Flüchtlingskinder: Diese Besonderheiten gibt es bei der Beaufsichtigung


04.01.2017
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Kind ist nicht gleich Kind. Das ist Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen natürlich klar. Daher orientieren Sie sich bei der Aufsichtsführung auch an der Persönlichkeit und dem individuellen Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes. Bei der Beaufsichtigung von Flüchtlingskindern sollten Sie allerdings grundsätzlich einige Besonderheiten berücksichtigen.

 

Praxisbeispiel: Ahmed ist mit seiner Familie vor 4 Monaten von Afghanistan nach Deutschland geflohen. Inzwischen besucht er die Kita „Goldregen“. Da er bereits 6 Jahre alt ist und im Sommer in die Schule gehen soll, nimmt er am Vorschulprogramm der Kita teil. Bei einem Ausflug der Vorschulkinder zur örtlichen Polizeistation erschreckt Ahmed sich so sehr vor dem uniformierten Polizisten, dass er panisch auf die Straße rennt und mit einem Radfahrer kollidiert.

 

 

Rechtlicher Hintergrund zur Beaufsichtigung von Flüchtlingskindern

Als Leitung tragen Sie die Verantwortung dafür, dass Ihre Mitarbeiterinnen die Kinder so beaufsichtigen, dass diese sich zu eigenverantwortlichen und selbstständigen Menschen entwickeln können. Gleichzeitig müssen Sie aber darauf achten, dass die Kinder hierbei nicht unnötig gefährdet werden. Das gilt natürlich auch für Flüchtlingskinder.

 

Beachten Sie die Besonderheiten bei Flüchtlingskindern

Besprechen Sie im Team, welche Besonderheiten bei der Beaufsichtigung von Flüchtlingskindern berücksichtigt werden müssen. Hierbei müssen Sie berücksichtigen, dass  die Kinder einem fremden Kulturkreis entstammen, in schwierigen familiären Situationen leben,  meist kaum Deutsch sprechen, häufig durch Flucht- und Kriegserlebnisse traumatisiert sind. Solche Kinder bedürfen, unabhängig von ihrem Alter und Entwicklungsstand, besonderer Aufsicht.

 

1. Hinweis: Berücksichtigen Sie das Sprachverständnis der Kinder

Die meisten Flüchtlingskinder sprechen kaum oder nur wenig Deutsch. Das müssen Ihre Mitarbeiterinnen auch bei der Aufsicht berücksichtigen. Ihnen muss klar sein, dass die Kinder viele ihrer Erklärungen, Ver- und Gebote sowie auch Warnungen nicht verstehen. Ihre Mitarbeiterinnen müssen also berücksichtigen, dass die Kinder nicht entsprechend reagieren können.

 

To do: Gerade auf dem Gelände, beim Turnen und bei Ausflügen muss Ihr Team daher darauf achten, dass diese Kinder sich in „greifbarer Nähe“ aufhalten, damit es im Notfall handeln kann, bevor etwas passiert.

 

 

2. Hinweis: Beachten Sie das bisherige Umfeld der Flüchtlingskinder

Viele Flüchtlingskinder kommen aus einem vollkommen anderen Kulturkreis. Sie sind mit vielen unserer Spielgeräte und auch mit dem Straßenverkehr nicht vertraut. Häufig führt das zu Überforderung und damit zu – für Ihr Team – überraschenden gefährlichen Situationen.

To do: Wichtig ist, dass Ihre Mitarbeiterinnen Flüchtlingskindern Spielgeräte, Spiel- und Bastelmaterialien und den richtigen Umgang damit genau zeigen, auch wenn sie vom Alter der Kinder her eigentlich davon ausgehen können, dass diese den Umgang hiermit bereits beherrschen.

So können sie sich einen Überblick über den tatsächlichen Entwicklungsstand der Kinder verschaffen und gefährliche Situation vermeiden. Außerdem erleichtert eine solche Bestandsaufnahme Ihrem Team die gezielte Förderung der Kinder.

Im Straßenverkehr empfehle ich, zumindest in der Anfangsphase, die Flüchtlingskinder unabhängig vom Alter zu den „U3-Kindern“ zu rechnen. Gehen Sie einfach davon aus, dass diese die Situation so nicht kennen und sich im Straßenverkehr irrational verhalten. Sorgen Sie für besonders engmaschige Aufsicht. Im Zweifel sollten Sie Flüchtlingskinder im Straßenverkehr sicherheitshalber an die Hand nehmen.

 

3. Hinweis: Behalten Sie mögliche Traumatisierungen im Hinterkopf

Auch wenn Sie es auf den 1. Blick nicht erkennen: Viele Flüchtlingskinder haben in ihrem Heimatland und auch auf der Flucht Dinge erlebt, die zu Traumatisierungen geführt haben. Da meist nicht klar ist, welche Reize das Trauma akut werden lassen, ist es wichtig, dass Sie Flüchtlingskinder genau im Blick behalten. Das gilt umso mehr, wenn Sie das sichere Kita- Gelände verlassen und Orte aufsuchen, an denen Kindern ungewöhnlichen Situationen ausgesetzt sind.

So hätten die Mitarbeiterinnen im Praxisbeispiel berücksichtigen müssen, dass Ahmed in seinem Heimatland oder auch auf der Flucht schlechte Erfahrungen mit uniformierten Personen gemacht hat. Sie hätten ihn hierauf vorbereiten und auch gezielter beaufsichtigen müssen. Dann hätte der Unfall wahrscheinlich verhindert werden können.

 

Unser Rat: Suchen Sie das Gespräch mit den Eltern der Flüchtlingskinder, auch wenn dem oft sprachliche Schwierigkeiten entgegenstehen und die Geschichten, die die Familien Ihnen berichten, manchmal schwer zu ertragen sind. Es ist wichtig, dass Sie möglichst viel über den Hintergrund der Flucht und auch über die familiäre Situation wissen. Nur so können Sie das Kind richtig beaufsichtigen, individuell auf seine Bedürfnisse eingehen und schwierige Situationen auffangen.

Hilfreich ist es, wenn Sie bei den Elterngesprächen auf Dolmetscher zurückgreifen können. Viele Flüchtlinge werden von ehrenamtlichen Landsleuten, die schon länger in Deutschland leben, unterstützt. Einen offiziellen Dolmetscher müssen Sie bei einem solchen Gespräch nicht hinzuziehen.

 

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