Verschiedene Gefühlstypen haben verschiedene Bedürfnisse – werden Sie allen Kindern gerecht


19.11.2017
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Mia feiert Geburtstag. Wie sehr sie es genießen mag, erkennen Sie höchstens am leisen Lächeln. Dafür kann Tobi kaum aushalten, dass es nicht um ihn geht und redet ständig dazwischen. Nach außen ist es für beide die gleiche Situation und doch herrschen so viele verschiedene Gefühlslagen bei den Kindern. Und Ihre Aufgabe ist es, jedem Kind genau so zu begegnen, dass es in seiner emotionalen Entwicklung optimal gefördert wird.

5 Gefühlstypen und wie sie ticken:

Doch was so aussieht, als müssten Sie den Gordischen Knoten dafür lösen, ist gar nicht so komplex, wenn Sie die 5 Gefühlstypen kennen. Diese geben Ihnen lediglich Orientierung, leider keine Rezepte. Natürlich lassen sich nicht alle Kinder genau einteilen, es wird Mischformen geben. Aber Sie gewinnen neue Impulse und wissen schnell, worauf es ankommt, wenn Sie die Kinder anhand der Gefühlstypen (unten beschrieben) durchgehen. Und das klingt doch hilfreich bei der komplexen Gefühlslage, die täglich in Ihrer Kindergruppe herrscht, oder?

Die Sensiblen

So zeigt er sich:

  • schüchtern
  • verträumt
  • anlehnungsbedürftig
  • vorsichtig und skeptisch bei Neuem

Das braucht er:

  • viele kleine Erfolgserlebnisse, die Sicherheit schaffen
  • Echte Aufgaben, die aber nicht überfordern.
  • Aufgaben und Impulse, um mehr Vertrauen in sich selbst zu gewinnen.

Darauf sollten Sie achten:

  • Melden Sie dem Kind sofort zurück, wenn ihm etwas geglückt ist, wenn es etwas neu gelernt oder sich an etwas herangetraut hat.
  • Dafür müssen Sie das Kind gut beobachten.
  • Geben Sie dem Kind kleinere Aufträge, die es für die Gruppe oder für Sie erledigen kann, z. B. Botendienst oder Versorgung von Tieren.

Die Wilden

So zeigt er sich:

  • energiegeladen
  • bewegungsfreudig
  • extrovertiert
  • überschätzt sich schnell
  • wenig Wahrnehmung für die Bedürfnisse anderer
  • spürt sich oft erst, wenn es dem Gegenüber schon zu viel ist

Das braucht er:

  • liebevolles Verständnis
  • Konsequenz
  • Mannschaftsspiele, um zu lernen, sich in eine Gruppe zu fügen

Darauf sollten Sie achten:

  • Schaffen Sie einen verbindlichen Rahmen, in dem das Kind sich ausleben darf, z. B. nach einem Rennen mit dem Roller heißt es wieder, langsam fahren.
  • Schimpfen und Strafen sind wenig sinnvoll, da das Kind meist nicht mit böser Absicht handelt. Es würde übermäßig frustriert und erlebte sich selbst als böse.
  • Patenamt für Jüngere: Die Kinder sind meist sehr gut in der Lage, mit einer konkreten Aufgabe andere zu unterstützen.

Die Stars

So zeigt er sich:

  • steht gerne und oft im Mittelpunkt
  • sprudelt mit Ideen
  • braucht Lob und Anerkennung und holt sie sich auch

Das braucht er:

  • Aufmerksamkeit, um das übergroße Bedürfnis danach zu mildern
  • Mannschaftsspiele, um sich zurücknehmen zu lernen
  • Geduld- und Konzentrationsspiele, um zur Ruhe zu kommen.

Darauf sollten Sie achten:

  • Machen Sie unmissverständlich klar, wann andere Kinder dran sind und sich der Star zurückhalten muss, z. B. bei Anerkennung für andere.
  • Loben Sie leise Töne.
  • Melden Sie sofort Anerkennung zurück, wenn das Kind abwarten konnte.
  • Achten Sie bei Ihren Angeboten für die Kinder auf Ganzheitlichkeit, um sich besser zu spüren.

Die Undurchschaubaren

So zeigt er sich:

  • wirken schnell schroff
  • zeigen kaum Gefühle wie Freude, Stolz oder Trauer
  • Einzelgänger

Das braucht er:

  • will nicht bedrängt werden
  • wenn es Gefühle zeigt, braucht es die Gewissheit, dass Sie dies wahrnehmen und Interesse daran zeigen.

Darauf sollten Sie achten:

  • Seien Sie kreativ, um das Kind zu Rollenspielen zu animieren, z. B. mit neuem Material zum Verkleiden. So kann es Gefühle erst einmal „spielen“.
  • Bieten Sie mit Musik oder Malen zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Dozenten

So zeigt er sich:

  • sehr bald schon vernünftig
  • kontrolliert sich stark
  • wirkt schnell altklug

Das braucht er:

  • keine weitere Anregungen für „kontrolliertes“ Spiel, z. B. Zauberkasten
  • viel Bewegung

Darauf sollten Sie achten:

  • Sorgen Sie immer wieder für Entspannung.
  • Achten Sie darauf, selbst nicht ins Belehren zu kommen.
  • Erzählen Sie von eigenen Missgeschicken.
  • Machen Sie viel Quatsch und Blödeleien.

Daran haben alle Gefühlstypen Spaß

Beim Schäferspiel handelt es sich um eine tolle und lustige Spielidee, die Sie leicht umsetzen können. Insgesamt können fünf Kinder bei diesem Spiel mitmachen.

https://www.pro-kita.com/downloads/das-schaeferspiel/

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