Warum schreien Kinder und wie können sie beruhigt werden?


30.10.2013
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Schreien ist für Kinder im ersten Lebensjahr eine wirksame Möglichkeit, Kontakt zur Umwelt aufzunehmen und sich ihr mitzuteilen. Das Krippenkind signalisiert Ihnen durch diese heftige Reaktion, dass eines oder mehrere seiner Bedürfnisse nicht befriedigt sind. Doch oft sind die Bedürfnisse des Kindes nicht leicht zu erkennen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihrem Team die Gründe für das Schreien darlegen und sie darüber aufklären, wie sie dem Kind helfen können.

Das Schreien der Kinder kann Ausdruck für körperliche Bedürfnisse sein

Das Schreien von Krippenkindern tritt häufig dann auf, wenn sie übermüdet sind. Das Schreien hindert sie jedoch daran, einzuschlafen. Gehen Sie auf das individuelle Schlafbedürfnis jedes Kindes ein. Stellen Sie dem Krippenkind ausreichende Möglichkeiten zum Schlafen zur Verfügung. Beruhigen Sie das Krippenkind durch Körperkontakt und eine sanfte, schaukelnde Bewegung in der Wiege, eine leichte Massage oder ein warmes Bad. Sie können auch mit dem Krippenkind im Kinderwagen spazieren gehen. Oft hören Krippenkinder auf zu schreien, wenn sie einen leicht surrenden, monotonen Ton hören, wie einen Sauger oder einen Föhn. Achten Sie darauf, dass die Raumtemperatur stets angemessen ist und dass das Krippenkind nicht zu warm oder zu kalt angezogen ist. Prüfen Sie die Temperatur des Kindes, indem Sie Ihre Hand auf die Hand bzw. die Füße des Kindes legen. Ihre eigene Haut sollte so warm wie die Haut des Kindes sein. Stillen Sie beim Kind das elementare Bedürfnis nach Nahrung, ohne beim ersten Schrei zur Flasche zu greifen. Denn oft schreien Kinder, weil sie überfüttert sind. Beachten Sie, dass Krippenkinder unterschiedliche Nahrungsbedürfnisse haben und schreiende Krippenkinder mehr Energie verbrauchen. Keinesfalls sollten Sie dem schreienden Krippenkind, ohne Rücksprache mit Arzt und Eltern gehalten zu haben, Beruhigungs- oder Schlafmittel verabreichen. Bitten Sie die Eltern, ihr Kind vom Kinderarzt z. B. auf eine Nahrungsmittelallergie oder auf die so genannte Kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung, auch bekannt als KISS-Syndrom, untersuchen zu lassen. Schreien kann, wenn auch nur bei wenigen Kindern, organische Ursachen haben.

 

 

Tipp für Ihre Praxis: In den ersten 6 Lebensmonaten sollten Sie auf das Schreien des Kindes umgehend reagieren. Babys, die Sie schnell beruhigen, schreien in Zukunft weniger.

Durch Tragetücher, nicht zu weite Kleidung und eine angemessene Größe des Bettes können Sie dem Krippenkind ein gewisses Maß an Enge bieten, die Krippenkinder oft als positiv erleben. Denn viele Krippenkinder reagieren negativ, weil ihnen die Enge des Mutterleibes fehlt, beispielsweise wenn Sie ihnen sehr lockere Kleidung anziehen. Geben Sie dem Krippenkind durch feste Strukturen und Regeln Sicherheit. Denn auf Überforderung und Orientierungslosigkeit wird das Kind laut reagieren und schreien. Rituale können Ihnen dabei helfen, wie z. B. dem Kind beim Einschlafen immer dasselbe Lied vorzusingen. Gerade neu aufgenommene Krippenkinder schreien sehr viel. Haben Sie Geduld. Die Krippenkinder brauchen Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Hilfreich sind Gegenstände, die das Baby an seine Mutter erinnern. Legen Sie z. B. einen Schal der Mutter über das Bett.

 

 

Dem schreienden Kind Reize und Zuwendung geben

Beschäftigen Sie sich mit dem wachen Krippenkind und geben Sie ihm regelmäßig Reize. Achten Sie aber darauf, dass das Krippenkind den Blickkontakt zu Ihnen sucht. Unterbricht es stattdessen immer wieder den Blickkontakt zu Ihnen, verlangt es vermutlich nicht nach Aufmerksamkeit.

Tipp für Ihre Praxis: Häufiges Schreien wird von Ihnen automatisch als belastend erlebt. Sie sind angespannt und unsicher, was sich wiederum auf das Krippenkind überträgt. Versuchen Sie, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, indem Sie sich bewusst Auszeiten nehmen. Tauschen Sie sich mit Ihrem Team über die Belastungen durch das Schreien aus. Weitere Hilfe erhalten Sie über die so genannten Schrei-Ambulanzen, deren Adressen Sie auch im Internet finden.

Wandeln Sie die Zeit, in der die Krippenkinder schreien, in Gesprächs-Zeit mit dem Krippenkind um. Sie gestalten das Gespräch mit dem Krippenkind durch Blickkontakt, Mimik, Gestik und Laute. So bekommt das Krippenkind nicht nur viele Anregungen, es erhält auch Aufmerksamkeit und emotionale Zuwendung. Ein günstiger Zeitpunkt für das Gespräch sind 15 bis 20 Minuten, nachdem Sie das Krippenkind gefüttert haben. Ferner eignen sich die frühen Morgenstunden und der späte Nachmittag als Gesprächs-Zeit, weil das Krippenkind dann besonders aufmerksam ist.

Wichtiger Hinweis: Tauschen Sie sich mit den Eltern, deren Krippenkinder sehr häufig schreien, intensiv über das jeweilige Krippenkind und das familiäre Umfeld aus. Krippenkinder, deren Mütter während oder nach der Schwangerschaft großen Belastungen ausgesetzt sind bzw. waren, wie Scheidung oder Arbeitsplatzverlust, schreien öfter. Vielleicht können Sie diesen Eltern helfen. Denn eine Entspannung der innerfamiliären Situation kommt auch dem Krippenkind zugute.
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