Ihre Pflichten bei plötzlich auftretenden Erkrankungen von Kindern


23.10.2015

Gerade jetzt in der Erkältungszeit kommt es immer wieder vor, dass Kinder im Laufe des Kita-Tages krank werden. Dann stellt sich Ihnen die Frage, wie Sie mit dieser Situation umgehen. Dass Sie die Eltern informieren und sie bitten, ihr Kind abzuholen, ist klar. Allerdings sind die Eltern häufig nicht sofort greifbar. Informieren Sie sich daher hier, wie Sie diese Wartezeit rechtssicher überbrücken.

 

Rechtlicher Hintergrund

Erkrankt ein Kind im Laufe der Betreuung in Ihrer Einrichtung, sind Sie verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Sie sind aber nicht berechtigt, den Kindern eigenmächtig Medikamente zu verabreichen. Solche eigenmächtigen Heilbehandlungen sind nicht nur unzulässig, sondern stellen auch eine strafbare Körperverletzung dar.

 

Das ist zu tun
Verschaffen Sie sich anhand der folgenden Regeln einen Überblick darüber, was Sie im Rahmen der Ersten Hilfe für plötzlich erkrankte Kinder tun dürfen. Wichtig ist, dass Sie diese Regeln auch gegenüber Ihrem Team im Rahmen einer Dienstbesprechung thematisieren.

 

1. Regel: Keine eigenmächtige Medikamentengabe

Als Erzieherin haben Sie in der Regel eine Ersthelfer-Ausbildung absolviert und verfügen über einiges Fach- und Erfahrungswissen in Sachen Kinder und Krankheit. Dennoch dürfen Sie den Kindern ohne Zustimmung der Eltern und ohne ärztliche Verordnung keine Medikamente verabreichen. Denn bei der Gabe von Medikamenten handelt es sich um eine Heilbehandlung, die nur ein Arzt verordnen kann und in die die Eltern einwilligen müssen. Verabreichen Sie Medikamente ohne Zustimmung der Eltern, wie im Beispiel ein Fieberzäpfchen, handelt es sich juristisch betrachtet um eine Körperverletzung. Sie machen sich mit der Gabe des Medikaments im Prinzip strafbar, auch wenn Sie es noch so gut meinen.
Gleichzeitig besteht, wenn Sie ohne Zustimmung der Eltern Medikamente geben, kein Versicherungsschutz, wenn dem Kind etwas passiert. Reagiert das Kind z. B. allergisch gegen das von Ihnen verabreichte Fieberzäpfchen und behält es einen bleibenden Schaden zurück, haften Sie hierfür persönlich.

 

 

 

 

2. Regel: Erste Hilfe leisten

Sie sind allerdings verpflichtet, im Rahmen Ihrer Kenntnisse und Möglichkeiten einem erkrankten Kind Erste Hilfe zu leisten. Das heißt, Sie dürfen bewährte Hausmittel wie z. B. Wadenwickel und kühle Kompressen bei Fieber und Kräutertee bei Bauchweh und Erbrechen verwen- den. Ansonsten können Sie nicht viel mehr tun, als dafür zu sorgen, dass
das erkrankte Kind möglichst Ruhe und – schon um die Ansteckungsgefahr zu mindern – möglichst wenig Kontakt zu den anderen Kindern hat.

 

3. Regel: Im Zweifel – Arzt alarmieren

Können die Eltern ihr Kind nicht kurzfristig abholen und sind Sie aufgrund seines Gesundheitszustandes in Sorge, sollten Sie nicht zögern, den behandelnden Kinderarzt oder auch den Notarzt zu informieren. Dies kann z. B. angezeigt sein, wenn das Kind einen Fieberkrampf hat oder das Fieber schnell stark steigt.

 

Fazit:

Wenn Kinder im Kita-Alltag krank werden, bleibt Ihnen wenig übrig, als ruhig zu bleiben und den kleinen Patienten so lange liebevoll zu betreuen, bis Mama oder Papa ihn abholen. Zu Ihrer aller Sicherheit sollten Sie aber unbedingt die
Finger von Medikamenten lassen, auch wenn Sie nur helfen möchten.

 

fieber

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