Jede Familiensprache ist für Ihre pädagogische Arbeit wichtig


22.11.2017
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Kinder, die aus einem anderen Land nach Deutschland und in Ihre Einrichtung gekommen sind, haben bereits eine einschneidende Erfahrung gemacht: Die Familie hat viele Brücken hinter sich abgebrochen, um in einem anderen Land zu leben. Indem Sie die Familiensprache des Kindes in Ihre pädagogischen Angebote einbeziehen, können Sie eine neue Brücke bauen, hin zu dem Kind und seiner Familie: Sie zeigen Ihre Wertschätzung und heißen auf eine persönliche Art willkommen. Doch auch, wenn das Kind schon länger hier lebt, kann diese Sprachbrücke aussagen: „Du bist uns mit deiner Geschichte und deiner Herkunft wichtig und etwas ganz Besonderes!“

Doch welchen Stellenwert haben die verschiedenen Familiensprachen in Ihrer pädagogischen Arbeit tatsächlich? Können Sie eine stabile Brücke bauen oder bleiben Ihre Ideen hinter dem Alltag mit all seinen Forderungen zurück? Finden Sie heraus, ob die Kinder und ihre Eltern die Wertschätzung ihrer Sprache und Kultur in Ihrer Einrichtung erleben und sehen und hören können!

1. Tipp: Sprachen optisch sichtbar machen

Jede Familie soll sich bei Ihnen in der Einrichtung willkommen fühlen. Verleihen Sie diesem Wunsch Ausdruck, indem Sie einen Willkommensgruß in jeder Sprache aufhängen. So können die Kinder Ihrer Einrichtung auch optisch einen Eindruck von der Vielfalt der Sprachen bekommen. Vielleicht können Sie auch ein Projekt machen, in dem Sie die unterschiedlichen Schriftsprachen thematisieren, z. B. indem Sie hebräische oder arabische Schriftzeichen mit den Kindern erarbeiten.

2. Tipp: 2-sprachige Erzieherin einstellen

Gerade wenn Sie eine Einrichtung leiten, die durch einen hohen Anteil fremdsprachiger Kinder geprägt ist, sollten Sie überlegen, eine 2-sprachige Erzieherin einzustellen. Diese sollte fließend die deutsche und die fremde Sprache sprechen, damit es keine Verständigungsprobleme zwischen Ihnen, den Eltern und den Kindern gibt.

3. Tipp: Fremden Sprachen Wertschätzung entgegenbringen

Selbst wenn Sie kein Sprachtalent sind, sollten Sie versuchen, zumindest einen Gruß in den verschiedenen Sprachen der Kinder Ihrer Einrichtung zu lernen, auch wenn beispielsweise nur ein Kind aus Bosnien Ihre Einrichtung besucht. Regen Sie das auch im Team an, denn so vermitteln Sie nicht nur den Kindern, sondern auch den jeweiligen Familien, dass sie in Ihrer Einrichtung ernst genommen werden.

4. Tipp: Angebote in fremden Sprachen machen

Besonders effektiv gelingt Ihnen die Einbindung der fremden Sprachen, wenn Sie ausländische Eltern oder andere 2-sprachige Angehörige der Kinder in Ihre pädagogischen oder anderen Angebote mit einbeziehen. Regen Sie die Eltern an, den Kindern Ihrer Einrichtung z. B. einen Kinderreim aus ihrer Heimat beizubringen. Dies fördert zugleich das Verständnis der deutschen Kinder für fremde Sprachen.

5. Tipp: Fremdsprachige Medien anbieten

Damit jedes Kind sich mit den unterschiedlichen Sprachen beschäftigen kann, bietet es sich an, Bücher, CDs und Kassetten in anderen Sprachen anzuschaffen. Diese sollten dann auch für jedes Kind frei zugänglich sein, damit sie z. B. im Freispiel selbstständig die türkisch-deutsche Kassette anhören können. Setzen Sie diese Medien auch bewusst bei Ihrer Arbeit mit den Kindern ein, z. B. indem Sie mit den Kindern zusammen die Lieder von der italienischen CD singen. Ergänzend können Sie den Eltern anbieten, die fremdsprachigen Medien auszuleihen, oder aber die Eltern bitten, den Kindern CDs oder Bücher mitzugeben.

6. Tipp: Wichtige Informationen übersetzen

Damit Sie und die Eltern bei der Erziehung der Kinder an einem Strang ziehen, ist es notwendig, dass Sie wichtige Informationen in den jeweiligen Familiensprachen austeilen. Nutzen Sie dazu die Kompetenz von Eltern, die die deutsche Sprache gut beherrschen und Ihnen z. B. einen Elternbrief ins Türkische übersetzen können.

Gibt es in Ihrer Einrichtung eine 2-sprachige Erzieherin, was z. B. ein Auswahlkriterium bei Ihren Bewerbungsgesprächen sein kann? Wenn es Ihnen gelingt, die Sprachen der Kinder ganz selbstverständlich in Ihre pädagogische Arbeit mit einzubeziehen, werden sich die Migrantenkinder angenommen fühlen. Und der wunderbare Nebeneffekt ist, dass Ihre Arbeit vielfältiger wird und auch die deutschen Kinder eine Menge Erfahrungen und Erlebnisse dazugewinnen.

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