer Kuschelmaus? Die hüpft vor Freude auf und ab!“

 

Die emotionale Entwicklung von Kleinstkindern

Ein 1-jähriges Kind kann Ihnen noch nicht sagen, was es fühlt. Eine 2-Jährige findet dafür schon erste Worte. Darum brauchen die Kinder je nach Alter und Entwicklung mehr oder weniger Unterstützung dabei, ihre Gefühle zu erkennen und zu benennen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie wissen, wie die emotionale Entwicklung bei Kindern abläuft. Wichtig ist, dass Sie hier den Grundsatz anwenden: „Nicht allen Kindern das Gleiche, sondern für jedes Kind das, was es braucht.“ Das bedeutet: Bei Kindern, die noch nicht sprechen, finden Sie Worte für die Gefühle des Kindes. Hat z. B. ein  2-jähriges Kind selbst ein Wort für ein Gefühl gefunden, nehmen Sie das auf. Verbessern Sie das Kind nicht. Sie können daneben aber natürlich das „richtige“ Wort dafür einfließen lassen, z. B.: „Du hast da ein Aua. Das tut dir weh.“

 

Fazit: Wenn Sie alle Tipps berücksichtigen und altersentsprechend anwenden, profitieren die Kleinstkinder in Ihrer Kita oder Krippe auf vielfältige Weise: Sie werden nach und nach Worte für ihre Gefühle haben – und sie fühlen sich von Ihnen ernst genommen, verstanden und angenommen. Das schafft Vertrauen und stärkt die Bindung zwischen Ihnen und den Kindern. Das ist ein wichtiger Grundstein für eine gesunde und gute Entwicklung.

Share Button

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

„Nein, nein, nein!“ – Wie Trotz Kinder zur Selbstständigkeit führt

12. November 2014

In einer Gruppe mit Kleinstkindern kann man solche Szenen täglich erleben: Leon schreit verzweifelt, weil er den Bagger haben möchte, mit dem Emmi gerade spielt. Lina schmeißt sich auf den Boden und tritt mit den Füßen,... Mehr erfahren

So gelingt die Eingewöhnung von Flüchtlingskindern

2. August 2017

Die Eingewöhnung von Flüchtlingskindern ist eine sehr fordernde Zeit, die von allen Beteiligten als anstrengend und belastend empfunden wird. Besonders schwierig gestaltet sie sich, wenn die Sprachbarriere hoch und eine... So gelingt die Eingewöhnung von Flüchtlingskindern

Ostern: So vermitteln Sie Kindern das Fest

27. März 2017

Ostern zählt zu den großen christlichen Festen, obwohl es in der allgemeinen Wahrnehmung hinter Weihnachten zurückfällt. An Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesu von den Toten. Wenn es schon den Erwachsenen schwer... Darum feiern wir Ostern


Nein, Danke

Kleinstkinder sicher betreuen und fördern

Endlich Land in Sicht: Vereinfachen Sie sich jetzt die Arbeit mit Unter-3-Jährigen!

Jetzt kostenlos testen!

© 2017 PRO Verlag, Bonn