So handeln Sie, wenn ein Kind in der Kita krank wird


01.10.2018

Kranke Kinder haben in der Kita nichts zu suchen. Trotzdem ist das immer wieder ein aktuelles Thema, da Krankheiten oft plötzlich auftreten: Ein Kleinkind, das vormittags noch topfit war, ist mittags plötzlich krank. Und manchmal bringen Eltern morgens kränkelnde Kleinkinder zu Ihnen.

„Er hat sich heute Nacht übergeben – nun ist er wieder topfit und wollte in die Kita gehen“, heißt es lapidar. Solche Tür-und-Angel-Situationen erfordern eine schnelle, durchdachte und professionelle Reaktion. Damit Sie angemessen reagieren, sollten Sie in Ihrem Team einheitliche Standards festlegen, wie dann vorzugehen ist.

Das sagt das Infektionsschutzgesetz

Das Infektionsschutzgesetz (§ 34 IfSG) regelt eindeutig, wie Sie bei ansteckenden Krankheiten zu reagieren haben. Denn Kindern mit bestimmten ansteckenden Krankheiten − wie Masern, Mumps, Keuchhusten, Scharlach und Windpocken − ist der Kita-Besuch untersagt. Das gilt auch bei Kopflausbefall und Krätze. Für Kinder unter 6 Jahren gilt der vorübergehende Ausschluss auch, wenn sie an einem möglicherweise ansteckenden Brechdurchfall erkrankt sind oder der Verdacht vorliegt.

Die Kleinkinder dürfen Ihre Einrichtung erst wieder besuchen, wenn nach ärztlichem Urteil keine Ansteckungsgefahr mehr besteht oder bei Kopfläusen keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist. Wie schon in anderen Beiträgen erwähnt, gibt es für viele leichte Erkrankungen keine Regelung. Hier liegt es in Ihrem und im Ermessen der Eltern, was zu tun ist. Legen Sie fest, wann ein Kind die Kita nicht besuchen darf Legen Sie im Team eindeutige Standards fest, wann ein Kind die Kita nicht besuchen darf.

Sie sind kein Mediziner und dürfen keine Diagnosen stellen. Konzentrieren Sie sich auf Anhaltspunkte, die auf eine mögliche Krankheit hindeuten. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei weiter. Wenn ein Kleinkind eines dieser Symptome zeigt, dann bitten Sie die Eltern, es zu Hause zu behalten oder einen Kinderarzt zu konsultieren.

Beachten Sie diese Anhaltspunkte für Krankheiten

Anhaltspunkteo.k.
Das Kleinkind hat Fieber.
Das Kleinkind klagt über Schmerzen.
Das Kleinkind hat Durchfall.
Das Kleinkind erbricht oder hat nachts erbrochen.
Das Kleinkind hat einen nicht definierbaren Hautausschlag.
Das Kleinkind zeigt plötzlich deutliche Zeichen von Unwohlsein.
Das Kleinkind weint ununterbrochen.

So handeln Sie, wenn ein Kind plötzlich krank wird

Legen Sie im Team fest, wie Sie vorgehen, wenn Sie bei einem Kleinkind einen Krankheitsverdacht haben. Folgende Vorgehensweise hat sich bewährt:

  1. Die Eltern informieren (sofern das Kleinkind während des Kita-Besuchs krank wird).
  2. Bestehen Sie darauf, dass die Eltern ihr Kleinkind abholen. Wenn ein Kleinkind fit ist und beispielsweise einen undefinierbaren Hautausschlag hat, brauchen die Eltern nicht unverzüglich zu kommen. Sollte es sich um eine Kinderkrankheit handeln, dann haben sich vorab ohnehin schon alle Kleinkinder angesteckt.
  3. Empfehlen Sie den Eltern, einen Arzt aufzusuchen.
  4. Weisen Sie die Eltern darauf hin, wann das Kleinkind wieder in die Kita kommen darf.
  5. Informieren Sie die Eltern auch, wenn Sie ein ärztliches Attest benötigen, dass das Kleinkind frei von ansteckenden Krankheiten ist und wieder in die Kita gehen darf.
  6. Geben Sie den Eltern einen Hinweis, wenn mehrere Kleinkinder an ein und derselben Krankheit erkrankt sind oder ähnliche Symptome zeigen.

So reagieren Sie professionell, wenn kranke Kinder gebracht werden

Es kommt immer wieder vor, dass Eltern ihr Kind nach einer Krankheit zu früh wieder in die Kita bringen. Ebenso kommt es vor, dass Eltern Kinder bringen, die zu Hause bereits kränkeln. Legen Sie auch hier im Team fest, wie Sie in solch einer Situation handeln. Empfehlungen sind:

  1. Verweigern Sie den Eltern die Annahme des Kindes, wenn dieses offensichtlich (noch) krank ist. Verlangen Sie im Zweifelsfall ein ärztliches Attest.
  2. Lehnen Sie es ab, wenn Eltern Sie bitten, dem Kleinkind ein Fieberzäpfchen o. Ä. zu geben, falls das Kind erkrankt. Bei gesunden Kindern haben die Eltern nicht den Wunsch. Folglich muss das Kleinkind zu Hause bereits Auffälligkeiten gezeigt haben. In solch einem Fall ist das Kleinkind zu Hause besser aufgehoben und hat in der Kita nichts zu suchen.
  3. Gelegentlich bekommen Sie von Eltern Medikamente wie Hustensaft. Globulis oder Nasenspray in die Hand gedrückt, die Sie dem Kleinkind verabreichen sollen. Diese sollten Sie ablehnen, wenn der Träger Ihnen das nicht ausdrücklich gestattet hat. Das Medikament muss vom Arzt verordnet werden, und die Eltern müssen Sie schriftlich dazu ermächtigen. Damit Sie auf der rechtlich sicheren Seite sind, sollten Sie sich weigern, einem Kleinkind Medikamente zu verabreichen. Machen Sie nur Ausnahmen bei chronisch kranken Kindern und Notfallmedikamenten. Handelt es sich bei dem Gesundheitszustand um eine Grauzone, vereinbaren Sie mit den Eltern, dass Sie anrufen, wenn sich das Kleinkind nicht gut fühlt.

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