Klein, aber oho! So behalten Sie die U-3er im Auge


30.11.2015

Nehmen Sie in Ihrem Kindergarten Kinder auf, die unter 3 Jahre alt sind, stellt sich natürlich in besonderem Maße die Frage nach der Aufsichtspflicht, denn Kleinkinder sind bekanntermaßen wesentlich unfallgefährdeter als ältere Kinder. Sie und Ihre Kolleginnen müssen sich daher Gedanken machen, wie Sie gewährleisten, dass auch die ganz Kleinen in Ihrer Einrichtung immer ordnungsgemäß beaufsichtigt werden.

 

Praxisbeispiel: In der Kindertagesstätte „Zappelphilipp“ haben die Ein- und 2-jährigen Einzug gehalten. In kleinen altersgemischten Gruppen werden jetzt die ganz Kleinen zusammen mit den übrigen Kindern bis zum Schulalter gemeinsam betreut. Die Leiterin der KiTa macht sich Gedanken: Wie soll sie sicherstellen, dass alle Kinder zu ihrem Recht kommen und gleichzeitig immer gut beaufsichtigt werden?

 

Rechtlicher Hintergrund

Durch den KiTa-Vertrag wird dem Träger Ihrer Einrichtung und damit auch Ihnen die Aufsichtspflicht über die Kinder während des Aufenthalts in Ihrer Einrichtung übertragen. In welchem Maße Sie die Kinder beaufsichtigen müssen, richtet sich aber in erster Linie nach dem Alter und dem Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes. Die Faustregel lautet: Je jünger und unselbstständiger das Kind, desto engmaschiger muss die Aufsichtsführung sein.

 

Was bedeutet das für Sie?

Nehmen Sie in Ihrer KiTa Kinder unter 3 Jahren auf, muss Ihnen bewusst sein, dass an die ordnungsgemäße Beaufsichtigung dieser Kleinkinder erhöhte Anforderungen gestellt werden. Als Leiterin müssen Sie dafür Sorge tragen, dass den erhöhten Anforderungen an die Aufsichtspflicht von Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen Rechnung getragen wird. Andernfalls drohen Ihnen – wenn etwas passiert – zivil-, straf- und auch arbeitsrechtliche Konsequenzen.

 

Das ist bei der Betreuung von U-3-Kindern zu tun

 

Orientieren Sie sich an den folgenden Tipps, um Ihre Aufsichtspflicht gegenüber den U-3-Kindern sinnvoll zu organisieren:

 

1. Tipp: Sensibilisieren Sie Ihr Team

Besprechen Sie vor Aufnahme von U-3-Kindern die besonderen Anforderungen an die Aufsichtsführung ausführlich mit Ihrem Team. Weisen Sie Ihre Mitarbeiterinnen – am besten schriftlich – darauf hin, dass die ganz Kleinen der besonderen Betreuung, Fürsorge und Aufsicht bedürfen.

 

2. Tipp: Sprechen Sie die Besonderheiten der U-3-Kinder an

Machen Sie deutlich, dass es Kleinkindern aufgrund ihres Entwicklungsstandes schwerfällt, Gefahren zu erkennen, richtig einzuschätzen und entsprechend zu handeln oder Regeln zu verstehen und einzuhalten.

Außerdem sollten sich alle Erzieherinnen bewusst sein, dass Ihre Kleinen nicht unbedingt sicher laufen und Treppen steigen können. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass Spielzeug oder Bastelmaterial in Mund, Nase und Ohren gesteckt werden. Die U-3er müssen daher besonders aufmerksam beaufsichtigt werden.

 

 

3. Tipp: Analysieren Sie besondere Gefährdungslagen

Gehen Sie gemeinsam mit Ihren Kolleginnen durch Ihre Einrichtung und analysieren Sie, wo für Ihre Kleinsten die größten Gefahren liegen. Achten Sie hierbei besonders auf potenziell gefährliches Spielzeug, Bastelmaterial, Treppen, Auf- und Abgänge, Schubladen, Stufen und Kanten. Außerdem müssen Sie überprüfen, ob und inwieweit Ihr Außengelände überhaupt für die Benutzung durch Kleinkinder geeignet ist und ob Sie ggf. besondere Schutzmaßnahmen treffen müssen. Die Ernennung einer Sicherheitsbeauftragten für U-3-Fragen ist in diesem Zusammenhang sicher sinnvoll.

 

4. Tipp: Klären Sie Zuständigkeiten innerhalb des Teams

Analysieren Sie innerhalb Ihres Teams, welche Gefahrenpunkte außerhalb der Gruppenräume besonders im Auge behalten werden müssen, und legen Sie verbindlich fest, wer hierfür die Aufsicht übernimmt.

 

5. Tipp: Schaffen Sie sichere Bereiche

Erkennen Sie z. B., dass die Treppe, die in Ihrer KiTa in den ersten Stock führt, für Ihre Kleinen viel zu gefährlich ist, müssen Sie und Ihre Kolleginnen sich darüber im Klaren sein, dass es Ihnen wahrscheinlich nicht gelingen wird, die Kleinen so zu beaufsichtigen, dass diese tatsächlich nicht versuchen, die Treppe alleine zu erklimmen.

Dies gilt umso mehr, wenn Sie in einer Einrichtung mit offenen Gruppen arbeiten. Ein Treppenschutzgitter ist in solchen Fällen sinnvoll, um Ihre Kleinsten von selbstständigen Expeditionen ins Obergeschoss abzuhalten.

Sie sollten dafür sorgen, dass erkennbare Gefahrenbereiche so gut wie möglich abgesichert werden. Dies entlastet Sie und Ihre Kolleginnen bei der Aufsichtsführung sehr. Weisen Sie daher Ihren Träger auf diese Problematik hin.

Auch Ihre Allerkleinsten müssen Sie nicht jeden Moment im Auge behalten. Fest steht aber, dass die Aufsichtspflicht bei diesen Kindern wesentlich intensiver ausgeübt werden muss als bei „normalen“ Kindergartenkindern.


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