Trotzphase: Wertvolle Tipps für einen professionellen Umgang


23.09.2015
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Kennen Sie das auch? Eines Ihrer Krippenkinder wirft sich auf den Boden, schreit, strampelt und schlägt um sich. Dann kann es gut sein, dass dieses Kind in der Trotzphase ist, die im 2. Lebensjahr beginnt und ca. bis zum 4. andauern kann. Dieser Artikel zeigt Ihnen die Hintergründe auf und liefert wertvolle Tipps für einen sicheren Umgang damit.

 

Lernen Sie die Trotzphase kennen

Die Trotzphase müsste eigentlich „Selbstständigkeitsphase“ genannt werden, denn darum geht es dem Kind in dieser Zeit. Es möchte selbstständig, autonom werden und sich von den Eltern lösen. Diese Phase ist ganz normal und gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu. In dieser Zeit versucht das Kind, sich zu lösen, in seinen Handlungen und den Alltagsverrichtungen unabhängiger zu werden. Das Kind entdeckt in dieser Phase: „Ich bin eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Wünschen, eigenem Willen und Gefühlen wie Wut, Trotz und Zorn.“

Der Trotz oder die Wut kommt dann ins Spiel, wenn das Kind merkt, dass es eben in vielen Bereichen doch noch nicht so selbstständig ist, wie es gern wäre. Zum einen werden ihm von Bezugspersonen Grenzen gesetzt, zum anderen kann es manche Dinge, entwicklungsbedingt, noch nicht allein tun. So richtet sich also die Wut des Kindes nicht gegen die Bezugspersonen, sondern gegen die Frustration, die eigene Unzulänglichkeit.

 

Zeichen einer gelungenen Trotzphase

Wenn die Trotzphase des Kindes gut verlaufen ist, kann es viele wichtige Dinge in dieser Zeit lernen:

  • Das Kind hat einen eigenen Willen entwickelt.
  • Es hat gelernt, dass Konflikte Spannungen erzeugen, die aber auszuhalten sind.
  • Das Kind weiß nun, dass Konflikte zum Leben dazugehören und dass seine Bezugspersonen sich deshalb nicht von ihm abwenden.
  • Das Kind hat erfahren, dass es seine Gefühle zeigen darf.

Zusammengefasst kann man sagen: Wenn Kinder das alles gelernt haben, haben sie schon sehr gute Voraussetzungen für ihre weitere Identitätsentwicklung, Konfliktfähigkeit und Selbstständigkeit. Wie aber können wir Kinder in dieser Zeit unterstützen? Was brauchen diese Kinder?

 

 

So helfen Sie Kindern in der Trotzphase

Das Kind möchte selbstständig werden. Also unterstützen Sie es, so oft es geht, in seinen Bestrebungen, etwas selbst tun zu wollen. Selbst bei kleinsten Tätigkeiten können Kinder mithelfen und erfahren, dass sie etwas können, etwas geleistet haben und ein wichtiger Teil der Gemeinschaft sind.

 

1. Seien Sie authentisch: Wenn Sie sich über etwas ärgern, z. B. auch während eines Trotzanfalls des Kindes, zeigen Sie diesen Ärger auch. Die Kinder lernen dadurch, dass unangenehme Gefühle wichtig sind und geäußert werden dürfen. Beispiel: Ein Kind schlägt während eines Anfalls um sich. Dabei trifft es ein danebensitzendes Kind, das nun auch zu weinen beginnt. Sagen Sie: „Ich verstehe, dass du wütend bist. Aber ich finde es nicht in Ordnung, dass du so sehr um dich schlägst, dass auch andere Kinder verletzt werden. Ich muss dich nun etwas beiseitesetzen.“

 

2. Wenn Veränderungen in der Gruppe, im Tagesablauf oder bei den betreuenden Erzieherinnen anstehen, sollten Sie den Kindern viel Zeit einräumen und ihnen die veränderten Gegebenheiten erklären. So haben die Kinder die Möglichkeit, sich auf Veränderungen und Neues einzustellen. Und alles, worauf sich ein Kind vorbereitet hat, kann es auch leichter annehmen. Beispiel: Da eine Kollegin erkrankt ist, kommt eine Erzieherin aus einer anderen Gruppe zu den Kindern. Dadurch muss auch der Tagesablauf etwas verändert werden. Sagen Sie: „Die Simone ist leider krank und kann heute nicht in den Kindergarten kommen. Aber dafür kommt nachher gleich die Erzieherin Sandra aus der gelben Gruppe. Ihr habt sie im Flur oder Garten bestimmt schon oft gesehen. Weil Sandra erst etwas später kommt, warten wir mit dem Morgenkreis noch auf sie. Ihr dürft so lange noch ein wenig spielen.“

 

3. Bleiben Sie konsequent und berechenbar. Eine gesetzte Grenze bleibt bestehen, und das Kind erfährt, dass es durch seine Verärgerung nicht das Verhalten der Erwachsenen beeinflussen kann. Zudem geben Sie den Kindern dadurch Sicherheit. Nichts verwirrt und ängstigt mehr als unberechenbare Bezugspersonen. Beispiel: Die Kinder dürfen abwechselnd die Tische nach dem Frühstück abwischen. Heute ist Lukas dran, was für die Kinder anhand eines Aushangs auch klar ersichtlich ist. Lena trotzt, weil sie das heute gerne gemacht hätte. Sie sagen: „Ich weiß, dass du gerne den Tisch abgewischt hättest. Du kannst das ja schon richtig gut, das habe ich schon gesehen. Aber du weißt, dass heute Lukas dran ist, er möchte auch einmal an der Reihe sein.“

 

4. Und wenn das Kind schreiend, weinend, trotzend und schlagend auf dem Boden liegt? Achten Sie darauf, dass es sich selbst oder anderen Kindern nicht wehtun kann. Signalisieren Sie dem Kind, dass Sie es sehen und für es da sind, dass es jederzeit zu ihnen kommen kann. Versuchen Sie, mithilfe erster vorsichtiger Körperkontakte herauszufinden, ob das Kind sich beruhigen lässt. Ansonsten geben Sie ihm noch etwas Zeit. Bleiben Sie aber in der Nähe, damit das Kind nicht das Gefühl hat, dass es in seinem Gefühlschaos alleine gelassen wird. Beispiel: Sie sagen zu dem Kind: „Ich sehe, dass du wütend bist und dich sehr ärgerst, weil du nicht das blaue Auto haben kannst. Ich verstehe, dass dich das traurig macht. Ich bin da, und wenn du möchtest, dann tröste ich dich auch.“

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