Verspätungen bei Schnee und Eis zulässig?


21.02.2018

Praxisbeispiel: Johanna Berger leitet die Kita „Kleine Riesen“. Da am Vorabend heftige Schneefälle angekündigt worden waren, hat sie für den Weg zur Kita eine Stunde Fahrtzeit eingeplant. Sie schafft es tatsächlich, pünktlich zu ihrem Dienstbeginn um 8.00 Uhr in der Kita zu sein. Die Kita ist allerdings noch geschlossen. Augenscheinlich hat die Kollegin, die Frühdienst hatte, es nicht pünktlich geschafft.

 

 

Rechtlicher Hintergrund bei Schnee und Eis

Ihre Mitarbeiter müssen dafür sorgen, dass sie pünktlich zu Dienstbeginn in der Kita sind. Sie tragen das sogenannte „Wegerisiko“.

Bei Schnee und Glatteis muss man daher so rechtzeitig aufbrechen, dass man trotz der widrigen Wegeverhältnisse pünktlich zur Arbeit erscheint.

Ist dies tatsächlich nicht möglich, z. B. weil die öffentlichen Verkehrsmittel vollständig ausgefallen sind, muss die Fachkraft Sie umgehend telefonisch informieren, sodass Sie sich um Ersatz kümmern können. Denn es kann nicht sein, dass wegen Schnee und Eis Eltern und Kinder vor verschlossenen Türen stehen.

Was bedeutet das für Sie?

Als Kita-Leitung tragen Sie die Verantwortung dafür, dass die Eltern sich auf die Öffnungszeiten verlassen können. Das gilt auch bei Schnee und Glatteis.

Besprechen Sie daher die Problematik „Winterliche Straßen“ in Ihrer nächsten Teamsitzung. Suchen Sie gemeinsam nach Strategien, mit denen Sie sicherstellen, dass die Öffnungszeiten auch bei Winterwetter eingehalten und die Kinder ausreichend beaufsichtigt werden.

Grundsatz: Pünktlichkeit ist auch bei Schnee Pflicht

Stellen Sie zunächst einmal klar, dass Ihre Mitarbeiter auch bei Schnee und Eis pünktlich zur Arbeit erscheinen müssen, auch wenn das bedeutet, dass sie mehr Fahrtzeit einkalkulieren müssen. Machen Sie klar, dass Verspätungen die absolute Ausnahme bleiben müssen.

Lassen sich diese tatsächlich einmal nicht verhindern, sollten Sie als Leitung darauf achten, dass die verpasste Arbeitszeit nachgearbeitet oder mit Überstunden ausgeglichen wird.

Wetterbericht beachten ist Pflicht

Die Wettervorhersagen im Internet, z. B. unter www.wetter.de, sind inzwischen sehr zuverlässig und geben einen genauen örtlichen Wetterbericht. Damit lässt sich schon am Vorabend vorhersehen, wie sich das Wetter entwickeln wird. Verpflichten Sie Ihre Mitarbeiter, sich in der Winterzeit abends zu informieren, ob mit Wintereinbrüchen zu rechnen ist. So können sie zusätzliche Fahrtzeit rechtzeitig einkalkulieren und trotz widriger Witterungsumstände pünktlich in der Kita sein.

Planen Sie die Dienste strategisch

Um die Beaufsichtigung der Kinder sicherzustellen und die Einhaltung der Öffnungszeiten zu gewährleisten, macht es durchaus Sinn, für den Frühdienst verstärkt Mitarbeiter einzuplanen, die keinen weiten Weg zur Arbeit haben. So haben Sie die Gewähr, dass Ihre Kita Schnee und Eis zum Trotz reibungslos funktioniert.

Verspätungen wegen Schnee rechtzeitig melden

Verspätungen lassen sich – trotz Wetterbericht – nicht immer vermeiden, z. B. dann, wenn die Mitarbeiterin im Stau auf der winterlichen Autobahn feststeckt oder der öffentliche Nahverkehr vollkommen zusammenbricht. Da hilft es auch nichts, frühzeitig loszufahren. Weisen Sie Ihre Mitarbeiter an, Sie umgehend telefonisch zu informieren, wenn sich abzeichnet, dass sie es nicht pünktlich in die Kita schaffen werden.

Empfehlung

Verspäten sich Mitarbeiter bei Schnee und Eis, sollten Sie zunächst einmal das Gespräch suchen und auf die im Team getroffenen Vereinbarungen hinweisen. Geben Sie dem Mitarbeiter außerdem die Gelegenheit, die versäumte Arbeitszeit nachzuarbeiten oder mit bestehenden Überstunden auszugleichen. Eine Ermahnung oder sogar eine Abmahnung sollten Sie nur dann aussprechen, wenn sich Verspätungen häufen und Sie Anhaltspunkte dafür haben, dass der Mitarbeiter sich keine Mühe gibt, trotz Winterwetter pünktlich zur Arbeit zu kommen.


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