Kindgerechte Eingewöhnung: Das sollten Sie bei der Kita-Eingewöhnungszeit beachten


30.10.2013
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Die Eingewöhnung in die Kita ist für alle Beteiligten emotional beladen – am meisten jedoch für das Kleinstkind: Fremde Menschen, fremde Räume, eine fremde Welt, ein fremder Alltag – plötzlich ist alles ganz anders! Zudem ist das Kind häufig das 1. Mal länger von seinen gewohnten Bezugspersonen, in der Regel den Eltern, getrennt. Damit die Eingewöhnung gut gelingt, sollte sie achtsam und individuell durchgeführt werden. Sind Sie sicher, dass Ihr Eingewöhnungskonzept dies erfüllt?

So bereiten Sie die Eingewöhnung optimal vor

Ihr Eingewöhnungskonzept sollte einige Vorarbeiten enthalten, die eine achtsame Eingewöhnung vorbereiten und vor der Aufnahme eines neuen Kitakindes durchzuführen sind. So stellen Sie sicher, dass die Bezugserzieherin sich voll und ganz ihrem neuen Schützling widmen kann und dieser gut in Ihrer Einrichtung ankommt.

1. Das bringen die Eltern mit

Bitten Sie die Eltern im Vorfeld, alle für das Kind wichtigen Dinge mitzubringen. Das sind etwa Wechselwäsche, Schlafkleidung, Windeln usw. sowie einige vertraute Gegenstände, z. B. ein Kuscheltier, ein Halstuch der Mutter oder eine Spieluhr mit einer gewohnten Melodie zum Trösten und Ablenken. Damit nichts vergessen wird, geben Sie den Eltern dazu eine Liste an die Hand.

Praxistipp: Ein kleines Stück Zuhause kann auch ein kleines „Zuhause-Fotoalbum“ zum Mitnehmen sein. Dieses können die Eltern mit 3 leere DIN-A4-Blättern und Fotos selbst gestalten. Die Bilder können vom Kind selbst, von den Eltern, vom eigenen Zimmer, von den Großeltern usw. sein. Sie werden auf die Blätter aufgeklebt, die Seiten anschließend in Klarsichthüllen gesteckt und mit einem Wollfaden zusammengeheftet – fertig!

2. Bereiten Sie das Kitaumfeld vor

Ebenso wichtig: Schon vor der Eingewöhnung sollte das Kind in Ihrer Einrichtung persönliche Plätze erhalten. Der eigener Garderobenplatz, das eigenes Windelfach, der eigene Schlafplatz etc. beim ersten Eintreffen zeigen, dass das Kind hier willkommen ist. Zudem müssen auch die Kinder der entsprechenden Gruppe und deren Eltern informiert werden. Die Kinder können sich dann leichter auf das neue Gruppenmitglied einstellen. Benachrichtigen Sie die Eltern, wenn sich aufgrund der Eingewöhnung etwa der gewohnte Tagesablauf ändert.

3. Stellen Sie die Arbeitsorganisation im Team um

Die Bezugserzieherin muss sich intensiv um das neue Kind kümmern. Das kostet Zeit und muss vorab entsprechend im Team koordiniert und im Dienstplan berücksichtigt werden. Auch eine mögliche Vertretung der Bezugserzieherin sollte im Vorfeld festgelegt werden sowie Pufferzeiten für die Kolleginnen, die die Eingewöhnung koordinieren.

So starten Sie die Eingewöhnung kindgerecht

Beim Aufbau neuer Beziehungen sind die ersten Bezugspersonen eines Kindes, meistens die Eltern, Mittler. Daher sollte Ihr Eingewöhnungskonzept unbedingt ihre Anwesenheit erfordern. Hat das Kind im Laufe des Prozesses eine bindungsähnliche Beziehung zu Ihnen aufgebaut, können die Eltern langsam und dann immer länger die Einrichtung verlassen. Fühlt sich das Kind sicher, kann es schließlich allein in der Einrichtung bleiben. Die Eingewöhnung dauert in der Regel 6–14 Tage, in Einzelfällen aber auch bis zu 6 Wochen.

Das kindgerechte Eingewöhnungskonzept nach Infas

Nach einem Modell des Berliner Infas-Institut gründet eine achtsame Eingewöhnung darauf, dass Kleinstkinder Zeit haben, sich auf neue Bezugspersonen einzulassen. Betrachten Sie dieses Eingewöhnungskonzept als Orientierung und legen Sie den genauen Ablauf und die Dauer der einzelnen Phasen individuell mit den Eltern des jeweiligen Kindes fest.

Wichtig: Bestimmen Sie vorab unbedingt, wer aus dem Team sich intensiv um das neue Kind kümmert. Zu dieser „Bezugserzieherin“ soll es eine sichere Beziehung aufbauen. Die Annäherung von Kind und Betreuerin sollte zudem langsam geschehen, um eine sichere, vertrauensvolle Basis zu schaffen.

Die jeweilige Bezugserzieherin koordiniert die Eingewöhnung für das Kind. Legen Sie in Ihrem Eingewöhnungskonzept zusätzlich ihre Aufgaben fest: eine freundliche und individuelle Zuwendung zum Kind, seine genaue Beobachtung, sowie das Verstehen von und Eingehen auf seine Signale. Zudem ist diese Erzieherin während der Eingewöhnung und bestenfalls während der gesamten Kitazeit Ansprechpartnerin für die Eltern.

 

 

Die PhasenInhalte der Phasen
„Schnupperphase“ circa 1.–3. Tag
  • Das Kind kommt gemeinsam mit einem Elternteil in die Kita oder Krippe.
  • Vater oder Mutter ist die gesamte Zeit anwesend. Die Eltern verzichten aber zunehmend darauf, dem Kind intensive Beschäftigungsangebote zu machen.
  • Sie integrieren Eltern und Kind in den Tagesablauf. Die Versorgung des Kindes (wickeln, füttern usw.) übernehmen zunächst noch die Eltern.
  • Sie als Bezugserzieherin bieten nach und nach Kontakt an.
  • Es findet noch kein Trennungsversuch statt.
„Trennungsphase“ circa 4.–7. Tag 
  • Nach Absprache mit den Eltern unternehmen diese nun die 1. Trennungsversuche: Vater oder Mutter verabschieden sich vom Kind, verlassen den Raum, bleiben aber in der Nähe der Tür.
  • Die Zeit der Abwesenheit der Eltern wird von wenigen Minuten auf bis zu 30 Minuten ausgedehnt.
  • Während der Trennungszeiten von den Eltern wenden Sie als Bezugserzieherin sich dem Kind zu. Weint das Kind, übernehmen Sie den ersten Versuch, es zu beruhigen.
  • Lässt sich das Kind nicht von Ihnen beruhigen, reagiert verstört oder nimmt eine starre Körperhaltung ein, holen Sie Vater oder Mutter sofort wieder in den Raum zurück.
„Schlussphase“ circa nach 1 Woche 
  • Nach Absprache mit den Eltern weiten Sie die Trennungszeiten langsam aus.
  • Das Kind beteiligt sich an den Mahlzeiten und wird nun von der Bezugserzieherin  gewickelt.
  • Während der vereinbarten Trennungszeit können die Eltern nun die Kita oder Krippe für einige Zeit verlassen, sind aber jederzeit schnell erreichbar.
  • Zeichen für eine gelungene Eingewöhnung: Der Blick- und Körperkontakt zwischen Eltern und Kind nimmt auf Initiative des Kindes hin immer mehr ab, wenn das Kind den Gruppenraum betreten hat. Das Kind lässt sich von Ihnen trösten und geht auf Ihr Kontaktangebot ein.

 

Planen Sie die Eingewöhnung zusammen mit den Eltern

Die Kommunikation mit den Eltern des neuen Kindes sollte ebenfalls Teil Ihres Eingewöhnungskonzeptes sein. Teilen Sie ihnen etwa Ihre Beobachtungen bezüglich Ihres neuen Schützlings zeitnah mit. So können Sie die Eingewöhnung individuell an die Anforderungen des Kindes anpassen: Haben Sie etwa den Eindruck, es benötigt Mutter oder Vater einige Tage länger in seiner Nähe, besprechen Sie dies und legen eventuell eine längere „Schnupperphase“ fest. So stellen Sie eine achtsame Eingewöhnung sicher, bei der sich das neue Kleinstkind in Ihrer Gruppe langsam, aber sicher geborgen fühlt.

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