Was ist Reggio-Pädagogik


02.05.2014
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Loris Malaguzzi – dieser Name kommt Ihnen wahrscheinlich von Reggio-Artikeln her bekannt vor.

Immer wieder stoßen Sie auf den Begriff „Reggio“.
Irgendwann beschließen Sie, sich besser darüber zu informieren. Sie sind ganz begeistert von der Ganzheitlichkeit des Reggio-Ansatzes, den 100 Sprachen der Kinder und davon, welche
Bereicherung Reggio für die Kita-Arbeit sein kann. Ihr Entschluss steht fest: Sie wollen Reggio auch in der Krippe umsetzen.

Aber was ist Reggio überhaupt?
Die Reggio-Pädagogik stammt aus der norditalienischen Stadt Reggio Emilia. In den 1960er Jahren fand diese pädagogische Richtung ihren Anfang in einer kommunalen Kita. Mehrere Pädagogen, unter anderem Loris Malaguzzi, gehörten zu den Begründern. Der Leitgedanke der Reggio-Pädagogik ist ein demokratisches Menschenbild. Es gibt keine Hierarchien und den Kindern wird ein hohes Maß an Kompetenz und Neugierde zugesprochen.
Nach der Reggio-Pädagogik spricht das Kind „100 Sprachen“, mit denen es kommunizieren kann. Dies sind unter anderem die reale Sprache, das Singen, Tanzen, Entdecken.
Die 100 Sprachen sind es auch, die in Reggio-Kitas ganz besonders in Form von schöpferischem Handeln unterstützt werden.

 

So setzen Sie Reggio in Ihrer Kita um
Da Sie als Leitung für die Konzeption verantwortlich sind, liegt es auch an Ihnen, entsprechende Impulse zu setzen. Hier finden Sie passende Impulse, damit Ihnen dies in der Krippe gelingt.

Impuls 1: Der Raum als 3. Erzieher
Dem Raum kommt in der Reggio-Pädagogik eine ganz besondere Bedeutung zu. Er soll sowohl Geborgenheit als auch Rückzugsmöglichkeiten bieten. Beachten Sie dies bei der Neukonzipierung oder Umgestaltung von Räumen. Zudem sollten Sie genügend Platz für Aktivitäten wie Gestalten oder Werken bieten.

Folgende Materialien sind charakteristisch für die Reggio-Pädagogik und begeistern bereits die Jüngsten:

  • Zerrspiegel
  • Schattentheater
  • Projektoren
  • verschiedene Lichtquellen

Achten Sie bei Neubauten darauf, dass die Fensterflächen bis zum Boden reichen, so schaffen Sie die optimale Verbindung zwischen drinnen und draußen. Wie bei einem Aquarium kann man jederzeit hinein und nach hinaus sehen. Jeder soll sich eingeladen fühlen, die Räume zu betreten. Besucher und Familien sollen Lust bekommen, mehr zu sehen. Durch einladende Pflanzen und Informationswände ziehen Sie die Besucher hinein.

Impuls 2: Die „sprechenden Wände“
Neben den Räumen ist in der Reggio-Pädagogik der Begriff der „sprechenden Wände“ sehr zentral. Darunter versteht man, dass auf großflächigen Wänden unter anderem Informationen, Zettel, Fotos, Geschichten, Notizen ausgehängt werden, die den Kindern wichtig sind und die sie verfasst haben. Auch in der Krippe teilen sich die Kinder bereits über Zeichnungen und Bilder oder etwas später auch über Fotos mit.

Bei verschiedenen Aktionen dokumentieren Sie anhand einer Kamera mit und für die Kinder. Korkwände sind als Untergrund ideal geeignet, um alle Informationen auszuhängen. Die Kinder erleben so, dass alles von ihnen wichtig und interessant ist. Sie erleben sich geschätzt, geachtet und ernst genommen. Für Sie und Ihre Mitarbeiterinnen sind die „sprechenden Wände“ nebenbei ein Medium, um die Entwicklungsschritte der Kinder zu dokumentieren.

Sie und Ihre Mitarbeiterinnen können die Aushänge und Bilder der Kinder jeweils kurz kommentieren oder mit Überschriften versehen. Für die Eltern sind die „sprechenden Wände“ auf diese Weise eine wichtige Informationsquelle. Sie erfahren dadurch mehr über die innere Welt der Kinder, deren Denken, Fühlen und deren stetig wachsende Kompetenzen.

 


Impuls 3: Projekte erklären das Leben
In der Reggio-Pädagogik sind Projekte die Arbeitsweise, über die die Kinder von klein auf alltagsbezogene Fertigkeiten erlernen und üben können. In der Krippe kann man oft beobachten, wie die älteren Kinder immer und immer wieder Szenen aus dem Alltag nachspielen.

So greifen Sie in der Krippe Projektthemen nach der Reggio-Pädagogik auf:

  • Projekte sind keine Extra-Veranstaltung. Sie gehören zum Alltag.
  • Projekte ergeben sich aus den Spielhandlungen der Kinder.
  • Mitgebrachte Gegenstände können zu einem Projekt mit einer Stunde oder einem Monat Dauer führen.
  • Projektteilnehmer sind nur die Kinder, die Interesse daran haben, mal nur ein Kind, ein andermal dafür 10.

Beobachten Sie die Kinder, wie sie über Regenbogen staunen, so können Sie beispielsweise dies als Thema aufgreifen.
Achten Sie darauf, Kindern in Projekten immer sinnliche und ganzheitliche Erfahrungen zu ermöglichen. Arbeiten Sie mit kreativen, sinnlichen Erfahrungen, etwa mit Düften, Ton, Lichterlebnissen etc.
Reggio-Pädagogik ist eine Philosophie, hinter der ein ganzheitliches Bild vom Kind steht. Grund genug, Impulse bereits in der Krippe einfließen zu lassen.

Probieren Sie es aus!

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