Ein Kinderpate für das Flüchtlingskind


07.08.2017

Ihre Kita-Kinder kommen mit den Flüchtlingskindern meist schnell in Kontakt. Rasch entstehen Freundschaften ganz unabhängig von der Sprache. Diese Tatsache können Sie für die Eingewöhnung des Kindes mit Fluchterfahrung nutzen, indem Sie Kinder-Paten finden, die die Eingewöhnung unterstützen. Lesen Sie hier, wie Sie die Patenschaft für ein Flüchtlingskind unterstützend einsetzen.

 

 

Praxisbeispiel

Das Flüchtlingskind Salome kommt mit Ihrer Mutter in die Kita, um ihren ersten Tag dort zu verbringen. An der Tür warten bereits Rebecca und Felix und begrüßen Salome. Während die Mutter des Mädchens noch mit der Erzieherin spricht, führen die beiden „alten Hasen“ Salome schon in die Gruppe und beginnen, mit dem Mädchen zu spielen. Die Erzieherin beobachtet die Situation mit Freude, denn das Patensystem für Salome fruchtet schon ohne ihr Zutun.

So führen Sie das Patensystem ein

Sprechen Sie mit allen Kindern in einer Kinderkonferenz darüber, dass bald ein neues Kind in die Kita kommt, das aus seinem Heimatland geflohen ist. Fragen Sie die Kinder Ihrer Gruppe schon vor der Ankunft des Flüchtlingskindes, ob 2 Kinder bereit sind, die Paten des Kindes zu werden. Mit diesen beiden Kindern können Sie besprechen, wie sie das neue Kind in der ersten Zeit unterstützen können.

Fragen Sie die Kinder nach ihren Ideen, wie sie den Neuankömmling unterstützen möchten. Die Kinder haben oft die besten Ideen, weil sie sich gut in das Kind und seine Situation hineinversetzen können.

Paten-Kinder können dem Flüchtlingskind die erste Zeit in der Kita erleichtern, indem Sie z. B. das Kind

  • ins Spiel mit einbeziehen
l
  • auffordern, mit ihnen und anderen Kindern zusammen zu spielen
  • an die Hand nehmen, wenn sich die Kinder anstellen oder einen Spaziergang unternehmen
  • ihm in ungewohnten Situationen zur Seite stehen
  • ermutigen, vom Mittagessen zu probieren.

Tipp: Die Kinder, die eine Patenschaft für das Flüchtlingskind übernehmen, müssen nicht zwangsläufig gleichaltrig sein. Etwa ab einem Altern von 5 Jahren können Kinder die Patenschaft verlässlich umsetzen, wenn Sie dabei begleiten und unterstützen.

Achten Sie sorgsam auf die Zeichen des Kindes

Beobachten Sie das neue Kind in den unterschiedlichen Situationen ganz genau. Besonders wichtig ist die Situation beim Mittagessen. Gehen Sie beim Mittagessen besonders achtsam mit dem neuen Kind um. Viele unserer Speisen sind dem Flüchtlingskind noch unbekannt. Animieren Sie das Kind zum Probieren, aber setzen Sie es keinesfalls unter Druck. Bieten Sie auch der Mutter ein Mittagessen an. Dies schafft Vertrauen. Sorgen Sie dafür, dass die Paten des Flüchtlingskindes in dessen unmittelbarer Nähe sitzen.

Legen Sie Wert auf die Nähe zur Mutter

Bei besonderen Angeboten in der Gruppe (z. B. dem Gesprächskreis oder der Buchbetrachtung) empfiehlt es sich, dem Flüchtlingskinde immer 2 Plätze herzurichten. Denn oft traut sich das Kind am ersten Tag noch nicht, allein Platz zu nehmen. Bitten Sie die Mutter, sich neben ihr Kind zu setzen.

Wenn das Flüchtlingskind zunächst nicht an Angeboten teilnehmen möchte, sollten Sie dies akzeptieren. Das Kind benötigt aber klare Regeln: Es muss wissen, dass es die anderen Kinder nicht durch lautes Spielen stören darf.

Viele Kindern schöpfen Mut, sich zu beteiligen, wenn sie die noch unbekannten Situationen erst einmal aus sicherer Entfernung beobachten dürfen.

Am ersten Tag sollten Sie dem Kind nicht mehr als maximal 5 bis 6 Stunden in der Kita zumuten. Bitten Sie die Mutter, nun gemeinsam mit ihrem Kind nach Hause zu gehen. Beide, aber vor allem das Kind, haben sehr viele neue Eindrücke gesammelt, die es zu verarbeiten gilt. Daher sollte das Kind nach 6 Stunden die Gelegenheit haben, sich zurückzuziehen und auszuruhen.

Verabschieden Sie das Kind herzlich gemeinsam mit der gesamten Gruppe. Das erleichtert das Wiederkommen am nächsten Tag.

Fazit

Stellen Sie dem Kind 2 Patenkinder zur Seite. Diesen Patenkindern gelingt es häufig sehr schnell, einen tragfähigen Kontakt zum Flüchtlingskind herzustellen. Das erleichtert die Eingewöhnung wesentlich.


Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Beißende und kratzende Kinder: Das können Sie tun

17. Juni 2016

Thilo ist seit 2 Jahren in der Kita. Zunehmend häufiger kommen Kinder und auch Erzieherinnen auf Sie zu, weil er beißt und kratzt. Dieser scheinbar alltägliche und in einer Kita normale Vorfall kann unbeachtet ein...

Unsere Anleitung hilft Ihnen bei beißenden & kratzenden Kindern

Gruselig-leckere Speisen für Halloween

25. September 2017

„Süßes, sonst gibt‘s Saures“ ist der Halloween-Spruch, mit dem Kinder nach Süßem fragen. Wie wäre es, wenn Sie gemeinsam gruselig leckere Speisen für Halloween zubereiten? Das macht Spaß, schmeckt lecker und geht ganz...

Mit diesen Rezepten gelingen gruselig-leckere Speisen für Ihre Halloween-Feier.

Jede Familiensprache ist für Ihre pädagogische Arbeit wichtig

22. November 2017

Kinder, die aus einem anderen Land nach Deutschland und in Ihre Einrichtung gekommen sind, haben bereits eine einschneidende Erfahrung gemacht: Die Familie hat viele Brücken hinter sich abgebrochen, um in einem anderen Land zu...

6 Tipps für eine erfolgreiche Fremdsprachenerziehung in Ihrer Einrichtung.



© 2017 PRO Verlag, Bonn